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Das jüdische Echo · 1932-08-12 · 33 (12.8.1932) · p. Seite 264

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
33 (12.8.1932)
Date
1932-08-12
Page
Seite 264 (sequence 4)
Language
German
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264 Das Jüdische Echo Nr. 33 kenntnis eine zweifache Konseauenz. Einerseits bedeutet die eingetretene Verarmung und Bedrängnis des Westjudentums die Richtigkeit der zionistischen Auffassung der Judenfrage, stärkt den Zionismus also moralisch. Andererseits aber schwächt sie ihn materiell, da er zu seiner Realisierung die ökonomischen Kräfte gerade des Westiudentums benötigt. Aus diesem tragischen Widersnruch gibt es nur eine Lösung: Beschleunigung des Tempos. Je mehr das Volksvermögen zusammenschmilzt, um so größer muß die Energie sein, mit der wir es für konstruktive Arbeit mobilisieren. Es wäre nicht das erstemal, daß ein verarmtes, aber zielstrebiges Volk mehr zuwege bringt, als ein reiches, aber träges. Es gilt, den Wettlauf mit dem Schicksal aufzunehmen. Bemerkungen Der Gipfelpunkt Wir geben wieder, was wir im ..Berlin am Morgen“ vor der Wahl noch gelesen haben: „Wir haben hier einmal scherzhaft gemeint, die Nazis müßten eine Abteilung für Juden einrichten. Aus dem Scherz wurde bitterer Ernst. Die Abteilung besteht. In der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ von gestern rührt ein Dr. Max Naumann, Vorstandsmitglied des Verbandes nationaldeutscher Juden, die Werbetrommel — für Hitler. Man weiß nicht, was man da mehr anstaunen soll, die ekelhafte Kriechtierfähigkeit dieser Anbiederung oder die unüberbietbare Frechheit eines jüdischen Pogrom-Antisemitismus. Denn Dr. Naumann geht aufs Ganze. Nach seiner Theorie gibt es deutsche und undeutsche Juden. Die undeutschen, das sind die „wurzellosen Intellektuellen“, die die ..deutsche Literatur und Kunst in den Ruf rettungsloser Verjudüng“ gebracht und „so manchen Keim deutschen Auflehnungs- und Zukunftswillens erstickt“ haben. Das Problem besteht also einfach darin, diese „Schädlinge zurück in ihre Fuchslöcher oder noch besser ganz zum Teufel zu jagen.“ Und das besorgt der Nationalsozialismus. „Daß hier und nur hier ein Weg gebahnt wird, der zu einer Wiedergeburt des Deutschtums, zu~ einer Zurückeroberung des deutschen Ansehens führen soll und hoffentlich führen wird, daß diese ( Abkehr von dem Freiheits- und Brüderlichkeitswahn der Umsturzzeit und der Erfüllungsjahre^ nicht mit Ghettowitzen abzutun ist — das wagen; viele Juden einfach nicht zu begreifen.“ ( Dr. Max Naumann wagt es. Wir wollen uns verj sagen, die weiteren Freundlichkeiten des „B. a. M.“ für Herrn Naumann wiederzugeben. \ Die „Welt am Montag“ bemerkt mit Recht dazu, ■ daß man sich über so etwas nicht etwa wundern j dürfe. Denn nach alter Pogrom-Etfahrung wird von * den Nazis die deutsche Kultur mit Schlagring und i Pistole doch nur den armen Juden der Grenadier- Straße beigebracht.; Hitler und die Juden Im Anschluß an die nach Amerika übertragene j Rundfunkansprache des deutschen Reichskanzlers \ über den neuen Kurs in Deuschland sprach der j Berliner Korrespondent der Hearst-Presse, Herr i von Wiegand, einige Sätze ins MikroDhon. darunter j die folgenden: I „Daß Deutschland durch Judenverfolgungen zum Mittelalter zurückkehren würde, glaube ich nicht. | Ich habe mit Hitler hierüber viele Male gesprochen. Es ist bemerkenswert, daß er bei seinem Wahlfeldzug, wie mir gesagt wird, selbst nicht ein einzigesmal gegen die Juden losgezogen ist. Hierzu bemerkt das „Berliner Tageblatt : Leider wurden diese englisch gesprochenen Sätze nicht ebenso, wie die Ansprache des Herrn von Papen, ins Deutsche übertragen, denn dann hätten die Anhänger Hitlers Gelegenheit gehabt, ihren Führer zu fragen, was er zu dem Versuch sage, den antisemitischen Charakter der Nationalsozialistischen Partei zu bagatellisieren oder gar wegzudisputieren. Von der Ä.-C.-Sitzung (Die 'Tagung des A.-C. dauert bei Redaktionsschluß noch fort; wir werden über die Verhandlungen noch berichten) Das Aktions-Komitee hat den French-Bericht abgelehnt London, 7. August. (JTA.) Den Vorschlägen der mit der Behandlung des French-Berichts betrauten Subkommission entsprechend hat das Zionistische Aktions-Komitee in seiner am Sonntag, dem 7. August, abgehaltenen Plenarsitzung beschlossen, den French-Bericht abzulehnen, da er den Bestimmungen des Palästina-Mandates und dem Inhalt des MacDonald-Briefes widerspreche. Der Exekutive erteilte das Aktions-Komitee den Auftrag, als Antwort auf den French-Bericht der Regierung Einwände gegen dessen Einzelheiten im Sinne einer Ablehnung des Gesamtberichtes zu unterbreiten. Abweisung einer Klage der Revisionisten gegen die Zionistische Exekutive durch das Kongreßgericht London, 5. August. (JTA.) Das zionistische Kongreßgericht hat die von der Revisionistischen Fraktion des Aktions-Komitees gegen die zionistische Exekutive im Zusammenhänge mit dem Kongreßbeschluß über Palästina-Ämter eingebrachte Klage wegen Unzuständigkeit des Kongreßgerichtes abgewiesen. Die Kläger wurden zur Tragung der Kosten verurteilt. Das Kongreßgericht setzte sich aus dem Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Gronsmann und den Mitgliedern des Kongreßgerichtes, Herrn Rechtsanwalt Jonah Machover und Herrn Ing. Anselm Reiß, zusammen. Die Klage der Revisionistischen Fraktion war durch die Herren M. Großmann, R. Lichtheim und Dr. H. Rosenblum vertreten. Die Vertreter der Exekutive, Herr B. Locker und Herr Dr. L. Lauterbach, brachten vor Eintreten in die Sache den Einwand vor, daß die Forderung der Revisionisten keinen Gegenstand einer Gerichtsklage bilden kann und daß auf Grund der Bestimmungen des Statutes der Zionistischen Organisation über Ausführungen von Kongreßbeschlüssen kein Verfahren vor dem Kongreßgericht, sondern nur eine Beschwerde beim Aktions-Komitee, auf dessen Tagesordnung die Exekutive die Behandlung dieser Frage gesetzt hat, zulässig ist. Die Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency eröffnet London, 7. August. (JTA.) Unter dem Vorsitz von Direktor Oscar Wassermann (Berlin) wurde am Sonntag, dem 7. August, in London die Sitzung des Administrative Committee der Jewish Agency eröffnet. Der Präsident des Zionistischen Aktions- Komitees, Leo Motzkin, legte dem Administrative Committee die dem Aktions-Komitee von Präsident Nahutn Sokolow, Dr. Brodetzky und Dr. Arlosoroff erstatteten politischen Berichte vor.

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