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Das jüdische Echo · 1932-01-29 · 5 (29.1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
5 (29.1.1932)
Date
1932-01-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Erscheinungszelt: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag —Bezugspreisjährlich; RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20 Rpf / Verlag, Anslieferung des ,,Jüdischen Echos“: München. Plinganserstraße Nr. 64. I N H Ä L T : Das Maß ist voll — Antisemitische Krawalle an der Berliner Universität - Der Reisephilosoph — Das „American Palestine Committee“ gegründet — Paul M. Warburg gestorben - Aus der jüdischen Welt - Gemeinden- und Vereins-Echo — Geschäftliches Spenden-Ausweis Anzeigen: Die viergespaltene Millimeter-Zeile 30 Rpf. / Familien- Anzeigen Ermäßigung / Anzeigen- Annahme: Verlag des Jüdischen Echos. München. Plinganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 3987 Nr. 5 München, 29. Januar 1932 19. Jahrgang Das Maß Ist voll Aus -der Berliner Jüdischen Gemeinde Die liberale Mehrheit in der Berliner Jüdischen Gemeinde hat seit einem halben Jahre das Heft in der Hand und das Schicksal wollte es, daß sie die Herrschaft der .größten deutschen Judengameinde in einer Zeit übernahm, in der alle Seiten des Judenproblems, die früher unter der Oberfläche lagen und darum oberflächlichen Menschen nicht klar werden konnten, nunmehr aktuell und akut geworden sind. Wir leben, vom jüdischen Standpunkt aus gesehen, in einem Zeitpunkte schärfster Gefährdung unserer menschlichen und jüdischen Existenz. Mit einer Intensität, wie man sie früher niemals für möglich gehalten hätte, drängt sich jedem Juden die Erkenntnis auf, wie innig verbunden und prinzipiell gleich der Ablauf der Ereignisse auf alle jüdischen Gemeinschaften, in der ganzen Wielt ist. Die Entwicklung der die ganze Welt beherrschenden politischen und wirtschaftlichen Krise lehrt zwangsläufig jeden um das Wohl der jüdischen Gemeinschaft sorgenden und bangenden Juden, daß der einzig stabile Faktor, mit dem die Juden rechnen können, ihre eigene über die ganze Welt zerstreute Gemeinschaft ist. Die Judenfrage ist nicht nur eine Frage der Juden*allein; sie betrifft alle Völker, in deren Mitte die Juden leben. In erster Linie aber ist die Judenfrage ein Problem der Juden selbst. Und wenn sie es in irgendeiner Form meistern, wenn sie die schweren Erschütterungen, denen die jüdische Gemeinschaft ausgesetzt ist, irgendwie mildern wollen, dann gibt es nur das Mittel, sich zusammenzuschließen und in dieser Notzeit die vorhandenen Differenzen auf ein Mindestmaß zurückzuschrauben, sowie alle diejenigen Bestrebungen zu fördern, die darauf hinzielen, eine grundsätzliche Strukturwandlung in der sozialen Schichtung der jüdischen Gemeinschaft herbeizuführen. Denn eine der Hauptquellen der jüdischen Nöte ist die unglückselige Stellung des wirtschaftenden Juden innerhalb der Produktion. Die überwiegende Mehrheit der jüdischen Gemeinschaft ist fast überall zwischen Produktion und Konsum in der Rolle von Händlern, Vertretern und freien Berufen eingekeilt, und da diese Berufsschichten durch die Wirtschaftsentwicklung, welche in der Richtung der Konzentration aller Kapitalsformen geht, am stärksten gefährdet sind, so ergibt sich daraus die fatale Situation, daß die Juden einfach nicht mehr in der Lage sind, ihre jüdische Sonderart zu bezahlen. Die Juden stehen vor der schwierigen Aufgabe, sich menschlich umzuschichten, und zwar in einer Form, daß diese Umschichtung mit dem gelängst möglichen jüdischen Substanzverlust vor sich gehe. Das trifft in erster Linie bei der Berufswahl für die heranwachsende jüdische Jugend zu. An diesem Angelpunkt muß angesetzt werden, um die jungen jüdischen Menschen einerseits für den Erwerbs- und Lebenskampf richtig vorzubereiten und auszubilden, andererseits dafür Sorge zu tragen, daß sie diese Umschichtung in der Richtung einer Produktivierung im jüdischen Geiste vornehmen, damit ein Geschlecht von bewußten Juden und wirtschaftlich gesicherten Elementen heranwachse. Diese Bestrebung, mag sie sich in welcher inner-jüdisch politischen Richtung auch vollziehen, hört auf, eine parteigebundene Angelegenheit zu sein, da sie eine Tendenz verkörpert, die von den Juden aller Richtungen gut geheißen werden muß. Wir verweisen auf diese Dinge, weil in einer der letzten Sitzungen der Berliner Repräsentantenversammlungen eine Angelegenheit zur Behandlung kam, der die liberale Mehrheit mit restlosem Unverständnis und einer parteimäßigen Gehäßigkeit entgegentrat, die ihresgleichen suchen. Diese liberale Mehrheit, welche ihre Engherzigkeit und Kleingeistigkeit schon anläßlich der Frage der Subventionierung des von der Berliner Jüdischen Gemeinde seinerzeit begründeten botanischen Lehrstuhles an der Jerusalemer Hebräischen Universität bewiesen hat, überbot diese unvernünftige Rücksichtslosigkeit in der Frage einer Subventionierung des in Deutschland wirkenden H e c h a - 1 u z. Die Berliner Jüdische Gemeinde hat natürlich wie alle jüdischen Körperschaften in Deutschland in der gegenwärtigen Situation mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Immerhin ist aber die Finanzlage dieser größten Judengemeiude Deutschlands in keiner Hinsicht so trostlos wie die anderer Verwaltungen. Die Berliner Jüdische Gemeinde wirtschaftet noch immer mit einem Etat, der nahe an zehn Millionen Mark jährlich heranreicht, so daß noch immer Subventionsbeträge für die verschiedenen Organisationen und Zwecke zur Ausschüttung gelangen können. Der Hechaluz, welcher in Deutschland weit über tausend Mitglieder zählt, von denen ein großer Teil in der landwirtschaftlichen Ausbildung steht und ein anderer handwerklich 'und gewerblich vorgebildet wird, hat, wie allgemein bekannt, auf dem Gebiete der Umschichtung und Produktivierung der jüdischen Jugend bisher außerordentliches geleistet und überdies dafür Sorge getragen, daß seine Mitglieder jüdisch-bewußte Menschen werden und sich Kenntnisse auf allen jüdischen Wissensgebieten, beson-

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