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Das jüdische Echo · 1932-06-03 · 23 (3.6.1932) · p. Seite 188

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
23 (3.6.1932)
Date
1932-06-03
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nr. 23 188 klärung und Denken nichts wissen will. Alle noch so richtigen und ehrlichen Argumente werden sinnlos, weil die Welt des neudeutschen Nationalismus nicht mehr diskutiert. Der Jude kann sich zu ihr nicht so in Beziehung setzen, wie seinerzeit zu der liberalen Bewegung. Die Führer der jüdischen Abwehrbewegung hätten diese neue Lage schon längst erkennen und ihre Kräfte und Mittel für bessere jüdische Zwecke sparen müssen. Anders ist es, wenn sich eine jüdische Gruppe zum Zentrum in Beziehung setzt. Das heißt nicht, sich hineindiskutieren wollen, sich identifizieren wollen; das ist praktische jüdische Politik. Hier treten die Juden als Kollektiv, nicht aber als aufzusaugendes Individuum, in Erscheinung. Was wird die Zukunft bringen? Wenn die Nationalsozialisten zur Macht kommen, müssen die Führer mindestens einen Teil ihrer den Massen gegebenen Versprechungen erfüllen. Eine echte Religion kann es sich erlauben, den Menschen auf ein fernes Reich zu vertrösten. Eine Pseudo- Religion muß erfüllen. Und was wird den Führern leichter sein, als die Versprechungen bezüglich des Juden-Punktes in die Wirklichkeit umzusetzen? Der Nationalsozialist braucht den Juden nicht. Nach fünf Generationen Abwehrkampf geht man daran, die formale Gleichberechtigung aufzuheben. Was wollen die Juden gegen diese Welt unternehmen? Heute kommt es darauf an, wie wir Juden in das politische Leben eintreten: als Volljuden oder als begrenztes Judentum. Die jüdisch-liberale Welt stellt dem Volljudentum des Zionismus ein begrenztes Judentum entgegen. Das kann keinen Erfolg haben. Zu noch größerer Erfolglosigkeit verurteilt ist das Unterfangen, zu der außenpolitischen Welt ein begrenztes Judentum in Beziehung zu setzen. Wir Zionisten treten als Volljuden in das politische Leben ein, stellen das jüdische Problem als kollektives Problem zur Debatte und wollen ein distanziertes Verhalten, Respekt vor der besonderen Entwicklung der nichtjüdischen Welt. Mit dem Zusammenbruch der liberalen Welt ist das C.-V.-Programm und ist das liberale Judentum anachronistisch geworden. Zum Schluß gab Kurt Blumenfeld eine scharfe Definition der jüdisch-nationalen Bewegung. Die Zionisten haben, bevor noch der neudeutsche Nationalismus aufkam, eingesehen, daß man gegen Haß nicht Begriffe setzen kann. Wir Zionisten, sagte er, setzen Leben gegen Leben. Während früher die liberale Welt und jetzt die nationalistische Welt, jede in ihrer Art, das Judentum zerstören, schreiten die Zionisten an die Erneuerung des Judentums und bauen ihr Leben mit eigener Kraft auf. Forderung ist nichts, Vollbringen alles. Leben wird nicht mit Argumenten, sondern mit Arbeit erkämpft. Der letzte Frühling in Palästina war ein Symbol für das Blühen auf allen Gebieten des jüdischen Lebens, eines Lebens, das sich auch bei zu erwartenden Rückschlägen fortentwickeln und durchsetzen wird. Man setzt den jüdischarabischen Kampf dem antisemitischen Kampf entgegen. Aber der Vergleich ist falsch. Kampf gegen Hahn'8 Delikatessen Weine Stadtküche Tel. 24421 Antisemitismus ist Kampf der Verzweiflung gegen das Irrationale. Kampf um Palästina ist nationalpolitischer Kampf. Und nie hat ein Volk im nationalen Kampf verzweifelt. Blumenfeld schloß mit einer symbolhaften Baal Schern-Legende von Martin Buber. Nach jedem der beiden Vortrage war den Zuhörern Gelegenheit gegeben, durch Fragen für eine restlose Klärung und Vervollständigung der Vorträge zu sorgen. Herr Blumenfeld antwortete denn auch auf die gestellten Fragen mit größter Ausführlichkeit und kam gerade dabei in wirklichen inneren Kontakt mit den Herzen der Versammelten. Die Münchener zionistische Jugend ist Herrn Blumenfeld zu größtem Dank verpflichtet, daß er in diesem Schulungskurs ihr gleichzeitig mit einer Zerstörung aller unfruchtbaren Illusionen die zionistische Lösung der Judenfrage neu gezeigt und damit dem zionistischen Leben hier neue Impulse gegeben hat. Aus der jüdischen Welt Vier Friedhofsschändungeil in einer Woche in Deutschland Der Synagogenvorstand der Gemeinde Rhens (Kreis Koblenz) teilt mit, daß auf dem dortigen jüdischen Friedhof in der vergangenen Woche sechs Grabsteine umgeworfen wurden. Von den Tätern fehlt jede Spur. In dem abgelegenen Dorf Gemünden bei Westerburg (Westerwald) wurde ein uralter jüdischer Friedhof geschändet. Von 19 dort befindlichen Grabmälern sind 12 umgeworfen, die übrigen besudelt worden. Als Urheber dieser Schändung kommen nur Nazis in Frage, da fast alle Einwohner von Gemünden Nationalsozialisten sind. Heute wohnt dort nur noch ein altes jüdisches Ehepaar, das in früheren Jahren stets gut mit den Mitbürgern ausgekommen war und immer Andersgläubigen geholfen hat. Heute sind die alten Leute ständig kränkenden Bemerkungen ausgesetzt. „Juda verrecke“ ist dabei noch ein gelinder Ausdruck. Juden aus der Umgebung wagen sich kaum in das Dorf hinein. Auf dem jüdischen Friedhof in Vacha (Thüringen), der abseits der Stadt auf einer Anhöhe liegt und der seit Jahrhunderten außer von der Gemeinde Vacha auch noch von den Gemeinden Völkershausen und Heringen benutzt wird, fand man den Kadaver eines Schweines, den Schänder auf jüdische Gräber geworfen hatten. Bereits früher wurden auf diesem Friedhof jüdische Grabsteine von Schulbuben beschädigt. Die letzte Schändung konnte aber nur von Erwachsenen begangen worden sein; anzunehmen ist, daß Kinder einen schweren Schweinekadaver nicht auf die Anhöhe zu transportieren und über das hohe Eisengitter zu werfen vermögen. Die Jüdische Gemeinde Vacha hat eine Belohnung von 50 RM. für die Namhaftmachung der Täter ausgesetzt. In einer der letzten Nächte wurden auf dem jüdischen Friedhof in Heilsberg (Ostpreußen), der auf einer Anhöhe im Walde gelegen ist, einige Grabsteine mit Hakenkreuzen beschmiert. Darunter stehen die Buchstaben NSDAP. Für die Nam- ^er Täter ist eine Belohnung von oü KM. ausgesetzt worden. Rabbi Elijahu Klatzkin in Jerusalem verstorben oJ e r u s a 1 e m , 24. Mai. (JTA.) Am Montag, dem 23. Mai, verstarb in Jerusalem im Alter von 80 Theatinerstr. 48

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