Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 52 (25.12.1931)
- Date
- 1931-12-25
- Page
- Seite 702 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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702 Nr. 52 Das Jüdische Echo Gemeinden- und Vereins-Echo Die Talmud-Thora-Schule in München in höchster Gefahr! Wir erhallen aus Kreisen der Talmud-Thora folgende Zuschrift, die wir hier wiedergeben, obwohl wir wissen, daß die Gemeinde überall abbaul: Die Red. Mil Aufopferung und Hingabe wurde im Jahre 1919 in einer ernsten Zeit ein ernstes Werk, die T a 1 m u d - T hora-Schule geschaffen. Mit Einsatz aller Kräfte der daran Beteiligten entstand die Schule, die unseren Kindern ein Born jüdischen Wissens sein sollte, die ihnen Gelegenheit geben sollte, tiefsten Einblick in die Gesetze des Judentums zu erhalten und die Talmud-Thora hat bewiesen, daß sie vom religiösen Standpunkt aus ihre Pflichten voll und ganz erfüllt hat. Mit ernster Begeisterung setzten sieh damals Herr Prof Dr. Cosmann Werner s. A. und Herr Rabbiner Dr. Heinrich Ehrentreu s. A. für die Gründung ein und die Worte des Herrn Prof. Dr. Werner s. A., die er in einer öffentlichen Gründungsversammlung snraeh, klingen noch heule in unser aller Herzen nach: „Achenu bene jisroel!“ Die Ehrfurcht vor unseren Ahnen, der Ernst der Gegenwart und die Fürsorge für die religiöse Entwicklung unserer Kinder veranlaßten uns, das der Talmud-Thora geweihte Werk ins Leben zu rufen.“ Herr Rabbiner Dr. Heinrich Ehrentreu s. A. sprach bei der Einweihung u. a. folgende Worte: Wir folgen den Spuren unserer alten Weisen, wenn wir Kleines mit Großem vergleichen, wenn wir sagen: auch für uns ist heute ein solcher Tag angebrochen, ein Tag des Lichtes und der Freude, ein jaum haschmini erschienen, an dem wir diesen chinuch habajis vollziehen können. Auch an uns ergeht heule der Ruf unseres großen Lehrers Mausche, wie er vor Jahrtausenden an unsere Väter ergangen ist: „Seh hadowor ascher ziwoh Haschern taasu.“ „Tuet das Wort, das G’tt geboten, dann wird auch sein Segen ruhen auf Euren Werken.“ End er sprach weiter: „Die Welt und Israel besteht nur auf dem Hauch der Kinder des Lehrhauses, die reinen und unschuldigen Sinnes Thauro lernen. Solange wir dafür sorgen, daß unsere Kinder in der Thora unterrichtet werden, solange ist die Zukunft des Judentums gesichert und die rohe Faust hat keine Macht über Israel!“ Und in der Einweihungsrede sagte Herr Rabbiner Dr. Baerwald: „Wenn wir aber fragen, welches das Liebt ist, das wir auf diesem Misbeach anzünden, so sagen wir auroh su thauro, „dieses Licht das ist die Thora“, die uns gleich der Eeuersäule in der Nacht voranleuchlete durch die Jahrhunderte, da unsere Väter durch die Wüste des Exils gegangen sind. Und dieses Licht der Thora, das zünden Sie auch heute an. Nun warten Sie seiner mit nimmermüder Pflege wie einst die Priester im Heiligtum. Und wie jene einst die Hölzer angeziindet haben, so soll auch hier, was einem ungeformlen Holze gleich in Ihre Hand gelegt wird, entflammt werden zu lebendiger Begeisterung, damit es Funken sprühe und damit das alte Feuer hoch auflodere zum Himmel und ein Wegweiser sei auch für kommende Geschlechter“ .... Und Herr Rabbiner Dr. Baerwald schloß seine warmherzigen Worte mit dem Satz: „Es (das neugegründete Werk, die Talmud-Thora) soll wie einst das Feuer auf dem Altar des Tempels sich stets erneuern, von Tag zu Tag, babbauker babbauker, an jedem Morgen, wie der Prophet sagt: „An jedem Morgenweckt er mein Ohr, daß ich höre und gibt mir cgelehrige Zunge, um zu stärken den Müden mitnn Wort.“ (Jes. 50, 4.) „Esch tomig tukkad al imisbeach lau ssichbeh“ möge dieses Feuer auf dedtar, der heule eingeweiht worden ist, brennen unnit G’ttes gnädiger Hilfe nie erlöschen, sondern les, was ihm entgegenkommt, erleuchten und rärmen“ Die israelitische Kulgemeinde München hat diesen Ruf der Herren ibiner und der jüdischen Gemeinschaft gehört uruat ihn gewürdigt, indem sie stets mit Rat und Tder „Talmud-Thora“ zur Seite gestanden hat. Heute jedoch b b s i c h l i g t sie, die notwendige finnfziell e Unterstützung z u v e r w e i g tu. Gewiß verkennen wir nicht, daß die wirlsclniche Lage der Gemeinde schwierig geworden ist feiner Zeit der allgemeinen Not, aber stellt nicht d;Wichtigkeit einer solchen Institution an erster Ste? Muß nicht bei Unterstützung, bei Errechnung d Verteilung des Gemeindebudgets in erster Linie diese Schule, dieses Lehrhaus für unsere Kinderedacht werden? Und wieder wollen w einen Salz aus der Rede s. Ehrw. Herrn RabbintDr. H. Ehrentreu s. A. zitieren, der die Wi-chReit dieser Institution vor Augen führt: „Die Heilieil des Lernhauses ist größer als die Heiligkeit dcBethauses.“ Sprechen nicht solche Worte beredt gaig für die Sache? Ist sich die Gemein* der ungeheuren Verantwortung bewußt, was heißt eine Talmud-Thora aufzulösen? Denn das 1 zweifellos der Erfolg des Unterst üzungsriiekzuges Wir hegen die stark Hoffnung, daß die Kultusgemeinde München not in letzter Stunde sich über die Notwendigkeit desBestehens dieser wichtigen Institution im klaren is daß sie trotz der Schwierigkeit der eigenen Lagelie Talmud-Thora an erster Stelle berücksichtigt. Spromuteka Am Samstag, den ). Dezember, fand endlich das „größte jüdische teignis“ statt, das Fest der jüdischen Junggruppe and des jüdischen Pfadfinderbundes. Viel Juged war erschienen, auch Eltern und Erwachsene.Die Feier begann mit einem gut gelungenen Sprecchor. Dann kam die Militärsymphonie von Hayd, ein Theater, ein Kabarett. Ganz besonders nett Yar das Theater, Die Jungens spielten hübsch und aiüsant. Das Ganze war ihnen naheliegend und versändlich. Besonders die Darsteller der Eltern hben viel von ihren eigenen abgeguckt. Das Kabaett war nett und heiter, die Militärsymphonie unbdingt zu hoch gegriffen, sowohl für das junge prehester, als auch für den Dirigenten. Im gan£n ein hübscher Abend, an dem Jüdisches, Bünfisches und Allgemeines zum Ausdruck kam. Verein Perez. Cianukkafeier. Daß man, entsprechend der Uigunst der Zeit, auch mit einfachen Mitteln eine stimmungsvolle, dabei aber künstlerisch und geistig gehobene Feier veranstalten kann, beweist der glänzende Verlauf der Chanukka-Veranstaltung der vorigen Woche, die im Lessingsaal stattfand. Solovorträge sowie gemeinsam gesungene jiddische Lieder, launige und humorvolle Gedichte einzelner Mitglieder füllten das Programm. Hierzu kam die liebevolle Bewirtung durch die Damen des Vereins. Kein Wunder also, daß mau auch nach Beendigung des offiziellen Teils um Mitternacht noch etwa zwei Stunden in geselliger Unterhaltung beisammenblieb. Bei dieser Gelegenheit sei allen Mitwirkenden für ihre freundliche Mitarbeit, besonders aber Frl.