Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 16 (15.4.1932)
- Date
- 1932-04-15
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 131 zu rekapitulieren, von welchem Werte für die Erhaltung jüdischer Inhalte der Zionismus auch im deutschen Judentum gewesen ist. Das alles ist bekannt. Das Lehen hat den Nachweis erbracht, daß das Judentum der Gegenwart ohne die nationale Renaissancebewegung versumpft und hoffnungslos geworden wäre. Es handelt sich darum, daß diesen Tatsachen auch in den offiziellen Institutionen der Judenheit Rechnung getragen werde und daß der zionistischen Richtung die Möglichkeit gegeben sei, mit ihrer Energie und ihrem heißen Bemühen das Judentum zu erhalten, in den jüdischen Gemeinden gleichberechtigt milzuarbeiten. 1. s. Aus der jüdischen Welt Pogromplakate in Wien In den letzten Tagen konnte man in den Wiener Straßen an Plakatsäulen Hakenkreuzlerplakate sehen, deren Inhalt darnach angetan war, antisemitisch-provokatorisch zu wirken. In riesengroßen Balkenleitern konnte man da lesen: „Wenns Judenblut vom Messer sprizt . .“ und dann einige Zeilen tiefer in ebenso großen Buchstaben: „Wer wird etwas dagegen haben?“ Wenn es an und für sich schon verwunderlich ist, daß eine Institution wie „Wipag“, die sonst — dies ist uns bekannt — eine ziemlich strenge Zensur der ihr zur Anheftung übergebenen Plakate ausübt, dieses „blutspritzende“ Plakat der Nationalsozialisten ohne weiteres übernahm, so ist noch verwunderlicher die Stellungnahme eines Teiles der Wiener Presse, die den Herren Hakenkreuzlern aufs Wort glaubt, daß dieses Zitat aus einer jüdischen Broschüre herausgenommen ist. In Wirklichkeit beginnt so ein in Deutschland sehr populäres Hakenkreuzlerlied, für das inan jetzt auch in Österreich Propaganda zu machen versucht. Wie dem auch sei, ist die Tatsache der Plakatierung derartiger Anzeigen mit einer unerhörten antisemitischen Aufhetzung identisch. Wir wir erfahren, hat das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde gegen dieses Plakat heim Polizeipräsidium, bei der Staatsanwaltschaft und heim Justizministerium schärfsten Protest erhoben und die erforderlichen Maßnahmen zum Schutze der Juden verlangt. Diese Hetzpropaganda beginnt bereits ihre traurige Wirkung zu tun. Montag spät abends machten sich etwa 80—40 Hakenkreuzbuben den „Spaß“, am Franz-Josefs-Kai hei der Salztorbrüeke und auf der Oberen Donaustraße jüdisch aussehende Passanten zu überfallen und zu mißhandeln. Die Burschen gingen nach einem wahrscheinlich vorher gefaßten Plan vor, denn sie bildeten, wenn ihnen Juden enlgegenkamen, förmliche Schwarmlinien, um ihnen jeden Ausweg zu versperren. Sie bewiesen ihren Heldenmut, indem sie über einzelne Personen herfielen und sie verprügelten. Die überfallenen erlitten Verletzungen, die erfreulicherweise leichter Natur waren. Ausschreitungen der „Eisernen Garde“ in Jassy Die „Eiserne Garde“ in Jassy hatte für den 28. März eine Versamlung im Zusammenhang mit der gegenwärtigen studentischen Bewegung gegen die neue Universilätssludicnordnung einberufen. Nach Versammlungsschluß drangen die Mitglieder der „Eisernen Garde“, durch Straßenmol) verstärkt, in die kleine, an das dem Heim der „Eisernen Garde“ gegenüberliegende Hotel Bejan angebaute Synagoge ein, ohne auf ernsthaften Widerstand seitens der in gewaltiger numerischer Übermacht befindlichen anwesenden Sicherheitsorgane zu stoßen. In der Synagoge hausten die Exzedenten in wahrhaft vandalischer Weise. Alle Fensterscheiben wurden ausgeschlagen, Fensterrahmen und Fensterkreuze wurden herausgerissen und zerhackt. Alle Türen wurden eingestoßen. Der Thoraschrein wurde erbrochen, die Thorarollen wurden zerrissen und auf die Straße geworfen, der silberne Thorarollenschmuck wurde geraubt, der Altar umgeworfen, die gesamte Inneneinrichtung zertrümmert. All dies geschah vor den Augen der Behörden und der Sicherheifsorgane. Es gelang den Exzedenten, den Polizeikordon zu durchbrechen und in eine der umliegenden Geschäftsstraßen zu gelangen, wo sie ein Zerstörungswerk an jüdischen Geschäften begannen. Inzwischen hatten andere Exzedenten die Reste der zerrissenen zehn Thora rollen vor der Synagoge zu einem Haufen aufgeschichtet und angezündet. Auch diesem Autodafe sahen die Behörden untätig zu. Ganz Jassy steht unter dem Eindruck der Exzesse, bei denen zehn Thorarollen zerrissen und verbrannt wurden. Das Geschäftsleben) in den jüdischen Vierteln stockt. Es spielen sich dort herzergreifende Szenen ab. Man sieht alte fromme Juden, die aus Trauer über das Geschehene „Krije reißen“. Man rechnet mit einer Massenbeteiligung an der rituellen Bestattung der Thorareste, die in den nächsten Tagen vorgenommen werden soll. Levantemesse eröffnet Am Donnerstag, dem 7. April, wurde die Levantemesse in Tel-Awiw unter Beisein des High Commissioners und vieler Regierungsvertreter eröffnet. Während die vergangene Messe 609 Aussteller zählte, sind auf der Levantemesse mehr als 1200 Aussteller aus 24 Ländern zu verzeichnen. (Bericht folgt.) Die Jordan-Werke in Betrieb Die von Pinchas Ruthenberg geleitete Palestine Electric Corporation hat am Sonntag, dem Vortag der Eröffnung der Makkabiah, die Jordan-Werke in Betrieb gesetzt. Die Werke versorgen Tel-Awiw und ganz Palästina mit Licht und Kraft. Export- und Importziffern für einige Waren des palästinensischen Handels Import: 1927 0 818 000, 1928 0 950 000, 1929 7 482 000, 1980 7 140 000, 1981 0117 000 £P. Export: 1927 2 278 000, 1928 1 842000, 1929 2 012 000, 1980 2 284 000, 1981 2 000 000 £P. Die hauptsächlichsten Waren, die aus Palästina nach dem Auslande ausgeführl wurden, sind: Orangen (880 000 £P), Waschseife 117 000 £P;, Wassermelonen (47000 £P), Wein 80 000 £P), Zement (20 000 £P), Strümpfe (16 000 £P), Felle (21000 £P), Mandeln (20 000 £P) usw. Die hauptsächlichsten Importwaren waren: Baumwollwaren (858 000 £P), Schlachtvieh (206 0000 £P), Seidenwaren (170 000 £P), Weizen (105 0001 £P), Weizenmehl (151 000 £P), Bauholz (158 000 £P), Holz für Orangenkisten (100000£P), Zucker (105 000 £P), Wollwaren (106 000 £P), Benzin 168000 £P), Automobile (115 000 £P), Reis (117 000 £P) usw. Gemeinden- und Vereins-Echo Sitzung der gemeindlichen Körperschaften Am Donnerstag, dem 7. April, fand die erste konstituierende Sitzung der neugewählten Gemeindevertretung statt. Zum Vorsitzenden der Gemeindevertretung wurde Dr. Alfred Wierner, zu stellver-