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Das jüdische Echo · 1931-12-04 · 49 (4.12.1931) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
49 (4.12.1931)
Date
1931-12-04
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 49 4. Dezember 1951 18. Jahrgang Das Chanukkawunder und seine Bedeutung Von Rabbiner Dr. Victor (Hindenburg) I. „Am 25. Kislew beginnen die Tage des Chanukkafestes, das acht Tage dauert. Als nämlich die Syrer in den Tempel eindrangen, verunreinigten sie alle Öle, die im Tempel waren. Nachdem die Hasmonäerherrschaft befestigt und der Sieg errungen war, suchte man und fand nur ein einziges mit dem Siegel des Hohenpriesters versehenes Krliglein mit Öl, das nur soviel enthielt, um einen Tag zu brennen. Aber es geschah ein Wunder und man brannte davon acht Tage. Im folgenden Jahre bestimmte man, diese Tage mit Lob- und Dankliedern als Festtage zu feiern.“ So lautete der Bericht des Talmuds über den Ursprung des Chanukkafestes (Sabb. 21d), das als Lichterfest dem bekannten Wunder vom Ölkriiglein seine eigentliche Bedeutung verdankt. Aber von diesem Ereignis wissen weder die Makkabäerbücher, noch Josephus, der sonst die Überlieferungen bisweilen mit peinlicher Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit darzustellen pflegt. Josephus spricht zwar von dem Lichterfest, das acht Tage dauert und das die Juden zur Erinnerung an die von den Makkabäern errungene Freiheit feiern. Er erzählt auch ebenso wie die Makkabäerbücher, daß die Makkabäer den Altar und die anderen heiligen Geräte von neuem weihten und unter anderem „den Leuchter“ anzündeten. „Der Leuchter“, von dein die beiden Quellen sprechen, ist aber der siebenarmige Leuchter, der das ganze Jahr über zur Erleuchtung des Tempels diente und nichts zu tun hat mit der heutigen achtarmigen Menorah, die wir in unseren Häusern an Chanukka zur Erhöhung der Festesweihe entzünden. Und in der Tat geht die Sitte des Zündens der Chanukkalichter im heutigen Sinne der steigenden Lichterzahl auf eine spätere Zeit zurück, wie uns ein Blick in den Talmud zeigt. Solange das jüdische Volk in einem eigenen Staatsleben mit den Realitäten des Daseins zu kämpfen hatte, war man nur auf die Erlangung bzw. Erhaltung der nationalen Unabhängigkeit bedacht, auf der auch die religiöse Freiheit basierte. Und in dem Volke lebte als Zeichen des nationalen Stolzes die bleibende Erinnerung an die Erkämpfung der Freiheit durch die Makkabäer. In diesem Sinne spricht auch Josephus von dein Lichterfest, das an die Erlangung der nationalen Selbständigkeit und der religiösen Freiheit erinnert. Der Tempel ging in Flammen auf, das jüdische Volk zog in die Verbannung. Bisweilen mochte der Jude eine Sehnsucht nach einem nationalen Befreier empfinden, wie es die Makkabäer waren. Aber zu dieser Sehnsucht nach national-religiöser Befreiung durch einen Freiheitshelden gesellte sich die mystische Hoffnung auf den Messias, den von Gott gesandten Erlöser. So wurde das Natürliche mit dem Wunder verknüpft, und als nach der Niederwerfung des Bar-Kochba-Aufslandes die Hoffnung an eine Befreiung durch einen Freiheilshelden aus dem Volke immer mehr geschwunden war, trat die Hotfnung auf das Übernatürliche, das Wunder in stärkerem Maße in den Vordergrund. So scheint jene Zeit des Überganges in der Zukunflshoffnung des Volkes auch einen Übergang in der Chanukkaauffassung geschaffen zu haben, den Übergang vom national-religiösen Freiheitsfest zum Lichterfest, das im Wunder der Erzählung vom Ölkriiglein wurzelt. Das ist wohl auch der Grund, warum das Chanukkalicht in der Mischna nicht behandelt, sondern nur einmal in einem ganz anderen Zusammenhänge nebenbei erwähnt wird. Das Chanukkalicht hatte bereits in der Zeit der Mischna in die jüdischen Häuser seinen Eingang gefunden, als Zeichen der festlichen Illumination zur Erinnerung an die nationale Befreiung. Daher wohl die Sitte, daß man das Chanukkalicht an das Fenster oder an den Eingang der Tür zu stellen pflegte. Die näheren Bestimmungen jedoch, z. B. das Anzünden mit der steigenden Lichterzahl usw. setzten eine spätere Zeit voraus, in der die Erzählung vom Ölwunder bereits an die Stelle des nationalen Freiheitsgedankens getreten war. Die eigentliche Diskussion über die Bestimmungen des Chanukkalichtes wird erst im Talmud geführt. II. Was aber bedeutet die Erzählung vom Ölwunder? Wir finden eine ähnliche Erzählung in der Bibel, II. Kön. 4,1 ff-, die vielleicht ein Licht auf das Chanukkawunder zu werfen geeignet ist. Dort heißt es: Einst kam eine arme Witwe zu dem Propheten Elisa und sprach: „Mein Mann ist tot, ich bin arm, und der Gläubiger kommt, um meine beiden Kinder zu Sklaven zu machen. Nur einen Krug Öl nenne ich noch mein Eigentum.“ Da sprach der Prophet zur Witwe: „Leihe dir leere Gefäße, soviel du bekommen kannst, und gieße von dem Öl, das du besitzest, in die Gefäße.“ Die Frau tat es und füllte mit dem kleinen Krüglein Öl alle vorhandenen Gefäße. Erst als sie keine Krüge mehr hatte, die das Öl aufnehmen konnten, hörte das Öl auf. Das Öl, das Produkt des Ölbaumes, des Friedenssymbols, ist das Sinnbild der Religion. Und dieses Gleichnis will uns sagen, daß das Judentum uns an religiöser Nahrung soviel zu geben vermag, wie es Gefäße gibt, um die Religion zu fassen, wie Träger für die göttliche Wahrheit vorhanden sind. Das Judentum hört auf, wenn es keine Juden mehr gibt, die noch den Willen zum Judentum und zu seiner Kultur bekunden. Und das ist auch die Lehre des Chanukkawunders. Schon lange vor dem Mögen Dowid war die Menorah das Symbol des Judentums, zu finden als Schmuckstück auf den alten Synagogen. Acht Tage hatten Juda Makkabi und die Seinen als Fest eingesetzt, acht Tage mit Lobgesängen in reinster Festesfreude und Begeisterung für Gott und die Religion. Da reichte das Öl nur für diese acht Tage der Freude und Begeisterung, darüber hinaus nicht. Das heißt: Das Judentum bestellt nur solange, wie die Freude am Judentum und die Begeisterung für jüdisches Leben und jüdische Kultur lebendig ist.

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