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Das jüdische Echo · 1931-09-16 · 38 (16.9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
38 (16.9.1931)
Date
1931-09-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 38 18. September 1931 18. Jahrgang Das Jahr 5691 Von S. Pi c k e r Das verflossene jüdische Jahr wird in unseren Annalen als ein Jahr härlesler Prüfung verzeichnet werden müssen. Es begann allerdings mit einem Lichtpunkt. Ein Weltkongreß für das arbeitende Palästina wurde in Berlin abgehalten. Ein autoritatives Gepräge erhielt diese Veranstaltung durch die Beteiligung internationaler Arbeiterführer wie Jean Longuet, Huysman, Pierard u. a. m. Zu Beginn des Jahres 5691 waren die Nerven des jüdischen Volkes aufs äußerste gespannt. Infolge des blutigen Überfalles vom Sommer 1929 kam es zu einer schweren ,politischen Krise. Die Mandatarmacht wurde von einem wahren Kommissions-Koller befallen und stellte dem jüdischen Aufbau immer neue Hindernisse in den Weg. Von mehr oder, weniger Sachlichkeit getragen waren die Berichte der Jonson-Groshie-Commission über das Agrarproblem der Fellachen und der O’Donnell-Ersparungskommission; ehrlich und sogar von Vernunft und Rücksicht diktiert, fiel der Slrickland-Bericht über das Kooperalivproblem aus, erträglich war auch der Spruch der internationalen Kommission in der Klagemauerfrage. Der unglückliche Shaw-Bericht jedoch, der es auf unser Werk als Ganzes abgesehen halle, zog die Entsendung Simpsons nach Erez Israel nach sich, der mit Hilfe falscher Daten die Möglichkeiten weiterer Ansiedlung fast negierte. Diskontiert wurden diese möglichen Unmöglichkeiten zunächst mit der Zurücknahme der bereits ausgegebenen Zertifikate für die Alijah von Chaluzim. Indessen besah sich auch Unterstaatssekretär Dr. Shiels das Land. Am 28. Tischri (20. Oktober) wurde dann Passfields Weißbuch, begleitet von Simpsons Bericht, publiziert. Dieses Weißbuch verfolgte die Tendenz, die Möglichkeiten, die dem Zionismus durch Balfour-Deklaration und Mandat gegeben worden waren, bis zum Äußersten einzuengen. Die jüdische Geschichte kennt wohl kein Beispiel einer Protestaktion in dem Umfange und von der Intensität, wie diejenige, die dieses Attentat auf die Rechte der jüdischen Nation auslöste. Bis dahin verfocht Prof. Weizmann noch immer das Prinzip einer einvernehmlichen Arbeit mit der Mandatarmacht. Nun, da das Maß übervoll wurde, reagierte er mit seinem Rücktritt von der Präsidentschaft der zionistischen Organisation und der Jewish Agency. Ihm folgten mit demselben Ausdrucke des Protestes der Präsident der Agency Councils Lord Melehetl, und der Präsident des Administrativen Rates der Agency, Warburg. Buchstäblich Millionen von Juden auf der ganzen Erdrunde protestierten erbittert in Versammlungen und in Entschließungen seitens der Gemeinden. Als erster protestierte der große Bund der englischen jüdischen Gemeinden, Board of Deputies. In Amerika manifestierten in Monslerversammlungen Hunderttausende. Bei einer dieser Kundgebungen sprachen auch der Neuyorker Oberbürgermeister Walker, Vizegouverneur Lehmann, Senator Wagner und Felix Frankfurter, wie auch der sonst anlizionisliscli eingestellte große Philantrop Rosenwald. Aber auch die bedeutendsten Politiker Englands und anderer Staaten stellten sich hochherzig auf die jüdische Seile. Es protestierten die führenden Persönlichkeiten der Konservativen, Baldwin, Amery und Austin Chamberlain, ihnen folgten Lloyd George, Herbert Samuel, General Smuts und Churchill, welch letzterer sogar sein Vaterland aufforderte, das Mandat getreulich durchzuführen oder es zurückzulegen. Einen ähnlichen Standpunkt vertraten noch viele andere, wie Kensworthy, Wedgwood, in Frankreich Painleve und de Monzie. Im Unterhaus kam es bald nach dem Ereignis zu Anfragen von Baldwin und Lloyd George. Höchst denkwürdig bleibt die im November im Unterhaus slattgefundeile Debatte, der ein voller Tag gewidmet war. Auch im Oberhaus wurde über das Weißbuch debattiert, wobei Reading den prozionistischen Standpunkt verfocht. Unter allen anderen Schritten war vielleicht der bedeutendste die Erklärung der autoritativen englischen Rechts- Experten Lord Halsham und Sir John Simon, wonach der jüdische Standpunkt als richtig anerkannt und die Anrufung des internationalen Gerichtshofes im Haag gefordert wurde. Die Stichhaltigkeit des Simpson-Berichtes wurde mit schlagenden Argumenten von Fachleuten wie Prof. Mead, Ruppin, Granowsky u. a. angefochten. Ein zusammenfassendes Memorandum gegen die Regierungsverordnung verfaßte der Ehrenanwalt der Agency, Leonhard Stein. Aber auch die englische Regierung schien bald ihren argen Mißgriff eingesehen zu haben. Passfield selber versuchte Weizmann sofort nach dessen Protestschritt zu beruhigen. Macdonald erklärte einigemal, wie auch Passfield in Interviews und Dr. Shiels im Unterhause, daß die Sache nicht so gemeint sei, wie man sie zu verstehen behaupte. Die Alijah werde bald wieder gestattet werden; jüdischer Bodenkauf auch fernerhin möglich sein usf. Auch die Labour- Party nahm schließlich gegen die antizionislische Passfield-Politik Stellung. Bald lenkte die Arbeiterregierung ein, indem schon für November Weizmann von Macdonald zu Verhandlungen zwecks Schlichtung des entstandenen Streitfalles zwischen dem jüdischen Volke und England eingeladen wurde. Die Verhandlungen zwischen einer eigens eingesetzten Kabinetts-Kommission unter Vorsitz des Außenministers Henderson und den zionistischen Vertretern ergaben sodann den Brief Macdonalds vom 13. Februar an Weizmann, der dem Weißbuch hei dessen Aufrechterhaltung zwar nur eine authentische Interpretation geben sollte, in Wirklichkeit aber einen faktischen Rückzug Englands darstellte. In den letzten Tagen erschien der Landentwicklungsplan, der vielfache Widersprüche jiidischerseits hervorrief. Derzeit erwartet man in Palästina den Landenfwicklungs-Kommissär French, der nicht ganz an Simpsons Prämissen gebunden sein soll. Ob die Jewish Agency einen Berater beislellen wird, steht noch nicht fest. So nervenerschütternd dieses ereignisreiche Kapitel jüdischer Geschichte war, von nicht geringerer Bedeutung ist die ökonomische Katastrophe, der die Juden der ganzen Welt im größeren Maße als andere

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