Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 35 (26.8.1932)
- Date
- 1932-08-26
- Page
- Seite 281 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 281 Das Budget, das für das kommende Jahr angenommen wurde, ist klein und höchst unzulänglich. Durch Proteste und Gerede ist an diesem wunden Punkte nichts zu ändern. Nur ernsthafte und verantwortungsvolle Arbeit für unsere nationalen Fonds kann hier Remedur schaffen und erreichen, daß die Kräfte, die wir in Palästina einsetzen, den großen Möglichkeiten, die sich uns heute allseits im Lande eröffnen, adäquat werden. —.nan Jüdische Bevöikerungsvorgänge in München 1926—1931 Die jüdische Geburtenzahl in München, ebenso wie in den übrigen deutschen Städten, bewegt sich ständig, nach wie vor, abwärts. Ob es mit einer Abwanderung jüdischer Menschen, oder was wir annehmen, mit einem natürlichen Geburtenschwund unmittelbar zusammenhängt, können wir für München nicht feststellen, weil uns die Unterlagen, die von der Polizei über Zu- und Abwanderung laufend geführt werden, nicht zur Verfügung stehen. Geborene (Lebend- und Totgeborene) Gestorbene Jahr Vater und Mutter jüdisch Vater jüdischen, Mutter nichtjüd. Glaubens Vater nichtj.. Mutter jüd. Glaubens jüdischen Glaubens 1926 82 10 10 146 1927 82 9 5 149 1928 79 12 13 129 1929 76 13 7 145 1930 62 14 7 160 1931 57 9 6 145 Insgesamt 438 67 ' 48 874 Dies könnte von dem Gemeindebüro unschwer nachgeholt werden und würde der jüdischen Gesamtheit zum Vorteil gereichen. Sogar gewisse Aufwendungen für derartige Listenführungen sind berechtigt, auch wenn sie keinen pekuniären Vorteil ergeben, weil der jüdische Mensch den treibenden Faktor aller Geschehnisse im Gemeindeleben darstellt. Absichtlich ist oben eine zusammenhängende Jahrestabelle seit dem Jahre 1926 aufgeführt, um den Lesern die für ganz Deutschland in bezug auf die Juden charakteristische Entwicklung plastisch vor Augen zu führen. Aber immer weniger Kinder und, da die Sterblichkeit im allgemeinen nach oben zeigt, eine von Jahr zu Jahr sich ungünstiger gestaltende Bevölkerungsbilanz. Wir sehen in keiner Hinsicht eine Änderung der Situation, wie sie in kurzen Umrissen von uns gezeichnet worden ist. Eheschließungen Ungemischte Ehen zwischen Gemischte Ehen zwischen Jahr jüd. Männern und nichtjüd. nichtj. Männern zu- und jüdischen sammei Juden Frauen Frauen 1913 51 19 6 25 1926 43 14 11 25 1927 28 32 7 39 1928 40 25 13 38 1929 43 20 12 32 1930 32 23 8 31 1931 24 22 10 32 1926/1931 210 136 61 197 Die 1 Geburten aus Mischehen betragen im Vergleich mit denen aus rein jüdischen Ehen mehr als ein Viertel, ln Hinsicht auf die überaus hohe Mischehenzahl müßten sie aber viel größer sein. Die verhältnismäßig geringen Ziffern sind auf die sehr unfruchtbaren Mischehen — auf deren große Kinderlosigkeit — zurückzuführen. Die Mischehen haben in München eine Höhe erreicht, die sogar Großberlin weit in den Schatten stellen. Das Jahr 1931 stellt eine Rekordhöhe der Mischehe dar. Überaus betrüblich ist eine solche Entwicklung, die gerade im krassen Widerspruch zu dem starken Antisemitismus steht. Was den Hitlerschen Rassengedanken, der ja auf sogenannte Rassereinheit hinzielt, anbetrifft, so scheint er hier wirklich tauben Ohren zu predigen. Die rein jüdischen Ehen nehmen ab. Ein Zusammenhang zwischen schlechter Wirtschaftslage und Eheschließung ist unverkennbar. Man beachte auch die große Zahl jüdischer Männer und die geringe Anzahl jüdischer Frauen, die eine Mischehe eingehen. Herbert Philippsthal. Aus der jüdischen Welt Das Bombenattentat in Groß-Gaglow 'Berlin, 19. August. (JTA.) Der durch den Bombenanschlag in der Siedlung Groß-Gaglow, der auf Initiative des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten geschaffenen ersten jüdischen landwirtschaftlichen Kolonie des Reichsbundes für jüdische Siedlung, verursachte Schaden hat sich als weitaus erheblicher erwiesen, als auf Grund der ersten Meldungen anzunehmen war. „Der Abend“, die Nachmittagsausgabe des sozialistischen „Vorwärts“, bringt Abbildungen des Siedlungshauses, gegen das der Anschlag verübt wurde, vor und nach der Tat. Die Wirkung der Explosion war so groß, daß das eben fertiggestellte Siedlungshaus dem Erdboden vollkommen gleichgemacht wurde. Berlin, 18. August. (JTA.) In der Nacht zum 10. August wurden gegen das Wohnzimmer des jüdischen Ziegeleibesitzers Weißenberg in Sersar bei Peiskretscham in Oberschlesien zwei Stielhandgranaten geworfen, die aber am Fensterkreuz abprallten und so ihr Ziel verfehlten. Antisemitische Provokation auf der Berliner Funktausstellung Berlin, 22. August. (JTA.) Die nationalsozialistische Rundfunkzeitung „Deutsch der Rundfunk!“ hat auf der Berliner Funkausstellung einen Verkaufsstand errichtet, an dem schmähende Reproduktionen aus der nationalsozialistischen Presse sowie ein Plakat ausgestellt wurden, auf dem zu lesen steht „Juden sehen Dich an“. Die Direktion der Ausstellung hat die Aussteller des Standes „Deutsch der Rundfunk!“ und des Standes der nationalsozialistischen Schallplatten-Industrie, wo Platten mit nationalsozialistischen Kampfliedern gespielt wurden, auf das Verbot politischer Betätigung im Ausstellungsgebäude schriftlich aufmerksam gemacht. Das Leipziger Meßamt weißt jüdischen Kräften keine Beschäftigung nach Leipzig, 18. August. (JTA.) Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glauibens, Landesverband Mitteldeutschland, teilt mit: „Das Leipziger Meßamt hat eine Arbeitsvermittlung, welche für die Zeit der Messen Beschäftigung nachweist. Es ist in den letzten Jahren immer wieder aufgefallen, daß jüdische Kräfte, welche sich meldeten, kaum je beschäftigt wurden. Auf wiederholte Klagen ist nachgeforscht worden, und es hat sich herausgestellt, daß das Leipziger Meßamt von den Bewerbern bei der Stellenvermittlung die Angabe der Konfession verlangt! Nach den in heutiger Zeit allgemein gemachten Erfahrungen bedeutet das lediglich den