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Das jüdische Echo · 1932-01-15 · 3 (15.1.1932) · p. Seite 28

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
3 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 Das Jüdische Echo Nr. 3 sagen in einer ausgesprochen feindlichen Stimmung. Der Angeklagte Fedtke, bei dem ein feststehendes Messer gefunden wurde, machte dem einvernommenen Polizeiwachtmeister Vorhaltungen in einer Form, daß der Vorsitzende ihn zur Ordnung rufen mußte. Die übrigen Angeklagten machen durch mehr oder weniger lautes Murmeln und Zwischenrufe ihren Gefühlen Luft, ein Angeklagter erhöhte den allgemeinen Lärm durch Klopfen mit seinem Stiefel. Der Vorsitzende rügte, das Verhalten und mahnte zur Ordnung. „Vorwärts“ schließt: „Man kann sich nach all dem lebhaft vorstcllen, wie es bei der Vernehmung der jüdischen Zeugen werden dürfte!“ Rabbiner Dr. Raphael Breuer (Aschaffenburg) plötzlich verstorben Aschaffenburg, 11. Januar. (JTA.) Am Nachmittag des vergangenen Sabbat ist hier Distriktsrabbiner Dr. Raphael Breuer einem Herzschlag erlegen. Er erreichte ein Alter von nur 52 Jahren. Die Trauer in der Gemeinde Aschaffenburg und in den benachbarten Gemeinden um den Hingang des geistigen Führers ist außerordentlich groß. Der Trauerfeier am Montag in der Synagoge und der Beisetzung auf dem israelitischen Gemeindefriedhof wohnten außer allen Mitgliedern der Gemeinde Aschaffenburg auch zahlreiche Führer des orthodoxen Judentums von auswärts bei. Dr. Raphael Breuer, ein Gelehrter und Prediger von Ruf, war ein Sohn des 1926 verstorbenen Rabbiners der israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. Salomon Breuer und ein Enkel von Samson Raphael Hirsch, sowie ein Bruder des literarischen Vorkämpfers der separatistischen Orthodoxie Rechtsanwalt Isaak Breuer. Dr. Raphael Breuer übte 25 Jahre lang das Amt eines Distriktsrabbiners in Aschaffenburg aus. Bei der Besetzung des nach dem Heimgang seines Vaters verwaisten Rabbinatsamtes der Israelitischen Religionsgesllschaft in Frankfurt a. M. war er ein aussichtsreicher Kandidat, er zog aber, als sich eine Gegnerschaft gegen ihn bemerkbar machte, seine Kandidatur zurück. Jubiläum des Kaiser Iosefschen Toleranzpatentes in Österreich Wien, 8. Januar. (JTA.) Das 150jährige Jubiläum des von Kaiser Josef II. eingeführten Toleranzpatentes, das die Rechtsverhältnisse der österreichischen Juden auf neue Grundlagen stellte, wurde in diesen Tagen auf einer von der „Union deutsch-österreichischer Juden“ veranstalteten Festversammlung gefeiert. Der Feier wohnten auch führende nichtjüdische Persönlichkeiten der Wiener Gesellschaft bei, u. a. auch der Altbundespräsidnt Dr. Hainisch, sowie Vertreter mehrerer Ministerien und anderer Staatsbehörden, ebenso des Kehilah-Präsidiums. Konzessionsentziehung für polnische Juden Warschau, 5. Januar. (JTA.) Bekanntlich hat die polnische Regierung in den letzten Jahren sehr vielen Juden die von ihnen oft Jahrzehnte hindurch innegehabten Konzessionen zum Verkauf von Monopolwaren wie Spirituosen, Tabak usw. entzogen. Vor kurzem hieß es, daß der Prozeß der Konzessionsentziehung zum Abschluß gelangt ist und daß die jetzigen Konzessionsinhaber ihre Konzessionen behalten werden. Diese Mitteilung hat sich als irrig erwiesen. Anfang Januar 1932 haben 1300 (jüdische Konzessionsinhaber 'die Mitteilung erhalten, daß sie ihre Konzession abzugeben haben. 700 Konzessionsinhaber gelang es, eine Prolongation bis 1. Juli 1932 zu erhalten, 600 mußten die Konzessionen sofort abgeben. Das Vorgehen des Finanzministeriums hat die in dieser kritischen Zeit täglich zunehmende Verelendung der jüdischen Bevölkerung, die nicht zuletzt auf den rücksichtslosen Steuerdruck zurückzuführen ist, noch um ein Bedeutendes gesteigert. Daniel ben Joseph Lord Reading in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eingetragen J e r u s a 1 e m , 3. Januar. (JTA.) Die Jewisli Agency for Palestinc veranstaltete im Hotel King David zu Jerusalem einen Empfang zu Ehren des gegenwärtig in Palästina weilenden früheren englischen Außenministers und ehemaligen Vizekönigs von Indien Lord Reading. Der Veranstaltung wohnten Führer der palästinensischen Judenheit in großer Zahl und auch mehrere Rabbiner bei. Auf Begrüßungsansprachen seitens der Führer des Jischuw erwiderte Lord Reading mit einer Ansprache, die er mit den Worten schloß: Mein Besuch in Palästina hat mich mit Begeisterung für das Land Israel erfüllt und in mir den: Wunsch gestärkt, den Aufbau dieses Landes mit allen meinen Kräften zu fördern. Die Anwesenden beschlossen, zur Erinnerung an ihr Zusammensein mit Lord Reading den Namen Readings in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds, und zwar in seiner hebräischen Form „Daniel ben Joseph“ einzutragen. Lord Reading empfing eine Abordnung der palästinensischen Organisation Agudas Jisroel. Die Mitglieder der Abordnung sprachen Lord Reading den Dank für sein für Erez Israel stets bekundetes Interesse aus. Lord Reading, der in Jerusalem Gast des High Commissioner Sir Arthur Wauchope ist, besuchte mit dem High Commissioner und dem geschäftsführenden Direktor der Palestine Electric Corporation Pinchas Ruthenberg (Lord Reading ist bekanntlich Präsident der Corporation) die Tote- Meer-Werke. Die Gäste wurden am Toten Meer von den Inhabern der Konzession Ing. Novomeyski und Major Tulloch empfangen und durch den Betrieb geführt. Eine 100 OOO-DoHar-Anleihe für Palästina wird in Amerika aufgebracht Neuyork, 5. Januar. (JTA.) In einer Aussprache mit den Mitgliedern des Administrative Committee der Zionistischen Organisation Amerikas betonte der vor kurzem in Neuyork eingetroffene Präsident der Zionistischen Weltorganisation! und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, die dringende Notwendigkeit der Aufbringung einer Anleihe in Amerika für das Werk der Jewish Agency in Palästina. Die Gelder der Anleihe, sagte Sokolow, müssen sofort flüssig gemacht werden, da eine durch Geldmangel erzwungene Untätigkeit der Jewish Agency in Palästina die Position der Agency unhaltbar machen würde; besonders wiir- Zionisten, kauft und verbreitet den Schekel! jj

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