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Das jüdische Echo · 1931-09-04 · 36 (4.9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
36 (4.9.1931)
Date
1931-09-04
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 36 4. September 1931 18. Jahrgang Eine neue Münchener Synagoge Zur Einweihung des Betsaals Reichenbachstraße 27 Wenn am Samstag, dem 5. September, in einer Notzeit ohnegleichen die Tore einer neuen Synagoge, eines schönen und würdigen Gotteshauses sich öffnen für viele unter uns, denen es bisher versagt war, ihren Gottesdienst in einer angemessenen Umgebung abzuhalten, so darf dieses Ereignis mit besonders herzlicher Freude begrüßt werden — ist es doch Ausdruck eines jüdischen Lebenswillens und einer jüdischen Lebenskraft, die selbst unter widrigsten Verhältnissen sich die Bedingungen schafft, die das jüdische Leben braucht um voll und ganz zu sein und die allein ein Aufblühen und Gedeihen gewährleisten. Daß dieses neue Haus nicht von der Israelitischen Kultusgemeinde München — obwohl mit ihrer tatkräftigen Hilfe — sondern von 2 Vereinen gebaut wurde, die trotz großer Autorität in ihrem Kreise nicht die Möglichkeit zwangsmäßiger Einhebung von Geldern haben, daß es also seine Entstehung zum größten Teil freiwilligen Beiträgen verdankt, muß mit restloser Bewunderung erfüllen und es muß gleicherweise höchste Bewunderung erregen, zu sehen und zu hören, mit welch innerem Anteil und mit welcher Liebe alle Angehörigen der ostjüdischen Gemeinschaft das Planen, Werden und Wachsen, die Fertigstellung und die Ausschmükkung des neuen Hauses verfolgt haben. Diese Synagoge wird nicht leer stehen, in ihr werden die Beter wirklich zu Hause sein, am Werktag wie am Sabbath und am Feiertag und in ihr, so darf man hoffen, wird auch eine neue Jugend heranwachsen, die durch sie in einer fremden, gehässigen und selbst da dem Judentum abträglichen Umwelt, wo sie ihm nicht direkt feindlich gegenübersteht, stärker an jüdische Religion, an jüdische Lehre und Sitte, an jüdisches Leben schlechthin gebunden und geknüpft wird. Die neue Synagoge ist Ausdruck auch neuer Tatsachen im Gesamtbild der Israelitischen Kultusgemeinde München. Sie tritt würdig den hier bereits vorhandenen jüdischen Gotteshäusern an die Seite und sie ist damit ein Sinnbild der endgültigen Anerkennung der Gleichberechtigung unserer ostjüdischen Brüder und ihrer aktiven Mitwirkung an der Ausgestaltung und Pflege des jüdischen Lebens innerhalb der Kultusgemeinde. So seien die Erbauer der neuen Synagoge, die Synagogenvereine Linath-Hazedek und Agudath-Achim von ganzem Herzen beglückwünscht und ihr Werk begrüßt als ein Zeichen jüdischer Lebenskraft in schwerster Zeit, als ein Zeichen des jüdischen Willens zur jüdischen Zukunft und als ein Zeichen des Fortschritts der ganzen jüdischen Gemeinde in München. Wir und unsere Synagoge Vom Münchener Ostjudentum In diesen Tagen wird die neue Synagoge der Ostjuden in München elingeweiht und dieses freudige Ereignis gibt uns Veranlassung über Wesen und Werden der hiesigen ostjüdischen Gemeinde einige Erwägungen anzustellen. Die meisten Ostjuden Münchens sind etwa um das Jahr vor 1900 bis 1910 ausgewandert. Not und Elend hatten sie aus ihrem! Mutterlande vertrieben und sie gezwungen in westlichen Ländern eine neue Heimat zu suchen. Der Osten war stets das Reservoir des Judentums gewesen und hatte, durch die aus ihm erfolgten Wanderungen zur Erhaltung und Festigung jüdischer Überlieferungen beigetragen. Auch die Ostjuden Münchens brachten das alte Erbteil, die jüdische Tradition. Das Zusammengehörigkeitsgefühl dieser Juden verband sie auch in dem. neuen Milieu zu einer geschlossenen Gruppe. Ihr Judentum war ein Kampf um die Erhaltung der volkshaften Einheit und ein Ringen mit Gott. Weniger war es die Abneigung der einheimischen Juden, als vielmehr das Verlangen nach eigenen, wesensgleichen Formen des Zusammenlebens, das die Ostjuden beherrschte und sie von der bodenständigen Religionsgemeinde absonderte. So gründeten sie im Laufe der Zeit mehrere Betvereine wie „Liinath Hazedek“ (Griindungsjahr 1895), „Agudas Achim“, „Schomre Schabboth“, „Beth Jakob“ vormals „Yenidze“, „Machsike Hadath“, die sich vor kurzem zu einem Synagogenverband zusammengeschlossen haben. Zur Pflege der Wohltätigkeit entstanden die Vereine „Dorsche tow“, „Bikur Choulim“, „Jiid. Frauemvereiin“ usw., die fromme Erziehung der Jugend übernahm die „Talmud-Thora“-Schule. Erinnert se'i außerdem an die verschiedenen Kulturvereine wie „Bne Jehuda“, „Arbeitsgemeinschaft“, „Perez“, „Kedem“ usw. Das Eigenartige an der ostjüdischen Bewegung in München war der Umstand, daß das jüdische Bewußtsein sich nicht mit rein religiösen Handlungen begnügte, sondern darüber hinaus ein Sich-aus-Leben innenhalb des kleinen, geschlossenen, ostjüdischen Kreises erstrebte. Die ostjüdische „Gaß“ war in allen lebendig und das verband die Ostjuden zu einer kulturell eindeutig bestimmten Gesellschaftsschicht. Aus diesem Gemeinschaftsleben heraus entstand eine wichtige Organisation, der „Gesamtausschuß der Ostjuden“. Dieser Verband regelt, kurz gesagt, alles. Mit den verschiedensten Anliegen wird er aufgesucht. Auf zwei Gebieten hat er besonders fruchtbar gewirkt, im Unterstützungs¬ und Schiedsgerichtswesen. Viele Arme und Kranke

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