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Das jüdische Echo · 1931-09-04 · 36 (4.9.1931) · p. Seite 496

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
36 (4.9.1931)
Date
1931-09-04
Page
Seite 496 (sequence 4)
Language
German
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<496 Das Jüdische Echo Nr. 36 werden laufend unterstützt, vielen Notleidenden wird zu einer Existenz verholten. Auf diesem charitativem Gebiet ist Unglaubliches geleistet worden. Nicht minder wichtig ist das Schiedsgerichtswesen. Jeglicher Zwist innerhalb der ostjüdischen Kolonie wird möglichst im eigenen Hause ausgetragen, in den seltensten Fällen wird das ordentliche Gericht angerufen. Das Moment der eigenen, dem besonderen Rechtsempfinden angepaßten Gerichtsbarkeit ist ein eklatantes Faktum gesellschaftlicher Bindung. Der Soziologe hätte wahrscheinlich mit dem ostjüdischen Kreis ein äußerst interessantes Arbeitsfeld. Dieser „■Gesamtausschuß der Ostjuden“ ist die eigentliche Repräsentanz der Münchener Ostjuden. Es war nicht leicht die verschiedenen, teilweise einander entgegenstrebenden Kräfte auf einen Nenner zu bringen. Nicht zuletzt waren es die politischen Verhältnisse während und nach der Revolution, die diesen Verband zu einer Lebensnotwendigkeit machten. Es galt sich zu behaupten und die vielen, erdrückenden Angriffe abzuwehren. Und dieser Gesamtausschuß hat sich dieser Aufgabe gewachsen gezeigt und sich glänzend bewährt. Er vereinigte1 sämtliche ostjüdischen Vereine zu einem einzigen Verband. Durch diesen engen Zusammenschluß wurden die politischen Kräfte der Ostjuden gefestigt und gesteigert. Das Gefühl der Stärke beherrschte die Ostjuden immer mehr und das Bewußtsein ihrer entrechteten Stellung innerhalb der Kultusgemeinde gab ihnen, im Verfolg ihrer Ziele, die nötige Stoßkraft. Es ist bekannt, daß die jüdischen Gemeinden in Deutschland den Ostjuden durchaus nicht gewogen waren. Man hörte nur zu oft die Anklagen der Einheimischen gegen die Ausländer und befürchtete durch die Aufnahme der Fremden eine Untergrabung des eigenen Ansehens. Die Erfahrung lehrte aber, da die Ostjuden nicht das waren, was diie Antisemiten aus ihnen machten. Man erkannte mit der Zeit ihre Werte und ihre Fälligkeiten. Nach jahrelangem Kampf und zäher Arbeit ist es schließlich dem „Gesamtausschuß der Ostjuden“ gelungen die Anerkennung der Mitgliederrechte der Ostjuden in der Israelitischen Kultusgemeinde in München zu erringen. Die Ostjuden haben es durchgesetzt, daß zwei ostjüdischen Delegierten in der Gemeindevertretung Sitz und Stimme eingeräumt wurden. Leider finden sich in den Gemeindestatuten noch Formulierungen, die eine Wahl von Ostjuden in den Gemeindevorstand unmöglich machen. Künftigen, politischen Auseinandersetzungen wird' es Vorbehalten bleiben auch noch diesen undemokratischen und unsozialen Passus zu eliminieren und die unterschiedslose Behandlung aller Juden, gleich welchen Heimatlandes, durchzusetzen, um auch damit das einheitliche Verbundensein des Gesamtjudentums zu dokumentieren. Die zionistische Fraktion hat sich stets mit Eifer für die Rechte der Ostjuden eingesetzt. Es muß konstatiert werden, daß die Israelitische Kultusgemeinde dem Gesamtausschuß fördernd und wohlwollend gegenübersteht. Für Wohltätigkeitszwecke werden laufend größere Beträge zur Verfügung gestellt; auch zum Bau der neuen Synagoge hat die Kultusgemeinde einen größeren Zuschuß gewährt und eine teilweise Bürgschaft übernommen. Der Bau dieser ostjüdischen Synagoge war unbedingt notwendig geworden. Der frühere Betsaal Betsaalneubau Reichenbachstraße ausgeführt durch HOCHBAU G M B H AUSFÜHRUNG VON NEUBAUTEN UMBAUTEN GESCHÄFTSHÄUSERN MÜNCHEN Müllerstraße 46 / Fernsprecher 24131

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