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Das jüdische Echo · 1932-04-22 · 18 (22.4.1932) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
18 (22.4.1932)
Date
1932-04-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Erscheinuncszelt: Jeden Frelta*. Bezug: Durch die PostaDStalten oder den Verlag, — Bezugspreis jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20 Rpf. I Verlag, Auslieferung des ..Jüdischen Echos“: München. Plinganserstraße Nr. 64. I N H ALT: Düstere Zukunft — Was der R.j.F. will — Juden in der Hitlerversammlung — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Spenden-Aus weis Anzeigen: Die viergespaltene Millimeter-Zelle 30 Rpf. I Famlllen- Anzeigen Ermäßigung / Anzeigen- Annahme: Verlag des J i d 1schen Echos. München. Plinganserstraße 64 / Telephon 73664/66 Postscheck - Konto: München 3v87 Air. 17 München, 22. April 1932 19. Jahrgang Düstere Zukunft ln fünf deutschen Ländern wurde am letzten Sonntag gewählt und im größten deutschen Land, in Preußen, wird durch den Wahlausgang die bisherige Unsicherheit über die zukünftige Gestaltung der politischen Verhältnisse nicht vermindert, wie man gehofft hatte, sondern erheblich vergrößert. Zwar ist die Situation auch nicht eindeutig zu Gunsten der Nationalsozialisten geklärt, trotzdem diese noch einen Stimmengewinn gegenüber der ersten Reichspräsidentenwahl erzielen konnten. Aber für die republikanisch-demokratisch gesinnte Bevölkerung ist das Ergebnis enttäuschend; zum mindesten ist die Arbeitsfähigkeit eines Landtags, in dem unter 422 Mitgliedern nicht weniger als 162 Nationalsozialisten und 31 Deutschnationale sitzen, sehr in Frage gestellt; eine Konsolidierung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse damit vielleicht auf lange Zeiit hinaus unmöglich gemacht. Nach parlamentarischem Gebrauch ist damit zu rechnen, daß diesmal die Nationalsozialisten den Landtagspräsidenten stellen; wenn man nun bedenkt, daß dieser zusammen mit dem Ministerpräsidenten und dem Präsidenten des Staatsrats über die eventuelle Auflösung des Landtags zu entscheiden hat, so kann man diesem wirklich keine günstige Diagnose stellen. Es kommt hinzu, daß die Verhältnisse in Preußen nicht ohne Einfluß auf die Verhältnisse im Reich bleiben können. Schon verlangen die Nationalsozialisten die Auflösung des Reichstags und sie haben zweifellos recht, wenn sie geltend machen, daß der Reichstag in seiner Zusammensetzung dem Willen des deutschen Volkes nicht mehr entspreche. Hindenburg, als Reichspräsident ebenfalls Verkörperung des deutschen Volkswillens und zwar eines offenbar überlegenen, gleichmäßigen, konstanteren und damit auch wahreren, wird diesem Verlangen wohl kaum willfahren. Aber wenn er es auch nicht tut, so hat man doch zweifellos damit zu rechnen, daß im Reich die Beteiligung der Nationalsozialisten an der Regierung unvermeidlich ist, wenn sie das Zentrum in Preußen für zweckmäßig hält. Darüber geht heute das große Rätselraten. So sehr man geneigt ist, anzunehmen, daß das Zentrum nicht gewillt ist, über seine Grundsätze und die Verfassung handeln zu lassen, so wenig wird es imstande sein, nationalsozialistische Minister ä la Frick und Klagges zu frommen Schäflein zu machen. Der etwas günstigere Wahlausgang in Bayern, Württemberg und Hamburg verliert demgegenüber erheblich an Bedeutung. Und so ist die jüdische Zukunft in Deutschland düster. Das Wachstum der Nationalsozialisten kann nicht mehr nur als Konjunkturerscheinung erklärt werden. Es ist wahr, daß die Nationalsozialistische Partei ein großes Sammelbecken ist für alle möglichen disharmonierenden Elemente. Es mag auch wahr sein, daß diese Partei zerfällt, wenn sie ihre vielen gegensätzlichen Versprechungen einlösen soll. Aber es muß nicht so sein. Vielleicht hat diese Zeit der Not und eines echten Kampfes die disharmonierenden Elemente zusammengeschweißt zu einer neuen und dauerhaften Gemeinschaft. Für uns Juden bleibt das Faktum auch dieser Wahl: Kein Abstieg der Nationalsozialisten; im Gegenteil. Jeder zweite, mindestens aber jeder dritte Deutsche gibt seine Stimme einer programmatisch und nicht nur programmatisch antisemitischen Partei. In dieser feindlichen Welt sich wirtschaftlich und menschlich auch nur zu halten — von Durchsetzen mag man wirklich nicht mehr sprechen — wird an jeden Einzelnen die stärksten Anforderungen stellen. Aber auch die jüdische Gemeinschaft wird es in Zukunft schwerer haben als bisher, ihre Aufgaben zu erfüllen, die, ohne Zweifel, gerade jetzt noch umfangreicher geworden sind. Es muß bei dieser Gelegenheit betont werden, daß die jüdische Erziehung der jüdischen Jugend in ganz anderer und neuer Weise zur Sorge der jüdischen Gemeinschaft gemacht werden muß; denn nur, wenn es gelingt, sie im Jüdischen fest zu machen und zu verankern, wird das Leben in dieser haßerfüllten Welt für sie zu ertragen sein — große Ziele sich in ihr zu setzen ist überhaupt unmöglich geworden. Das Jahr 1932 wird für die deutschen Juden vielleicht dieselbe Bedeutung gewinnen, wie sie das Jahr 1492 für die spanischen gehabt hat, wenn sich auch der gleiche Vorgang in anderer Form vollzieht. Der Traum von der Lösung der deutschen Judenfrage ist endgültig ausgeträumt — man sollte das in allen jüdischen Kreisen endlich erkennen. Auch wenn es im Juni in Preußen keine Regierung unter nationalsozialistischer Führung gibt. I. E. Eine optimistischere Anschauung vertritt die folgende Berliner Zuschrift: Berlin, 25. April. (JTA.) Am gestrigen Sonntag wurde in fünf deutschen Ländern — in Preußen, Bayern, Württemberg, Hamburg und Anhalt — zu den Landtagen gewählt. Es hat sich gezeigt, daß die Nationalsozialisten nicht nur ihre Wählerzahl seit den Reichstagswahlen im Sept. 1930 verdoppeln, sondern daß sie sogar seit der Reichspräsidentenwahl Fortschritte machen konnten: sie iiaben (besonders in Preußen, Württemberg und Anhalt) die Zahl der bei der ersten Reichspräsi-

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