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Das jüdische Echo · 1932-07-08 · 28 (8.7.1932) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
28 (8.7.1932)
Date
1932-07-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Erschelnuncszeit: Jeden Freltae. Bezug;: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis; Jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich; RM. 3.—. Einzelnummer 20Rof. I Verlag;, Ab*- lleferung; des ,,Jüdischen Echos“: München. Plinsransentraße Nr. 64. I N H Ä L T : Von Pfefferkorn zu Peperkorn — Bemerkungen — Das Los der polnischen Juden — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Spenden-Ausweis Anzeigen: Die vierg;espaltene Millimeter-Zelle 30 Rüf. / Fatnlllen- Anzelgen Ermäßigung; / AnzeIsen- Annahme: Verlag; de* J I d 1ichen Echos. München. Pllnganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 3987 Nr. 28 München, 8. Juli 1932 19. Jahrgang Von Pfefferkorn zu Peperkorn In unserer letzten Nummer haben wir über das nationalsozialistische Gesetzgebungsvorspiel im preußischen Landtag berichtet. Die nachfolgende überaus interessante historische Betrachtung zu den Reden in der Nachtsitzung des preußischen Landtages finden wir in der Breslauer „Jüdischen Zeitung“. Nach einer Wiedergabe der Gesetzentwürfe usw. fährt der Artikel fort: Rufer im Streit in der denkwürdigen Nacht vom 24. zum 25. Juni war Herr Pastor Peperkorn aus Viol in Schleswig-Holstein, der bei der Aussprache über Kulturfragen für seine Partei ein grundsätzliches Bekenntnis zum Antisemitismus abgab, wie man es in dieser Form selbst bei den Nationalsozialisten nicht gehört hat. Peperkorn? Der Name dieses Mannes, der uns bisher als geistiger Führer des deutschen Volkes noch nicht bekannt gewesen ist, kommt uns so sonderbar vertraut vor. Ist er nicht die norddeutsche Abwandlung des Namens eines Mannes, der vor mehr als 400 Jahren in der jüdischen Geschichte eine so traurige und bedeutungsvolle Rolle gespielt hat, Johann Pfefferkorn ist für uns der Typ des letzten Kämpfers des deutschen Mittelalters gegen die herankommende neue Zeit. Pfefferkorns Angriffe gegen das Judentum, die von den „Dunkelmännern“ in Köln, dem Dominikanerorden und seinem Anhang unterstützt wurden, waren es die Männer wie Reuchlin und Ulrich von Hutten auf den Plan riefen. Nicht um das Judentum in Schutz zu nehmen, dem sie ebenso wie alle anderen ihrer Zeitgenossen fremd und ablehnend gegenüberstanden, sondern um der Lüge und Gemeinheit, die von Pfefferkorn und seinen Beschützern verbreitet wurden, entgegenzutreten, nahmen Reuchlin und von Hutten den Kampf mit dem allmächtigen Dominikanerorden und damit mit der ganzen katholischen Kirche auf. Und so wurde aus der Abwehr der Angriffe Pfefferkorns der Kampf zwischen Humanismus und Mittelalter und der Beginn einer neuen Zeit für ganz Europa. Nicht nur der Name des neuen Antisemitenhäuptlings Peperkorn erinnert uns an die damalige Zeit, auch die Methoden sind heute dieselben, wie sie damals gewesen sind. In der Kulturdebatte des Landtags hat Peperkorn folgendes erklärt: „Wohin wir blicken, sehen wir die bestellten Zersetzer des deutschen Volkes: die Juden, die Juden und immer wieder die Juden! Es ist eine klare Zielsetzung mit einer ganz präzise innegehaltenen Marschrichtung, die hier erfolgt. Es ist die Absicht, die Seele, das Gemüt des deutschen Volkes erst einmal zu entleeren; und wenn die Seele erst einmal entleert ist, dann soll sie, dann soll das Gemüt bis an den Rand mit Gift gefüllt werden. Ist aber erst einmal die Seele, das Gemütsempfinden des deutschen Volkes getötet, dann können die Feinde dieses deutschen Volkes ihm den Fuß auf den Nacken setzen und es wirtschaftlich knechten. Wir bleiben für alle Ewigkeit Antisemiten (stürmisches Händeklatschen bei den Nationalsozialisten). Dabei erklären wir: wir denken nicht an Judenpogrome. Genau so ließ sich Pfefferkorn vernehmen. Auch er predigte zuerst Zurückhaltung und richtete die Bitte an die Christen, die Juden nicht auszuweisen, da sie bisher stets von einem Exil ins andere gehetzt worden seien, ihnen auch keinen allzu unerträglichen Druck aufzuerlegen, da sie doch gewissermaßen auch Menschen seien. Diese „Freundlichkeiten“ waren aber bei Pfefferkorn ebenso wie heute bei den Nationalsozialisten nur leerer Schein. Späterhin empfahl Pfefferkorn, das deutsche Land genau so gründlich von den Juden zu säubern, wie dies bereits — in damaliger Zeit — in England, Frankreich und Spanien geschehen sei. Ebenso hat auch der nationalsozialistische Abgeordnete Bauer in einer Versammlung in München erklärt: „den Juden in Deutschland, die nicht durch einen rein arischen Gerichtshof ,streng legal4 abgeurteilt würden, würde man das Leben so sauer machen, daß sie in Deutschland keine Lebensmöglichkeit sähen und auswanderten. Das Dritte Reich werde die Juden wie Blattläuse behandeln. Er habe einmal in seiner Schule die Aufgabe gestellt, wie man sich am besten gewisser Schmarotzer erwehren könne. Er habe die Juden zwar nicht genannt, aber die Kinder hätten es sofort verstanden, zumal er versteckt auf Rußland, Österreich und Deutschland hingewiesen habe, die die Juden nacheinander abgegrast hätten.“ Allen den nationalsozialistischen Parteiführern, die es in erster Reihe auf das Geld der Juden abgesehen haben und sich die jüdische Konkurrenz vom Halse schaffen wollen, möchte man das entgegenhalten, was Reuchlin in seinem Kampf gegen die Kölner Dominikaner an den Kaiser Maximilian geschrieben hat: „Ich bitte Dich darum, gestatte den Kölnern, die Juden vor ihr Inquisitionstribunal zu ziehen, zu treten und zu berauben, und laß sie es wissen, daß sie es meinem Dazwischentreten zu verdanken haben, ihre Säcke mit jüdische Gelde zu füllen. Wenn Du meiner Bitte Gehör schenken wirst, dann werden sie meine geschändete Ehre wieder hersteilen. Denn dann werden sie meine Äußerungen nicht mehr skandalös und ketzerisch empfinden.“

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