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Das jüdische Echo · 1932-02-05 · 6 (5.2.1932) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
6 (5.2.1932)
Date
1932-02-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug : Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugsorels* jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.-. Einzelnummer 20 Rpf. / Verlag, Auslieferung des „Jüdischen Echos“: München. Plinganserstraße Nr. 64. I N H R LT: Mittelstandssiedlung — Die „Grenz-Ehen“ — Paul Rohrbachs Palästina-Eindrücke — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo -.■'M— Geschäftliches — Spenden-Ausweis Anzeigen: Die viergespaltene Millimeter-Zeile 30 Rpf. / Famillen- Anzeigen Ermäßigung/Anzeigen- Annahme: Verlag des Jüdischen Echos. München. Plinganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 3987 Nr. 6 München, 5. Februar 1932 19. Jahrgang Mittelstandssiedlung Von Dr. S. J. Stern (Bukarest) Die fast auf ein Minimum gedrosselte Einwanderung von Arbeitern nach Palästina wirkt auf die zionistische Öffentlichkeit, je länger dieser Zustand andauert, entmutigend. Eine Änderung dieser Sachlage muß das Hauptbestreben der zionistischen Politik sein. Wie diese auszusehen hat, darüber gibt es verschiedene Meinungen. Sicher aber ist, daß auch die bestehenden Möglichkeiten nicht ausgenutzt werden. Die Erkenntnis in dieser Hinsicht wird in steigendem Maße Gemeingut aller Zionisten in der ganzen Welt. Besonders eindringlich sind die Stimmen, welche aus den Ländern 'jüdischer Miassensiedlung kommen. Nachstehend reproduzieren wir einen Aufsatz eines führenden rumänischen Zionisten, der in seinem Lande den Appell erschallen ließ, daß die bestehenden Möglichkeiten ausgenutzt werden. Seine auf rumänische Verhältnisse zugeschnittenen Ausführungen gelten mit gewissen Modifikationen für alle Länder, in denen Wiirtschaftsnot und wachsend antijüdische Strömungen in vielen Juden den. Drang zur Auswanderung nach Erez Israel verstärkt haben. Aus ganz Rumänien kommen besorgniserregende Nachrichten in bezug auf die Lage der zionistischen Bewegung. Finanzaktionen kann man nicht durchführen, der Zionismus muß sich auf kleine kulturelle Manifestationen und auf geringfügige Sammlungen beschränken, um die immer größer werdenden budgetären Defizite zu decken. Die wirtschaftliche Situation der Weltjudenschaft, also auch der Million Juden in Rumänien, nähert sich der Katastrophe; die politische Situation ist ganz unbefriedigend. Die Jugend, unsere letzte und wertvollste Reserve, ist mit Entartung und Entfremdung vom Judentum bedroht. Was soll also geschehen? Diese Zeilen sollen ein Versuch sein, etwas Beruhigung und ein wenig Verlangen nach konstruktiver Arbeit zu bringen in eine Periode kollektiver Hysterie. Denn bei aller Anerkennung der Riesenmenge von Hindernissen und Schwierigkeiten, denen wir gegenüberstehen, will uns doch scheinen, daß nicht alle Mittel versucht, und daß besonders nicht die entsprechenden Mittel angewendet wurden, um die Situation des Zionismus zu verbessern. Eine Sache, die noch gut gemacht werden kann, hier bei uns im Lande und überall wo Juden in Massen wohnen und wo Judenelend verhanden ist. Welche ist die wesentlichste Schwierigkeit, die sich der zionistischen Bewegung gegenüberstellt? ich höre schon, wie die Antwort im Chor ertönt: Die Einschränkung der Einwanderung. So ist es. Als Resultat der feindlichen Haltung der Mandatarmacht, der ökonomischen Bedingungen in Palästina und der nicht entschiedenen Politik der zionistischen Leitung, als Resultat der einen oder der anderen oder all dieser Ursachen ist die Tatsache geblieben, daß die Einwanderung nach Palästina so gut wie sistiert ist und daß uns die nächste Volkszählung in bezug auf das Kräfteverhältnis zwischen Juden und Arabern sehr unangenehme Überraschungen bringen kann. Eine freie und mächtige Paläsina-Einwanderung ist der Schlüssel zur Lösung der Judenfrage. Nichtauswanderung aus den Ländern der Galuth trägt an sich den Stempel der Entmutigung noch mehr als die wirtschaftliche Depression und die politischen Mißerfolge. Was muß also geschehen? In diesem Momente ist vielleicht mehr als jemals eine Emigration nach Palästina möglich und realisierbar. Die Tore Palästinas sind in Wirklichkeit gesperrt. Aber es muß ehrlich zugegeben werden, denn nur dadurch können wir auch das Hilfsmittel finden, daß die Tore gesperrt sind, weil wir uns noch nicht ernüchtert haben von den Folgen der letzten politischen und ökonomischen Niederlagen. Wir haben nämlich daran vergessen, daß, wenn man ein Tor öffnen will, es nicht immer notwendig ist, an den Torwart zu appellieren, ihn anzuschreien und gegen ihn zu protestieren. Oft geht die Sacne einfacher. Man legt die Hand auf die Klinke und stößt die Tür auf. Und das haben wir nicht getan. Seit einigen Monaten leben wir unter dem Alpdruck eines deprimierenden Hexenspuks. Die englische Regierung hat die Zahl der Einwanderungszertifikate auf ein Minimum herabgedrückt und die Tore Palästinas sind gut verschlossen. In Wirklichkeit verhält sich die Sache aber anders. Die englische Regierung hat wohl die Zahl der Einwanderungszerti'fikate für Arbeiter verkleinert, aber die Tore hat sie nicht geschlossen. Im Gegenteil. Was die Mittelstandsei n-wander u n g betrifft sind sogar bedeutende Erleichterungen gewährt worden, die so weit gehen, daß sie eine nützliche und ansehnliche Imigration in Erez Israel ermöglichen. W'ir sagen das nicht etwa, um England ein Lob auszusprechen', das es nicht verdient, sondern um jenen unter uns die Augen zu öffnen, die den Kopf

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