Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 21 (20.5.1932)
- Date
- 1932-05-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Erschelnunffszeit: Jeden Frei tat. Bezug : Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20 Rpf. I Verlag, Aaa- Heferung des „Jüdischen Echos“: München, Plinganserstraße Nr. 64. I N H Ä L T : Die Bilanz der Festmönate — Jüdische Trauer um Albert Thomas — „Davar“ über den voraussichtlichen Inhalt des French-Berichtes — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins- Echo — Spenden-Ausweis Anzeigen: Die vlergespalteoe Millimeter-Zeile 20 Rpf. / Famlllen- Anzelgen Ermäßigung /Anzeigen- Annahme: Verlag des J fl d 1schen Echos. München. Plinganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 3987 Nr. 21 München, 20. Mai 1932 19. Jahrgang Die Bilanz der Festmonate Die „Selbstwehr“ bringt einen Artikel von Gerda Arlosoroff-Goldberg (Tel-Awiw), der sicher auch unsere Leser interessieren wird und den wir deshalb hier gekürzt wiedergeben. Ende April 1932. I. Palästina, der jüdische Teil, hat die längste und rauschendste Festzeit hinter sich, die je im letzten Jahrzehnt erlebt wurde. Vielleicht gab es in dieser Zeitspanne Momente größerer Imposantheit, Feiern, die auch nach Jahren ihren Glanz nicht verloren haben, wie zum Beispiel die Einweihung der Universität Jerusalems. Vielleicht hat sich das einheimische Palästina gerade diesmal weniger von der Begeisterung hinreißen lassen als sonst, schärfer Kritik geübt, niemals den wieder eintretenden Alltag aus den Augen verloren. Aber trotz allen diesen Einschränkungen — noch nie gab es im Lande eine so lange und so weitgreifende Zeit der Feste. Schon vor Purim, mit dem Beginn ds jüdischen Touristenstroms aus den verschiedensten Ländern der Welt, begann es. Und seitdem folgen sich die Feste seit zwei Monaten ununterbrochen. Der Purimrausch von Tel-Awiw leitete ein; die Makkabiade setzte fort; die Levantemesse mit ihren verschiedenartigen Zusammenkünften, Veranstaltungen, Vorführungen bildete den Abschluß. Jetzt ist das Pessachfest vorbei, der Touristenstrom beginnt abzufließen, Palästina muß in sein normales Gleis der Arbeit, des Kampfes, der schweren Mühen und der Hoffnungen zurückkehren. Werfen wir an diesem Zeitpunkt einen Blick zurück auf diese Zeit der Feste, versuchen wir ihre Bilanz für das jüdische Palästina und für die zionistische Bewegung zu ziehen. Die stärkste Wirkung, die diese Zeit für die, die an ihr teilhatten, besaß, liegt fraglos auf national-propagandistischem Gebiet. Was diese Tausende von Menschen ins Land brachte, war ja — grob skizziert — zweierlei: einmal die Not der Juden in den Wohnländern, der geistige, moralische und materielle Existenzkampf, den heute fast alle Judenzentren auf der Welt zu führen haben, und der stärker und stärker die Form einer Auflösung annimmt; und zweitens die Nachricht, man ist versucht zu sagen, die Legende der jüdischen Siedlung in Palästina, die in Hoffnung zu bieten scheint, eine Aussicht auf sichere, gesündere, klarere Existenz, als sie dort draußen geboten ist. Nun gibt es vielleicht niemand, der überhaupt ein Auge hat für landwirtschaftliche Schönheit, einen Sinn für historische Ereignisse und ihre Folgen, der nicht von einem ersten Besuch im Lande überwältigt wurde. Dazu kommt der jüdisch-zionistische Faktor. Die zionistische Bewegung hat als Folge des inneren und äußeren Kampfes in den letzten Jahren eine wahre Selbstzerfleischung geübt. Außerdem sah man an vielen Stellen die jüdische Siedlung in Palästina aus einer falschen Perspektive. Da die Propaganda vor allen Dingen von den Fonds ausging und unter ihrem Gesichtspunkt gemacht wurde, diese Fonds aber in den letzten Jahren geradezu verzweifelt um ihre Position zu kämpfen hatten, sah man die Lage der Jischuw schlechter, als sie de facto war. Die Entwicklung der Privatinitiative in Dorf und Stadt wurde bagatellisiert oder nicht geglaubt. Da man sich gewöhnt hatte, Investitionen im Lande als ä fonds perdu anzusehen, konnte man sich auf eine kapitalistische Entwicklung dieser Wirtschaft nicht umstellen. Man übersah anderseits, daß gerade durch die heute viel geschmähte Arbeit der Fonds diese prosperierende Privatwirtschaft erst ermöglicht worden war; daß die Depression in den Finanzen der Agency nicht nur durch einen Rückgang der Spenden verursacht wurde, sondern zu einem wichtigen Teil dadurch, daß man der öffentlichen Hand unerträgliche Lasten aufbürdet (riesige Erziehungs-, Gesundheits- und Schuldenbudgets), die ihr jede Möglichkeit weiterer konstruktiver Kolonisationsarbeit nahmen; und daß mit dem Moment, wo der Jischuw stark genug war, seine eigenen Institutionen sozialer Art zu erhalten, wieder Mittel für Siedlungszwecke zur Verfügung stehen würden. In den weiten Kreisen der Zionisten untersuchte man die Dinge nicht so genau. Man hörte, es ginge der Exekutive in Palästina finanziell schlecht; nian hatte vielleicht auch keine große Lust mehr zu Spenden und ergriff die überall gelieferte Kritik nicht so ungern; und wenn man von Investitionen sprach, so schien es doch etwas sehr weit hergeholL, da irgendwo unten am Mittelmeer zu investieren, wenn man das zu Hause doch ebenso gut haben konnte. Jetzt plötzlich beginnt der Zionist, der hier ins Land kommt, die Sache anders zu sehen. Mit den Investitionen zu Hause sieht es häufig recht problematisch aus. Man kommt also nicht nur ins Land um zu sehen, sondern auch nachzuprüfen, ob nicht an diesem jetzt aufgekommenen Gerede über profitable und sichere Anlagen in Palästina etwas daran sei. Und nun erlebt er einen gewaltigen Umschwung seiner Vorstellungen. Es gibt