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Das jüdische Echo · 1932-01-15 · 3 (15.1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
3 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo \ Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstaiten oder den Verlag. — Bezugspreis- Jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20Rpf. I Verlag, Auslieferung des „Jüdischen Echos“: München. Plinganserstraße Nr. 64. I N H fl L T : Führung und Durchführung — Julius Rosenwald gestorben — Das preußische Judengesetz — Aus der jüdischen Welt — Personalia — Geschäftliches — Gemeindenu. Vereins-Echo — Spenden-Ausweis Anzeigen: Die viergespaltene Millimeter-Zeile 30 Rpf. / Famillen- Anzeigen Ermäßigung /Anzeigen- Annahme: Verlag des Jüdischen Echos. München. Plinganserstraße 64 / Telephon 73664/6B Postscheck - Kontp: München 3987 Nr. 3 München, 15. Januar 1932 19. Jahrgang Führung und Durchführung Die außerordentliche schwere Lage, in der sich die jüdische Gemeinschaft in Deutschland befindet, verlangt Maßnahmen, die nicht nur von einzelnen Vereinen und Organisationen der deutschen Judenlieit ergriffen werden, sondern deren Planung und Koordinierung von einer Stelle vorgenommen werden muß, die tatsächlich und auf Grund der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen die jüdische Gesamtheit repräsentiert. Die Situation der Judenbeit iu Deutschland ist vor allem in politischer Hinsicht (infolge der allgemeinen Entwicklung schwer gefährdet. Man darf sich darüber nicht hinwegtäuschen, daß im Laufe der letzten Jahre nicht nur bei den ausgesprochen antisemitischen Parteien, sondern weit darüber hinaus auch in anderen politischen Lagern eine Wandlung in der Stellungnahme zur jüdischen Gemeinschaft erfolgt ist, welche für die Zukunft, und zwar leider für eine nahe Zukunft, eine schwere Beeinträchtigung der jüdischen Position im Staate befürchten läßt. Man muß nicht einmal von der Annahme ausgehen, daß das von den Nationalsozialisten angekündigte „Dritte Reich“ bald Wirklichkeit wird. Auch wenn die Nationalsozialisten an irgendeiner Regierungsbildung im Reiche und in Preußen nur beteiligt sein sollten, oder ohne beteiligt zu sein, auf diese Regierungen Einfluß nehmen werden, kann sich die gesamte Verwaltungspraxis auch bei Beibehaltung der formalen Gleichberechtigung der Juden vor dem Gesetze in untragbarer Weise im Alltag gegen die Juden auswirken. Diese Gefährdung wird sich — und in einzelnen Ländern, in denen die Nationalsozialisten heute Einfluß haben, ist es schon jetzt der Fall — gegen die jüdische Gesamtheit richten. Es ist darum das Ergebnis primitivster Logik, wenn gefordert wird, daß die jüdische Gesamtheit als solche sich gegen derartige Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten zur Wehr setzt. Wer sich mit jüdischen Angelegenheiten mehr als oberflächlich beschäftigt, weiß, daß die größten Gefahren für die jüdische Gemeinschaft nicht so sehr von der politischen Seite kommen, als von der wirtschaftlichen Entwicklung, die die Existenzbasis der Juden bedroht. Das wahre Judenproblem liegt jenseits von stärker oder schwächer werdenden antisemitischen Wellenschlägen und ist zum größten Teil eine innere jüdische Angelegenheit, sowie eine Begleiterscheinung des soziologischen Strukturwandels in der ganzen Welt. Darum muß sich jeder mit der jüdischen Historie vertrauter Beurteiler 'jüdischer Angelegenheiten sagen, daß formalpolitische Gegebenheiten letzten Endes doch nicht von jener entscheidenden Bedeutung für Bestand oder Untergang der jüdischen Gemeinschaft sind, wie unter dem Drucke der täglichen Vorkommnisse von mancher jüdischen Seite geglaubt wird. Aus diesem Grunde ist die ganze Ideologie, die sich unter dem Komplex Abwehr verbirgt, für den wahren Inhalt jüdischer, vorausschauender Tätigkeit eine Angelegenheit zweiten Ranges. Trotzdem kann diese nach unserer Auffassung prinzipiell zweitrangige Sache unter Umständen an die erste Stelle rücken und muß trotz aller Bedenken gegen Wesen und mögliche Formen dieser Abwehr •mit 'besonderer Aufmerksam,keit wahrgenommen werden. In der gegenwärtigen Situation der deutschen Judenheit ist die politische Abwehrarbeit von eminenter Bedeutung. Aus diesem Grunde sind auch Kreise, die sonst der Abwehrbetriebsamkeit ferngestanden haben, im Augenblicke geneigt, ihre Mitwirkung diesem Zweige notwendiger gesamtjüdischer Leistungen zu leihen. Allerdings ist die Voraussetzung hierfür, daß die nun einmal unerläßlichen Abwehraktionen nicht irgendwie auf Grund einseitiger Ideologien unternommen werden, sondern von der jüdischen Gemeinschaft auf der Basis objektiver Gegebenheiten. Nicht mehr von Gesinnungen und innerpolitischen Stellungnahmen den Anspruch auf Menschenrechte und Gleichstellung abhängig machen, sondern von der Tatsache ausgehen, daß unabhängig von Ansichten und politischen Meinungen in bezug auf Haltung und Stellung in Kultur- und Gesinnungsfragen jedem in Deutschland lebenden Juden die Gleichberechtigung auch die Gleichstellung entsprechen wird, ist eine Frage, die weder durch Beteuerungen, noch durch Bekundung bestimmter Gesinnungen gelöst werden kann. Der Widerstand gegen die jüdische Gemeinschaft richtet sich gegen alle Juden, mögen diese sozialistisch, deutschnational oder liberal sein. Es ist klar, daß die verschiedenen Richtungen im deutschen Judentum nicht darauf verzichten können und wollen, ihre besondere politische Ansicht oder ihre besondere Stellungnahme zum deutschen Volkstum und zur deutschen Kultur zum Ausdruck bringen und entsprechend dieser Einstellung auch handeln zu wollen. Dies wird auch von keiner Seite irgendwie bekämpft werden dürfen. Was jedoch den entschiedensten Widerstand hervorrufen muß, ist, daß irgendeine einzelne Gruppe für sich den Anspruch erhebt, im Namen der jüdischen Gesamtheit zu reden. Die jüdische Gesamtheit darf keine subjektiven Argumente für ihren Anspruch auf Gleichberechtigung und Gleichstellung im Staate ins Feld führen. Sie muß sich auf rein objektive Gegebenheiten stützen. Darum ist es notwendig, daß die Gesamtvertretung der jüdischen Gemein-

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