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Das jüdische Echo · 1931-07-03 · 27 (3.7.1931) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
27 (3.7.1931)
Date
1931-07-03
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 27 3. Juli 1931 r 18. Jahrgang Die Eröffnung des XVII. Zionistenkongresses Die Dauer des Kongresses auf eine Woche beschränkt Basel, 1. Juli. (JTA.) Am Dienstag, dem 31. Juni, abends, wurde im Messehaus zu Basel der XVII. Zionistenkongreß feierlich eröffnet. Der Saal ist von den Delegierten voll besetzt, dagegen zeigen die für die Gäste reservierten Galerien Lücken, was von den Anwesenden als ein Zeichen der schweren wirtschaftlichen Lage der jüdischen Bevölkerungsteile überall.in der Welt angesehen wird. Zahlreiche Zionisten, die den früheren Kongressen beizuwohnen pflegten, haben diesmal die hohen Reisekosten und die Kosten des Aufenthaltes in Basel nicht mehr aufzubringen vermocht. Die Estrade des Sitzungssaales ist mit den zionistischen Farben und Emblemen reich geschmückt. Im Mittelpunkt ist ein großes Porträt Theodor Herzls angebracht. Lange vor Eröffnung des Kongresses bietet das Messehaus ein sehr bewegtes Bild. Delegierte und Gäste unterhalten sich eifrig miteinander über die augenblickliche Lage. Sensationell wirkt der Beschluß des Zionistischen Aktions-Comitees, das am 29. Juni in Basel getagt hat, wonach die Dauer des Kongresses auf eine Woche beschränkt wird. Den Antrag auf Abkürzung der Kongreßdauer brachte Richard Lichtheim im Namen der Revisionisten ein. Er begründete den Antrag damit, daß es für das Ansehen des Kongresses und seine Arbeit von Nutzen sei, wenn die Verhandlungen gestrafft werden, wenn weniger Zeit auf Referate und Diskussionen und mehr auf konzentrierte Arbeit verwandt werde. Die revidierte Tagesordnung lautet nunmehr wie folgt: Dienstag abend Eröffnungssitzung mit Ansprachen von Nahum Sokolow und Dr. Arthur Ruppin; Mittwoch Referat von Dr. Weizmann und Berichte anderer Mitglieder der Leitung; Donnerstag und Freitag Hauptaussprache; Sonntag und Montag Kommissionssitzungen; Dienstag Abstimmung; über die Resolutionen und Wahlen. Zum erstenmal in der Geschichte der Kongresse ist die Kongreßdauer so kurz bemessen. In den Kreisen der Delegierten und Gäste lassen sich freilich Zweifel hören, ob es wirklich möglich sein wird, am Dienstag, dem 7. Juli, den Kongreß zu zu schließen. In der erwähnten Sitzung des A.C. umriß Prof. Brodetsky in einstündiger Rede die gegenwärtige politische Situation des Zionismus unter besonderer Betonung der Beziehungen zwischen Zionistischer Organisation und britischem Kolonialamt. Dr. Weizmann wohnte der A.C.-Sitzung nicht bei. Unmittelbar vor Eröffnung des Kongresses erscheint der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, an der Spitze der Executive und wird von Delegierten und Gästen mit starkem Applaus empfangen. Es macht Eindruck, daß Dr. Weizmann, der eben erst eine zweite Halsoperation überstanden hat und gesundheitlich noch angegriffen ist, es sich nicht hat nehmen lassen, schon der ersten Kongreßsitzung beizuwohnen. Der Vorsitzende des Aktions-Comitees, Leo Motzkin, eröffnet den Kongreß mit den traditionellen Hammerschlägen und einer kurzen Ansprache, in der er auf die Bedeutung des Augenblicks hinweist und den Wunsch nach ertragreicher Arbeit ausspricht, Hierauf erteilt er das Wort dem Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow. Im Saal herrscht eine Stimmung feierlichen Ernstes. Atemlos lauschen Delegierte und Gäste der Rede Sokolows, der auf den schicksalsschweren Augenblick hinweist, das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina energisch und stolz betont, der Friedensliebe der Juden Ausdruck gibt, auf die gemeinsame jüdisch-arabische Aufgabe und auf die zivilisatorische Mission des jüdischen Volkes im Orient hinweist. Der Kongreß zollt den Ausführungen Sokolows warmen Beifall. Auf die Rede Sokolows folgt eine Begrüßungsansprache des greisen Regierungsrates Imhof, der im Namen der schweizerischen Bundesregierung und des Bundespräsidenten den Kongreß herzlich willkommen heißt. Er erinnert daran, daß er schon dem ersten Kongreß in Basel im Jahre 1897 beigewohnt habe. In bewegten Worten zeichnet der greise Staatsmann ein Bild des Schöpfers des Kongresses, Dr. Theodor Herzl, dessen Gabe, auf einzelne Menschen wie auf Massen zu wirken, groß gewesen ist. Die Rede Imhofs macht tiefen Eindruck und wird durch herzlichen Beifall quittiert; dies umsomehr, als von gewisser Seite Nachrichten in die Presse lanziert worden waren, daß die schweizerische Bundesregierung beschlossen habe, den XVII. Zionistenkongreß nicht zu begrüßen (auch deutsche Tageszeitungen haben diese Falschmeldung reproduziert). Es folgen eine Ansprache des englischen Botschafters in der Schweiz, Herrn Howard Kennard, Begrüßungsworte der Vertreter der Basler Jüdischen Gemeinde und des jüdischen Gemeindebundes der Schweiz und andere im Programm vorgesehene Begrüßungen. In den Logen wohnen zahlreiche repräsentative Gäste, hohe Diplomaten, unter ihnen der italienische Botschafter, der polnische Generalkonsul in New York, Marchlewski, der den Kongreßverhandlungen als offizieller Beobachter der polnischen Regierung beiwohnen wird, und der tschechoslowakische Gesandte der Eröffnungssitzung bei. Auch die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency, Professor Morris, B. Hexter und Dr. Werner Senator sind in einer Loge zu sehen. Der Völkerbund ist auf dem XVII. Zionistenkongreß offiziell durch zwei Beobachter vertreten, und zwar durch den Chef der Informationsabteilung, P. Commerth und den Direktor im Arbeitsamt, W. C. Weaver. Seitens des Völkerbundssekretariats ist dem Büro des Zioinstenkongresses mitgeteilt worden, daß diese beiden Herren beauftragt sind, die von ihnen vertretenen Instanzen über den Verlauf der Kongreßverhandlungen zu informieren. Der

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