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Das jüdische Echo · 1932-06-17 · 24/25 (17.6.1932) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
24/25 (17.6.1932)
Date
1932-06-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Erscheinungszelt: Jeden Fretta*. B e z u g : Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20Rpf. I Verlag, Amlleferung des ,.Jüdischen Echos“: München, Plinganserstraße Nr. 64. I N H Ä L T : Im Wirbel — Der French-Bericht — Völkerbund — Jüdischer Weltkongreß — Maxim Gorki über Hitlers antisemitischen Kampf — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Spenden-Ausweis Anzeigen: Die viergespaltene Millimeter-Zeile 30 Rpf. I Familien- Anzelgen Ermäßigung? / Anzeigen- Annahme: Verlag des J 1 d 1sehen Echos. München. Plinganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 3987 Nr. 24/25 München, 17. Juni 1932 19. Jahrgang Im Wirbel Der Versuch, die Bedeutung der gegenwärtigen Vorgänge in Deutschland zu erfassen, muß fehlschlagen. Auch eine noch so eingehende Untersuchung wird nicht imstande sein, alle Faktoren aufzuzeigen, die an ihrer Herbeiführung beteiligt sind; noch weniger wird es gelingen, klarzulegen, in welcher Richtung die Entwicklung verlaufen wird. Es ist klar, daß der Kapitalismus in der ganzen Well in einer Umformung begriffen ist, aber ob er aus der Krise verstärkt und verjüngt hervorgehen wird, oder ob wir mitten in einer Wirtschaftswende stehen, ist für den, der es miterlebt, nicht ersichtlich. Die Krise des Kapitalismus hat sich in Deutschland zweifellos besonders stark ausgewirkt, man wird aber nicht sagen können, daß sie allein zu der deutschen Situation geführt hat und eben darum wird das, was etwa in der ganzen Welt oder in andern Ländern zur Behebung der Krise geschieht, in Deutschland nicht genügen, wird eine Selbstheilung der Krise — wofern es sie überhaupt gibt — die deutsche Krise nicht lösen. Zweifellos ist die Erstarrung der Welt in höchstem nationalen Egoismus, ist die immer wieder erhobene Forderung der Reparation und die dadurch bedingte Ausblutung des deutschen Wirtschaftskörpers in besonderem! Maße schuld an dem gegenwärtigen chaotischen Zustand der Dinge in Deutschland; aber selbst wenn ein Wunder geschähe und alle außenpolitischen Schwierigkeiten auf der Lausanner Konferenz behoben würden — auch dann könnte keine Klärung ein treten. Denn — und gerade das ist vom Standpunkt des deutschen Juden aus, von dem hier das Problem anzusehen ist, von großer Bedeutung — es ist nicht zu bezweifeln, daß ein wesentlicher Teil der Wirrnis in Deutschland auf Eigentümlichkeiten des deutschen Volkscharakters zurückzuführen sein muß. Es sei hier nicht geradezu die Rede davon, daß „die deutsche politische Grundslruktur immer wieder dahin tendiere Obrigkeit zu bilden“, wie es die „Tat“ ziemlich nebelhaft ausdrückt und wie es auch nicht klarer wird, wenn man erfährt, daß das Merkmal der Obrigkeit in der Verbindung des weltlichen Regiments mit der höchsten Würde in geistlichen Dingen liege, eine Verbindung, die von den Landesfiirslen hergestellt worden sei. Aber daß das Kleid der ausgeprägten, vielleicht auch überspitzten parlamentarischen Demokratie nicht oder noch nicht auf den deutschen Volkskörper passe und dem deutschen Volkscharakter nicht entspricht, das wird man selbst dann zugeben müssen, wenn man es tausendmal nicht wahr haben möchte. Es ist billig, die monarchistische Propaganda etwa des Herrn Dr. Heim für eine Abnormität, bestenfalls für einen unzeitgemäßen Witz zu halten; so einfach ist das Problem wirklich nicht. Was in Zukunft wird, ist also schlechterdings nicht vorstellbar; und die Gegenwart der Staatskrise nicht zu durchschauen. Einiges allerdings wird man doch mit ziemlicher Sicherheit sagen können, werden sich die deutschen Juden sagen müssen, weil es jeder Tag von neuem bestätigt. Man sehe sich nur die programmatische Erklärung der Regierung Papen daraufhin einmal an: das Zeitalter der Emanzipation ist vorbei. Und gleichgültig wer in Deutschland ans Ruder kommen wird: auf Jahre und Jahrzehnte hinaus werden die Wirkungen der antisemitischen Agitation der Nationalsozialisten nicht auszulöschen sein, selbst wenn die Hitlerpartei über Nacht wieder verschwinden sollte, wie sie über Nacht groß geworden ist. Jüdische Beteuerungen und Beschwörungen werden daran wenig ändern können und Argumente mögen noch so schön und1 ehrlich gedacht sein: im ganzen deutschen Volk lebt die Empfindung, daß die Juden, um einmal den Stapelschen Ausdruck zu gebrauchen, sich dauernder „Grenzüberschreitungen“ schuldig machen. Wie sehr das heute sogar in „liberalen“ Kreisen der Fall ist, wurde hier unlängst am Beispiel der „Frankfurter Zeitung“ gezeigt; nur, daß zu Unrecht in diesen Kreisen dem einzelnen Juden zur Last gelegt wird, was ein gesamtjüdisches Problem ist, daß man den Herrn Dr. Bernhard Weiß auf fordert, mehr Takt zu haben, wird einem jüdischen Beamten an repräsentativer Stelle offenbar schon wider den Strich gehen. Nur: mit dem frisch-fromm-fröhlichfreien Rezept: „Mehr Selbstbewußtsein“, das Herr Dr. Weiß seinen Gesinnungsfreunden in der letzten Nummer der C.-V.-Zeitung in einer kräftigen Dosis verabreicht, ist die Sache natürlich auch nicht getan, wenigstens nicht so, wie er es meint. Die Forderung, die Dr. Weiß an seine Freunde stellt: mehr Selbstbewußtsein zu haben, sich nicht feig zu verkriechen, trotz zu erwartender Anfeindungen an gefährlichen Stellen auszuharren, wird offensichtlich nicht ohne große innere und äußere Berechtigung erhoben; faktisch würde sich aber auch durch noch mehr Selbstbewußtsein, das Dr. Weiß an den Tag legen könnte, nichts an der Tatsache ändern, daß er nicht mehr lange Gelegenheit haben wird, es an seiner heutigen Stelle zu tun. Es ist daher auch müssig, lange Überlegungen darüber anzu stellen, ob es nicht besser für die jüdische Gemeinschaft wäre, die Grenzen die uns von außen jetzt so gezogen werden sollen, daß wir nicht wissen, wie wir atmen sollen, wären aus freiem Willen so

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