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Das jüdische Echo · 1932-08-19 · 34 (19.8.1932) · p. Seite 274

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
34 (19.8.1932)
Date
1932-08-19
Page
Seite 274 (sequence 6)
Language
German
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274 Das Jüdische Echo Nr. 34 son de Faubourg zu Genf die vom American Jewish Congreß einberufene Jüdische Weltkonferenz feierlich eröffnet. An der Eröffnungssitzung nahmen von den angemeldeten 130 Delegierten aus über 20 Ländern etwa 100 Delegierte, sowie 300 Gäste teil. Von den aus Deutschland angemeldeten 15 Vertretern waren bei der Eröffnungssitzung nur fünf anwesend, nämlich Moses Goldmann für den Ostjuden-Verband, Direktor Georg Kareski und Referendar Hans Klee für die Jüdische Volkspartei, bzw. für die zionistische Studentenschaft, Redakteur Moses Waldmann für die Zionistische Vereinigung für Deutschland und der dem engeren Organisationskomitee angehörende Dr. Nahum Goldmann. Die Informationsabteilung des Völkerbundes war durch eines ihrer Mitglieder vertreten. Den Vorsitz der Konferenz führt der Ehrenpräsident des American Jewish Congreß Dr. Stephen S.Wise. Zahlreiche jüdische und nichtjüdische Persönlichkeiten haben an die Konferenz Begrüßungsschreiben gerichtet. In einer Botschaft des Vorsitzenden der Kommission für auswärtige Angelegenheiten im amerikanischen Senat William E. B o r a h heißt es: „Kein Volk kann Achtung für ein anderes Volk besitzen, das die Beobachtung von Grundsätzen ablehnt, die es für sich selbst in Anspruch nimmt.“ Der Präsident des American Jewish Congreß Bernard S. Deutsch begrüßte die Konferenzteilnehmer im Namen der einberufenden Körperschaft mit einem herzlichen „Schalom“ und führte dann aus: Wir treten in einem Augenblick zusammen, da die Schleusentore jüdischen Elends nahe daran sind, zu brechen. Jeder Tag bringt plötzliche Änderungen im Leben der Völker der Welt und insbesondere unseres eigenen Volkes. Im Laufe unserer langen Geschichte haben wir immer wieder Änderungen durchgemacht und immer wieder einen neuen Weg mit Festigkeit und Bestimmtheit gebahnt. Die inhärente Weisheit unseres Volkes, die göttliche Vision unserer Führer von Moses bis Herzl haben unser Schicksal geleitet und unser Sein erhalten. An einem neuen trüben Tag treten wir zusammen, um mit einander zu beratschlagen, unseren Lebensprozeß fortzusetzen, Wege der Selbsterhaltung und Selbsthilfe zu finden, eine Kooperation mit den uns wohlgesinnten christlichen Kreisen anzubahnen und wieder einmal ein Forum für die demokratische Stimme unseres Volkes zu schaffen. Er sprach dann über die Lage der Juden in den Vereinigten Staaten. Es folgten Begrüßungsansprachen von Vertretern verschiedener Behörden und Organisationen. Im Namen des Israelitischen Gemeindebundes für die Schweiz wurde die Konferenz vom Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Genf Armand Brunschwig, der neben dem Vorstandsmitglied Henri de Toledo auch die Genfer jüdische Gemeinde repräsentierte, begrüßt. Sodann erstatteten Dr. Nahum Goldmann und Dr. Stephan Wise Referate über die künftige Organisation der geplanten Arbeiten. Aus der jüdischen Welt Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens lehnt Teilnahme an Jüdischer Weltkonferenz ab Berlin, 12. August. (JTA.) Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat eine Beteiligung an der Genfer Weltkonferenz mit folgender Begründung abgelehnt: „Die treibende Kraft der Einberufung einer jüdischen Weltkonferenz ist der unter Leitung von Rabbi Stephen Wise stehende amerikanisch jüdische Kongreß, der fast ausschließlich nationaljüdische Interessen vertritt. Da außerdem maßgebende Vertretungen der amerikanischen, englischen und französischen Juden sich an dem Kongreß seiner programmatischen Grundeinstellung wegen nicht beteiligen, hat auch der Central-Verein von einer Beteiligung abgesehen.“ Georg Gothein 75 Jahre Berlin, 15. August. (JTA.) Dieser Tage feierte der langjähirge erste Vorsitzende des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus Reichsminister a. D. Dr. Georg Gothein seinen 75. Geburtstag. Auf der vor kurzem stattgefundenen Dresdener Tagung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus protestierte er leidenschaftlich gegen die in der nationalsozialistischen Bewegung sich anbahnende Rückkehr zum Mittelalter. Die Zeitungen würdigen anläßlich Gotheins 75. Geburtstag seine Verdienste um deutsche Wirtschaft und Politik. Überfall auf Juden in Danzig Danzig, 10. August. (JTA.) In der Nähe der Synagoge in Matenbuden hat eine Bande von Nationalsozialisten jüdische Passanten überfallen und drei Personen erheblich verletzt. Der Kaufmann Freund erlitt eine schwere Kopfverletzung, auch die Kaufleute Landau und Weißberg wurden nicht unerheblich verletzt. Tagung des Weltverbandes für das liberale Judentum im Haag Im Haag, 10. August. (JTA.) In der Zeit vom 5. bis 9. August tagten im Haag und in Amsterdam Konferenzen des Weltverbandes für das liberale Judentum. Im Haag hielt der Vorstand des Weltverbandes Beratungen ab. Gleichzeitig fanden in Amsterdam und im Haag Elternversammlungen und religiöse Veranstaltungen statt. Hauptreferentin in den Elternversammlungen was Miß Lily Montagu, die über das Thema „Religion im Heim und religiöse Erziehung“ sprach. Am 5. und 6. August fanden im Haag liberale Festgottesdienste nach einer von den liberalen Gemeinde-Vereinigungen in Amsterdam und im Haag geschaffenen eigenen Liturgie statt. Den Höhepunkt der Veranstaltungen anläßlich der Tagung des Weltverbandes für das liberale Judentum bildete eine am 7. August nachmittags in Amsterdam veranstaltete Round-Table-Konferenz über das Thema: „Richtige und schädliche Art der Assimilation“. Den Vorsitz führte Rabbiner Dr. I. I. Mattuck. An der Aussprache nahm u. a. der Vorsitzende der liberalen Vereinigung für Deutschland, Rechtsanwalt Heinrich Stern, ferner zahlreiche Rabbiner statt. Sie berührte auch das Problem „Liberalismus und Zionismus“. Halbtägiger Streik der hebräischen Lehrer Palästinas Jerusalem, 10. August. (JTA.) Die hebräischen Lehrer Palästinas haben beschlossen, im Hinblick darauf, daß die Jewish Agency nunmehr bereits mit sieben Monaten in der Auszahlung ihrer Gehälter im Rückstände ist, am Sonntag, dem 14. August, einen halbtägigen Proteststreik durchzuführen.

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