Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 30 (24.7.1931)
- Date
- 1931-07-24
- Page
- Seite 427 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 427 Dr. Soloweitschik erklärt für die Radikalen, daß die Wahl dieser Exekutive den ersten Schritt zur Überwindung des seit Jahren bekämpften Systems darstelle. Seine Fraktion werde sie nach ihren Taten, besonders nach ihrer Haltung in den politischen Fragen, beurteilen. Seine Partei werde auch dieser Exekutive ihre Unterstützung nicht versagen, wenn sie den Zionismus in dem Sinne vertreten werde, der dem Geist der Majorität des Kongresses entspricht. Blumenfeld erklärt für die Gruppe A der Allgemeinen Zionisten, daß es bedauerlich sei, daß keine klare Entscheidung in grundsätzlichen politischen Fragen auf dem Kongreß herbeigeführt wurde. Die Gruppe versichere Dr. Weizmann ihres unerschütterlichen Vertrauens. Die neue Exekutive sei eine für einheitliche Arbeit ungeeignete Konstruktion, für deren Tätigkeit sie keine Verantwortung übernehme. Sie stimme aber für ihr Programm, da dieses in wesentlichen Punkten ihren Forderungen entspreche. Blumenfeld spricht den scheidenden Mitgliedern der Exekutive, Miß Szold, Colonel Kisch, Felix Rosenblüth, Arthur Ruppin, Kaplansky und Sprinzak den Dank für ihre Arbeit aus. Dr. R u f e i s e n will eine Erklärung für den Permanenz-Ausschuß über den Kongreßbeschluß hinsichtlich der Zusammensetzung der Palästina- Ämter abgeben. Stricker protestiert gegen den Versuch, einen Kongreßbeschluß durch das AC. ändern zu lassen. Infolge dauernder Obstruktion der Revisionisten wird die Sitzung unterbrochen. Nach ihrer Wiederaufnahme stellt das Kongreß- Präsidium fest, daß der Antrag keine Änderung des diesbezüglichen Kongreß-Beschlusses beabsichtige, sondern durch ihn das AC. beauftragt wird, Wege zu suchen, um im Rahmen des Kongreß-Beschlusses den Chaluz-Organisationen eine angemessene Vertretung zu schaffen. Bei der Abstimmung wird dieser Antrag angenommen, sowie ein Antrag auf Unterstützung aller Aktionen gegen die Kalenderreform. Auf Antrag Schmorak erklärt der Kongreß, daß er durch seinen Beschluß in der Universitätsfrage die Lehrfreiheit in keiner Weise einschränken wollte. Der Präsident der Zionistischen Organisation, Na hum Sokolow, verliest folgende Erklärung: „Namens der Exekutive gebe ich folgende Erklärung über die auf Grund der Beschlüsse des Kongresses von der Exekutive in Aussicht genommenen Richtlinien für das Programm ihrer Arbeit: 1. Fortführung des praktischen Aufbauwerkes in Palästina unter allen politischen Umständen durch Förderung einer ununterbrochenen Einwanderung und Kolonisation. 2. Systematische Anstrengung zur Verstärkung der nationalen Fonds und Vorbereitung neuer finanzieller Aktionen zwecks Stärkung der nationalen Kolonisation und Schaffung der Vorbedingung für die Entwicklung der Privatwirtschaft unter Wahrung des Grundsatzes organisierter indischer Arbeit. 3. Konsolidierung der bestehenden Wirtschaften, Fortführung der nationalen Arbeitersiedlung und aktive Maßnahmen zur Heranziehung des Mittelstandes in landwirtschaftlicher Kolonisation und Industrie. ,4. Anerkennung der Gleichberechtigung aller sozialen Formen der Kolonisation unter der Voraussetzung ihrer Wirtschaftlichkeit. 5. Energische Verteidigung der durch das Mandat dem jüdischen Volk gewährten Rechte und Kooperation mit der Mandatarmacht zwecks voller Verwirklichung des Mandates und insbesondere zwecks Unterstützung der Mandatsregierung und der Palästina-Administration im Aufbau des jüdischen Nationalheims. 6. Aktive Maßnahmen auf ökonomischem, sozialem und politischem Gebiet, um friedliche Beziehungen und die Annäherung zwischen Juden und Arabern herbeizuführen, von dem Grundsatz ausgehend, daß ohne Rücksicht auf die numerische Stärke keines der beiden Völker das herrschende, keines das beherrschte sein soll.“ Präsident Sokolow dankt dem Kongreß für das Vertrauen. Sie wissen alle, daß ich den Posten des Präsidenten in einer in jeder Hinsicht sehr schweren Zeit übernehme. Ich hielt es für meine Pflicht, dies zu tun. Ich halte es auch für meine Herzenspflicht, dem bisherigen Präsidenten der Zionistischen Organisation, meinem langjährigen Freunde Dr. Weizmann, einen Gruß zu übermitteln. (Langanhaltender Beifall. Der Saal erhebt sich.) Ich wünsche allen, daß der Geist der Wachsamkeit und Begeisterung in diesen vielen Tagen und Nächten auch die praktische Arbeit erfüllen wird, die wir jeder zu leisten haben werden, und daß wir beim nächsten Kongreß Ihnen Rechenschaft über die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in Erez Israel, die Erweiterung des Bodenbesitzes und die stärkere Verbreitung der liebräischen Sprache werden ablegen'können. Rabbiner Dr. Nurok dankt dem Präsidenten Motzkin, dem der Kongreß eine stürmische Ovation bereitet, für die Führung der Verhandlungen. Präsident Motzkin wendet sich mit Dankesworten an die Schweizerische Bundesregierung, insbesondere an Regierungspräsident Im H‘of, an den Vertreter des Völkerbundes, des Jüdischen Gemeindebundes, der Schweizer Zionistischen Organisation. Er dankt ferner den Leitern des Kongreßbüros, Dr. Kahn und Dr. Ullmann und dem Redakteur der Kongreß-Zeitung, sowie den Ordnern, insbesondere der Basler Studentenvereinigung Jordania. Er appelliert an den Kongreß, die Kräfte der Bewegung nicht für den inneren Kampf, sondern für den Kampf gegen unsere Feinde in der jüdischen und internationalen Welt zu verwenden. Nach einem Dank an seinen Sekretär, Dr. Berlitz, und an die Presse schließt Präsident Motzkin den Kongreß. Delegierte und Gäste stimmen die Hatikwah an. Die Tagung der flgency Über den Beginn der Eröffnungssitzung hatten wir bereits in der letzten Nummer berichtet; noch in ihr hielt Prof. Dr. S. Brodetzky ein Referat über „Die politische Entwicklung in den letzten zwei Jahren“. In der 2. Sitzung, Mittwoch, 15. Juli, vorm., erstattete Dr. Arthur Ruppin einen Bericht über die Arbeit in Palästina in den Jahren 1929—31; nach ihm referierte Dr. Werner Senator über die Finanzlage. Der Debatte über die Referate war die 5. Sitzung am Nachmittag gewidmet. Eine Ansprache Weizmanns wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. In der 4. Sitzung, Donnerstag vorm., wurde die Debatte fortgesetzt.