Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 16 (15.4.1932)
- Date
- 1932-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis; Jährlich; RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20 Rpf. / Verlag, Auslieferung des ,,Jüdischen Echos“: München. Plinganserstraße Nr. 64. I N H Ä LT: Ein Notdamm — Der Konflikt in der Berliner Gemeinde — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Geschäftliches — Spenden-Aus weis Anzeigen: Die viergespaltene Millimeter-Zelle 30 Rpf. / Famtlien- Anzeigen Ermäßigung /Anzeigen- Annahme: Verlag des Jüdischen Echos. München. Plinganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 3987 Nr. 16 München, 15. April 1932 19. Jahrgang Ein Notdamm Der zweite Wahlgang hat Hindenburg einen überzeugenden Sieg gebracht. Es sind überall feine Analysen über seine Ergebnisse veröffentlicht worden. Die Frage, ob Kommunisten zu der neuerlichen Vergrößerung der Stimmenzahl Hitlers beigetragen und aus welchen Gründen sie dies getan haben, steht dabei im Vordergrund. Sie ist zweifellos auch außerordentlich interessant und es lohnte sich schon darüber zu reden, weil das Verhältnis zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus in Zukunft von ausschlaggebender Bedeutung für die deutsche Politik werden kann. Wenn auch, oberflächlich gesehen, nur Kräfte der Abstoßung und des Hasses zu herrschen scheinen, so überrascht doch immer wieder die Gleichartigkeit der Geisteshaltung und der angewandten Methoden. Fast täglich erweist es sich von neuem, daß der Sprung vom Nationalsozialismus zum Kommunismus und umgekehrt, nicht riesengroß, sondern sehr klein ist und daß jedenfalls die seelische Dispostion dazu im den meisten Fällen bereits gegeben ist. Schade ist nur, daß diese ganze schöne Auseinandersetzung auf Kommunisten und Nationalsozialisten und auf diejenigen, deren seelische Verfassung sie zu diesen Parteien treibt, nicht den geringsten Eindruck macht. Sie sind blind für diese Zusammenhänge, glauben bestenfalls noch zu schieben, wenn sie geschoben werden. Sie werden erst dann klug werden, wenn das Unheil! bereits angerichtet ist, das bei der Hindenburgwahl ja glücklicherweise noch vermieden werden konnte. Kann dies Unheil auch bei den verschiedenen Landtagswahlen, die vor uns liegen, noch vermieden werden? Die Frage bleibt offen. Auf Vernunft der Verblendeten ist überhaupt nicht zu rechnen; und die Vernunft der Unverblendeten ist nicht eben groß. Große Teile des deutschen Bürgertums waren bereit mit dem Nationalsozialismus die Macht zu teilen; Brüning, der hervorragendste Exponent, hat mit dem Hinweis auf diese Tatsache geradezu seine Hindenburgkampagne bestritten und es muß festgestellt werden, daß es wirklich nur der Dummheit der Nationalsozialisten zu verdanken ist, wenn wir noch keine nationalsozialistischen Reichsminister haben. Daß Brüning nach dem Erlebnis dieses Wahlkampfes anderer Meinung geworden ist, darf allerdings vermutet werden, auch sein Kollege Gröner, bei dem dies noch sehr zweifelhaft schien, hat sich offenbar durch die Ergebnisse der Haussuchungsaktion belehren lassen. Die neue Notverordnung und die energische Auflösung der militärischen und halbmilitärischen Organisationen der Nationalsozialisten sind wirklich eindeutig genug. Und die Beschlüsse der letzten Sitzung des Preußischen Landtags haben gezeigt, daß man auch nicht gewillt ist, sich parlamentarisch überrumpeln zu lassen; wer, wie der Nationalsozialismus beabsichtigt hat durch ein offenes Hintertürchen hereinzuschleichen, darf sich nicht wundern, wenn ihm dieses, weniger vornehm, aber um so energischer vor der Nase zugeschlagen wird. Das sentimentale Gezeter der Herren, die gar zu gern „legal“ Köpfe rollen lassen möchten, wird hoffentlich die Antwort erhalten, die es verdient: Spott und Hohn. Womit freilich immer noch nichts darüber gesagt ist, ob die Nationalsozialisten nicht doch ihre Stimmen und Sitze in den neuen Landtagen ganz anders zur Geltung bringen werden, -als dies bisher der Fall war. Leider nämlich werden diese Sitze sogar dann recht zahlreich sein, wenn die Hitlerkonjunktur ihren Höhepunkt überschritten haben sollte. Die Ergebnisse des Wahlgangs vom 10. April geben trotz aller klugen Analysen keinen sicheren Anhaltspunkt für diese Annahme; die Entscheidung liegt noch vor uns. Die Gefahr der 13 Millionen Hitlerstimmen besteht fort — nur ein Notdamm gegen die Flut ist errichtet, der am 24. April erst noch unterbaut werden muß. Wir Juden können diese Arbeit nicht leisten; wir können nur an unserer Stelle einen bescheidenen Teil beitragen. Dies aber müssen wir mit letzter Intensität tun und es ist gut, daß kein Zweifel darüber besteht, wie es zu geschehen hat. I. E. Der Konflikt in der Berliner Gemeinde Unser Berliner Korrespondent übersendet uns den folgenden Artikel über die außerordentlich betrüblichen Zustände in der Berliner jüdischen Gemeinde. Obwohl wir mit allem Nachdruck betonen möchten, daß auch uns diese Zustände unhaltbar erscheinen und daß die Notwendigkeit einer Demonstration gegen die Liberalen gegeben war, scheint es uns doch zweifelhaft, ob man sich dazu gerade des angewandten Mittels bedienen mußte, das eigentlich nur grundsätzlichen Gegnern einer parlamentarischen Demokratie erlaubt ist. D. Red. Weit über den Kreis der Berliner und der deutschen Judenheil hinaus erregt die Nachricht berechtigtes Aufsehen, daß die zionistischen Vertreter in der Berliner Gemeinderepräsentanz sich in der letzten Sitzung dieser Körperschaft gezwungen sahen, geschlossen die Sitzung zu verlassen. Dieser in einer