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Das jüdische Echo · 1932-02-19 · 8 (19.2.1932) · p. Seite 69

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
8 (19.2.1932)
Date
1932-02-19
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 69 sinnten aus der Stätte der Wissenschaft immer wieder eine Radaustätte zu machen versuchten, exemplarisch bestraft werden. Die. Polizei hatte diesmal vor allen Dingen durch die Einsetzung nichtuniformierter Kriminalbeamter sieben Täter fassen können. Die Strafen, zum Teil wegen schweren Landfriedensbruchs, bewegen sich zwischen vier Wochen Haft und acht Monaten Gefängnis. Der Vorsitzende des Schnellschöffengerichts, Universitätsrichter M a r c a r d , wollte mit diesem Strafmaß offenbar abschreckend auf die Unruhestifter wirken, die zugleich mit der Ehre der Universität auch die Ehre Deutschlands treffen. Aussprache über den Landesentwicklungsplan London. Am 2. Februar besuchte Dr. Selig Brodetsky, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency und Leiter des politischen Departements der Exekutive in Begleitung des Präsidenten des Council der Jewish Agency 0. E. d’Avigdor Goldsmid den Staatssekretär für die Kolonien. Sir Philip Cunliffe-Lister im Kolonialamt, um mit ihm die wirtschaftlichen Probleme Palästinas zu besprechen. Der Unterhaltung wohnten der ständige Unterstaatssekretär für die Kolonien Sir Samuel Wilson und der Leiter des Ost-Departements des Kolonialamtes, Parkison, bei. Zunächst trat man in die Erörterung der Angelegenheiten des Landentwicklungsplanes und der Bodenprobleme Palästinas ein, wobei seitens der Vertreter der Jewish Agency der Standpunkt der Agency in diesen Fragen grundlegend erklärt wurde. Hernach kam man auf den Inhalt des Brie^ fes des Premierministers MacDonald an Dr. Weizrnann zu sprechen, wobei besonders die Frage des jüdischen Anteils an den öffentlichen Arbeiten der Palästinaregierung und ihre Wirkung auf die Höhe der Arbeitereinwanderungs-Schedule zur Erörterung gelangten. Die mehr als einstündige Unterredung hatte positive Ergebnisse. Der Unterredung schloß sich eine spezifierte Unterhaltung mit den ständigen Beamten des Kolonialamtes über kleinere Angelegenheiten an. Dr. Selig Brodetsky pflog am 2. Februar auch Besprechungen mit dem Vorsitzenden des Parlamentarischen Palästina-Komitees, dem Mitglied des Unterhauses Colonel Buchan und dem Ehrensekretär dieses Komitees, dem Unterhausmitglied Barnett Jänner, über die Tätigkeit dieser Körperschaft im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung des Parlaments am 2. Februar. Die Tragödie von Soroca In Rumänien wird immer noch erbittert um die Aufklärung des sechsfachen Mordes bei dem Städtchen Soroca an der bessarabisch-russischen Grenze gekämpft, dem fünf junge jüdische Menschen und ein junger Rumäne zum Opfer gefallen sind. Am 30. Januar, zwei Tage vor der Eröffnung der rumänischen Kammer, fand in Bukarest eine vom Zentrum der christlichen Studentenschaft der Bukarester Universität einberufene Kundgebung gegen den Kommunismus statt, die einen ausgesprochen antisemitischen Charakter trug und offenbar den Zweck hatte, auf das Parlament, das gleich nach seinem Wiederzusammentritt Interpellationen der jüdischen und sozialistischen Abgeordneten über das Massacre von Soroca zu behandeln hatte, einen Druck auszuüben. In der rumänischen Kammer wurden die Interpellationen des sozialistischen Deputierten Mirescu und des 'jüdischen Deputierten Michael Landau gezogen. Die Reden Mirescus und Landaus wurden durch judenhetzerische Zwischenrufe der antisemitischen Deputierten unaufhörlich gestört, es kam zeitweilig zu außerordentlich stürmischen Szenen. Mirescu begann seine Rede mit der Feststellung, daß unter dem Vorwände der Bewachung der Dnjestr-Grenze ganz gemeine Morde verübt worden waren; er wolle dies einwandfrei beweisen. Die Morde wurden von Grenzsoldaten verübLWenn einige Offiziere und Soldaten Verbrechen begangen haben und dies im Parlament zur Sprache gebracht wird, so bedeutet dies noch keine Beleidigung der Armee. Aber er werde beweisen, daß nicht nur die Grenzsoldaten gemordet haben, sondern daß auch der Hauptmann der Grenzwache auf die jungen Juden aus seinem Jagdgewehr geschossen hat. Es handelt sich hier um ein vorbedachtes Verbrechen, das von den höheren Behörden nicht geahndet wurde. Die Schuldigen wurden nicht bestraft. Es hat sich überhaupt niemand um die Aufhellung dieser Affäre gekümmert. Inzwischen hat die ganze Angelegenheit dadurch eine sensationelle Wendung genommen, daß, wie Abg. J. Mirescu mitteilt, es gelungen ist, einen Augenzeugen der Erschießung der sechs jungen Leute ausfindig zu machen, und mit ihm ein Protokoll aufzunehmen. Es handelt sich um einen siebenten Teilnehmer an dem Fluchtversuch, der nicht mit den anderen gemeinsam zu dem für den Übergang vereinbarten Platz am Dnjestrufer gekommen war, sondern schon früher dort, in einer stillgelegten Ziegelei, auf die Ankunft der übrigen jungen Leute gewartet hat und, da er sich verborgen hielt ihrem Schicksal entgangen ist, aber die Vorgänge von seinem Versteck aus genau beobachten konnte. Internationale Konvention gegen den Antisemitismus Eine Anregung italienischer Juden Aus der Mitte des Judentums in Italien, wo eigentlicher Antisemitismus nicht herrscht, kommt die Anregung zur Schaffung einer internationalen Konvention gegen den Antisemitismus unter den Auspizien des Völkerbundes. Alle der Konvention beitretenden Staaten sollen sich verpflichten, eine strenge Gesetzgebung gegen antisemitische Ausschreitungen und alle Formen von Judenhaß zu schaffen. Ein Millionen-Legat für Palästina Ein südafrikanischer Jude hat ein Vermögen von etwa 60 bis 70 000 Pfund Sterling zur Unterstützung palästinensischer Armer hinterlassen, ohne ausdrücklich festzusetzen, ob jüdische Arme gemeint seien. Aus dem ganzen Inhalt des Testaments soll aber hervorgehen, daß er jüdische Arme gemeint hat. Dennoch will die Regierung die Beträge des Legats gleichmäßig unter die notdürftige Gesamtbevölkerung verteilen, so daß auf die Juden 20 Prozent entfallen werden. Meistbegünstigung für Palästina London, 7. Februar. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses gab der Schatzkanzler Neville Chamberlain eine Erklärung über die Tarifpolitik der Regierung ab, aus der u. a. hervorging, daß Palästina in den jetzt in der Ausarbeitung befindlichen Reichs-Meistbegünstigungsplan eingeschlossen ist. Schnee in Jerusalem zwei Zoll hoch Jerusalem, 8.*Februar. Am 7. Februar setzte in Jerusalem nach starkem Regen ein heftiger Schneesturm ein. Der Schnee liegt in der Stadt zwei Zoll hoch. Seit 1927 fiel in Jerusalem kein Schnee. Die Niederschläge haben die Lage der Wasserversorgung Jerusalems sehr verbessert.

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