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Das jüdische Echo · 1932-04-22 · 18 (22.4.1932) · p. Seite 148

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
18 (22.4.1932)
Date
1932-04-22
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 Das Jüdische Echo Nr. 18 keit zustehen und dabei gegen einen Kraftwagenführer tätlich geworden sei. Er habe dadurch den öffentlichen Frieden gefährdet. Königsberg, 22. April. (JTA.) Vor dem Königsberger Schöffengericht hatten sich — wie dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mitgeteilt wird — drei Mitglieder der N.S.D.A.P., der Arbeitslose Herbert Müller, der Bäckergeselle Milkau und der Schlossergeselle Talkowski, zu verantworten, weil sie im Januar des Jahres in Königsberg in der Dunkelheit drei jüdische junge Leute in der Schnürlingstraße überfallen hatten und dabei auch gegen eine junge Dame, die sich in der Gesellschaft der drei jungen Juden befand, handgreiflich geworden waren. Die Überfallenen wurden durch die Schlagringe und andere gefährliche Werkzeuge der Angreifer nicht unerheblich verletzt. Gemäß dem Antrag des Staatsanwalts wurde Müller zu vier Monaten, Talkowski, der bereits einmal an einem Überfall auf einen jüdischen Studenten beteiligt war, zu drei Monaten, und Milkau zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Starke Kürzung der Staatssubventionen für das jüdische Schulwerk in Lettland Riga, 14. April. (JTA.) Der Budget-Ausschuß des lettländischen Sejm nahm eine starke Kürzung der Staatssubventionen für die Berufsschulen der Minderheiten vor. Die Zuschüsse für die jüdischen Elementarschulen wurden von 24 000 auf 10 000, die für jüdische Handwerkerschulen von 64 000 auf 15 000; Lat gesenkt. Der Vertreter der jüdischen Schulverwaltung Dr. Grünmann erklärte, die Juden iif Lettland seien infolge der scharfen Wirtschaftskrise nicht in der Lage, ihre Fachschulen selbst zu erhalten. Würde die Regierung, was ihre Pflicht wäre, die jüdischen Fachschulen in eigene Verwaltung übernehmen, so würde sie sich noch schwerer helasten, als wenn sie die Subventionen ungekürzt läßt. Der lettländische Deputierte A. Fglit erklärte, die Regierung müsse die Verbreitung des Handwerks unter den Juden soweit als nur möglich stützen. Der antisemitische Deputierte Stern forderte die Auflösung der jüdischen Handwerkerschulen und erklärte, man müßte mal wieder die Nagaika über die Riikken der Juden tanzen lassen, sie würden dann ernüchtert und nicht so anspruchsvoll sein. Stern wurde wegen dieses Redeexzesses zur Ordnung gerufen. 100 rumänische Abgeordnete fahren nach Palästina Am 21. April reisen ungefähr 100 Mitglieder des rumänischen Parlaments nach Palästina, um die Frühlingsmesse in Tel-Awiw. an der sich bekanntlich die rumänische Regierung offiziell beteiligt, zu besuchen. Von Palästina begeben sich die rumänischen Parlamentarier nach Ägypten und Griechenland. An der Exkursion werden sich einige Mitglieder des Jüdischen Parlamentsklubs beteiligen. Auch der Führer der von der. Regierung soeben aufgelösten antisemitischen Terrororganisation „Eiserne Garde“, Corneliu Zelea Codreanu, fährt mit. Gemeinden- und Vereins-Echo Zum Palästinavortrag Prof. Rohrbachs Prof. Paul Rohrbach, den die Zionistische Ortsgruppe zu einem Vortrag eingeladen hatte, erzählte in seinen etwa eineinhalbstündigen Ausführungen über „Erfahrungen und Erlebnisse in Palästina“ am Samstag, 23'. April, im überfüllten Saal des Kunstgewerbehauses, Zionisten und solchen, die sich mit den Palästinafragen bereits näher beschäftigt haben, sicherlich wenig Neues. Aber seine absolut leidenschaftslosen, nüchternen, manchmal geradezu skeptischen Darlegungen über das, was in Palästina vorliegt, kamen doch zu einer restlosen Bejahung und Anerkennung des bisher Geschaffenen und zu einer Beurteilung des unter den gegebenen Umständen Möglichen, die gerade deshalb überzeugt, weil sie leidenschaftslosem und skeptischem Denken entspringt und von keiner Stellungnahme zu den innerjüdischen Differenzierungen beeinflußt ist. Es dürfte deshalb seinen Eindruck nicht verfehlt haben, wenn ein Kenner der Verhältnisse des Vorderen Orients, wie es Rohrbach ist, feststem, daß er die Grundlagen der jüdischen Siedlung für fest und sicher hält und wenn er glaubt, daß die Möglichkeit gegeben ist, die jetzige landwirtschaftliche jüdische Bevölkerung Palästinas, abgesehen von etwaigen Ansiedlungen im Ostjordanland, um etwa 300 000 Seelen zu verstärken. Restlose Anerkennung zollte Rohrbach der großen idealistischen Leistung der Chaluzim, der Wiedererweckung der hebräischen Sprache und dem kulturellen Willen, der seinen Ausdruck in der Universität findet. Von seinen sachverständigen Ausführungen über die palästinensische Landwirtschaft war besonders bemerkenswert seine Anregung hinsichtlich der Olivenpflanzungen im Kalkgebirgsland; sie sollte von den zionistischen Kolonisationsinstanzen aufgegriffen und nach Möglichkeit verwirklicht werden. Bei seiner Betrachtung der jüdischen Siedlung in Palästina hat Rohrbach alle Fragen nur von Palästina her gesehen, Er hat nicht berücksichtigt ■— und er brauchte es nicht zu tun —, daß sie doch nur zu verstehen sind, wenn man auch die Zusammenhänge mit der jüdischen Frage in aller Welt berücksichtigt. Darauf machte J.-R. Dr. Elias Straus in seinem Schlußwort eindringlichst aufmerksam. Der jüdische Wille, der in Palästina zustandegebrachl hat, was früher für unmöglich gehalten wurde, heute aber auch von einem leidenschaftslosen und skeptischen Betrachter anerkannt werden muß, wird auch in Zukunft mehr erreichen und seine Ziele wirtschaftlich, politisch und kulturell weiter stecken dürfen, als es die Bestandsaufnahme der Gegenwart für möglich erklärt. I. E. Ben Schemen. Die jüdische Frauengemeinschaft hat die jüdischen Kinder Münchens am letzten Sonntag zu einer Filmvorführung eingeladen. Das Kinderdorf Ben Schemen in Palästina sollte gezeigt werden in seinem Leben und Treiben. Ungefähr 200 Kinder jedgn Alters waren erschienen. Frische hebräische Lieder zur Begrüßung, wie sie unsere Jugend heute auf Wanderungen singt, ein paar kurze, einleitende Worte, die auch für die Kleinsten verständlich waren, dann rollte der Film ab und versetzte die Kinder ins Kinderdorf. Er zeigte die Kinder Ben Schemens bei Arbeit und Spiel, bei Lernen in der Schulstube, im Hühnerhof und bei der Ernte, auf der Wanderschaft durch das Land, auf nachbarlichem Besuch bei Beduinen und Fellachen, in Sport und Tanz und beim fröhlichen Purimfest. Sicher gabs kein Kind, das da nicht Lust und Sehnsucht bekommen hat, auch so mitleben zu dürfen, dieses Leben voll Freiheit in treuer Kameradschaft, dieses Leben voll Freude, voll Ernst und Arbeit, die schon den Kleinsten

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