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Das jüdische Echo · 1932-09-16 · 38 (16.9.1932) · p. Seite 305

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
38 (16.9.1932)
Date
1932-09-16
Page
Seite 305 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 305 Der Kampf der N.S.D.A.P. gegen die Warenhäuser Berlin, 2. September. (JTA.) Die Anschläge aut in jüdischem Besitze befindliche Waren- und Kaufhäuser, die sich in letzter Zeit ereignet haben und offenbar von nationalsozialistischer Seite herrühren, suchen die Nationalsozialisten in einem Antrag an den Preußischen Landtag damit zu entschuldigen, „daß immer größere Kreise der Bevölkerung Geschäfte dieser Art ablehnen“. Die N.S.D. A.P.-Fraktion nimmt deshalb die Errichtung einer Woolworth-Filiale in Hannover zum Anlaß, um in dem gleichen Anträge zu fordern, daß Einheitspreisgeschäfte überhaupt nicht mehr errichtet werden dürfen und daß dementsprechend die Notverordnung ^des Reichspräsidenten vom 9. März d. J., die eine Sperre nur für Orte unter 100 000 Einwohnern bis zum 1. April 1934 vorsah, grundsätzlich geändert werde. Das Preußische Staatsministerium soll in diesem Sinne auf die Reichsregierung einwirken. Erste hebräische Tagung der jüdischen Jugend Deutschlands Berlin, 31. August. (JTA.) Der Rat für hebräische Jugendarbeit und die Leitungen der jüdischen Jugendbünde haben gemeinsam die erste hebräische Jugendtagung Deutschlands einberufen, die am 18. September im Beth Am Iwri in Berlin, Kurfürstendamm 61, beginnt. Referate halten u. a. Max Ziemeis über „Wege der hebräischen Erziehungsarbeit unter der Jugend“, Nachum Lewin über „Organisation der hebräischen Arbeit“, Die Eröffnungskundgebung findet Sonnabend abends als große Demonstration im Lehrervereinshaus unter der Parole „Arbeit, Boden, Sprache!“ statt. Mit dieser Veranstaltung, die auch den Auftakt zur Landeskonferenz des Hechaluz, zur IL Berliner Zionistischen Stadtkonferenz und zur Tischri-Aktion des Keren Kajemeth bildet, wird die zionistische Arbeitssaison 5693 in Berlin eröffnet. Entlassung aus politischen oder Rassegründen ungültig B e r 1 i n , 8. September. (JTA.) Vor dem Arbeitsgericht wurde die Klage des bisherigen Redakteurs der aktuellen Abteilung der Funkstunde A.-G., Dr. Arthur Kürschner gegen die Funkstunde verhandelt. Dr. Kürschner war am Tage nach dem Amtsantritt des neuen Rundfunkkommissars, des zum Nationalsozialismus übergetretenen Dr. Scholtz, fristlos entlassen worden. Die Entlassung war, wie von der Funkstunde zugegeben wurde, aus politischen und Rassegründen erfolgt. Dr. Kürschner ist jüdischer Abstammung, Eine EntGssung lediglich aus politischen Gründen ist nach dem Betriebsrätegesetz unzulässig. Das Arbeitsgericht gab der Klage Kürschners statt und verurteilte die Funkstunde, den Kläger entweder weiter zu beschäftigen, oder ihm eine Entschädigung von 3000 Mark zu gewähren. In der Begründung erklärte Assessor Schmilinsky, eine Entlassung aus politischen Gründen sei unberechtigt. Es sei gerichtsbekannt, daß der Rundfunk nach seiner Umstellung bemüht sei, sich den Zielen der Rechtsparteien anzupassen. Nach der eigenen Kündigungsbegründung der Funkstunde sei es ganz deutlich, daß man Kürschner entlassen habe, weil er Jude gewesen oder politisch anders eingestellt sei. Dazu wäre nach dem Gesetz nur ein politischer Tendenzbetrieb berechtigt; das aber könne die Funkstunde nicht sein. Boykott-Unruhen in Warschau Warschau, 9. September. (JTA.) In der Stokrzyskastraße, wo es viele jüdische Buchläden gibt, kam es zwischen jüdischen Schülern, die zu Beginn des Schuljahres Bücher einkaufen wollten, und nationaldemokratischen Boykott-Agitatoren, die die jüdischen Buchhandlungen blockierten, um die Käufer von ihnen fernzuhalten, zu schweren Zusammenstößen. Ein großes Polizeiaufgebot war nötig, um die Ruhe wieder herzustellen. Die Nationaldemokraten verbreiteten massenhaft Flugzettel mit der Überschrift: „Schüler, kauft nicht in jüdischen Buchläden! Denkt daran, daß die Juden Waclawski, den Vorkämpfer für Wahrung des polnischen Charakters der Universität, ermordeten!“ Gemeinden- und Vereins-Echo Der Jungzionistische Arbeitskreis veranstaltet am Montag, dem 26. September, um 8.15, im Lessingsaal, Herzog Rudolfstraße 1 eine Stunde der Erinnern ng au zwei Marksteine in der Geschichte der jüdischen Renaissance, des Beginns der Palästinakolonisation durch die Bilo vor 50 Jahren und der Gründung der Jüdischen Legion im Weltkrieg vor 15 Jahren. — Das Programm enthält Gedächtnisreden, Rezitationen und musikalische Darbietungen. Hebräische Sprachkurse, München Neue Kurse; 1. Der Anfängerkurs beginnt am Mittwoch, dem 21. d. M., abends 7.15 Uhr. 2. Der Kurs für Bibel mit Kommentaren und Agada (in Hebräisch) für Fortgeschrittene beginnt Donnerstag, den 22. d. M., abends 8 Uhr. 3. Der Kurs über die neueste hebräische Literatur für Fortgeschrittene wird nur bei genügender Beteiligung zustande kommen. Vorherige Anmeldung ist daher möglichst bald erwünscht. Näheres Herzog-Rudolf-Straße 1 (297 449) ober bei Dr. Percikowitsch, Gewürzmiihlstraße 12/1, Tel. 28 2 53. Der neue Stundenplan für das Wintersemester wird demnächst bekanntgegeben. — Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß Gesuche um Ermäßigung des Schulgeldes au Herrn Griinbaurn, Rothmundstraße 6/1 bis längstens 15. Oktober zu richten sind. Das Münchener Palästina-Amt teilt uns mit, daß am Dienstag, dem 13. September 1932, mit dem Berliner Nachtzug 109 Palästina-Fahrer, sämtliche aus Litauen, darunter 85 Chaluzim und 24 Touristen München passiert haben. Es waren 21 Damen und 58 Herren, junge Menschen, die sich von einigen, sich am Bahnhof eingefundenen Münchener Freunden verabschiedeten und unter freudigen Gesängen mit dem Triester Zug die Münchener Bahnhofshalle verließen. Die neue Synagoge Reichenbachstraße 27 bereitet zu den bevorstehenden hohen Feiertagen besonders weihevolle Gottesdienste vor. Dem Kantor wird ein großer Herren- und Knabenchor zur Seite stehen, der sich bereits zu beachtlicher musikalischer Höhe entwickelt hat.

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