Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 26 (26.6.1931)
- Date
- 1931-06-26
- Page
- Seite 382 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9072829-9103087-9178609--11802-9083873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ha* Jüdische Echo Nr. 26 38 zeigte, daß das bei den meisten Abendmusiken durch die Romantik etwas in den Hintergrund gedrängte heitere Element sich besonders gut für derartige Gelegenheiten eignet. Eingeleitet durch eine Serenade für zwei kleine Orchester und Pauken von W. A. Mozart, setzte sich das Programm in drei Wiener Tänzen Beethovenscher Herkunft und sechs ländlerischen Tänzen fort, hinter deren urwüchsiger Derbheit man alles eher denn Mozart gesucht hätte. Daß uns auch jedoch diese Art Musik vertraut ist, erwies sich durch die Ausführung, die ganz das war, was sie sein sollte: G’schert. Die Krönung des Ganzen bildete die Bauernkantate von J. S. Bach, wohl das fröhlichste Werk des Thomaskantors, dem insbesondere Frau Ziegler zum verdienten Erfolg verhalf, was um so bemerkenswerter ist, als sie fast wörtlich in letzter Minute einspringen mußte. Ihr heller Sopran und der überaus weiche Baß von Herrn Max Löwenstein fanden eine diskrete Untermalung durch das Orchester, das für den wohlgelungenen Abend volle Anerkennung verdient. Gedankt sei ferner vor allem Herrn Lamm, der trotz vieler technischer Schwierigkeiten seine Musiker sicher über alle organisations- und musiktechnischen Klippen hinwegbrachte. Fritz Harburger, stud. med. Jüdischer Jugendverein München Am Donnerstag, dem 18. Juni, sprach Herr Hugo D r o 11 e r im Jüdischen Jugendverein über „Reiseeindrücke in Palästina“. Wenn heute ein junger Mensch seine Reiseeindrücke über Palästina erzählt, so kann er wohl nicht viel Neues sagen, er muß daher versuchen, das Bild, das er persönlich vom Lande gewonnen hat, so subjektiv, wie es immer sein mag, zu übermitteln. Dies ist Herrn Droller sehr gut gelungen. Er zeigte zuerst die das ganze dortige Leben bestimmende Tatsache der lebendigen hebräischen Sprache. Dann erzählte er vom Lande selbst. Vor unseren Augen erstand die Schönheit Haifas mit dem modernen jüdischen Stadtteil oben auf dem Hadar Hakarmel. Jaffa hat noch heute durch seine Geschäfte ein stark jüdisches Gepräge, doch wohnen deren Besitzer meistens in der größten jüdischen Siedlung des Landes Tel-Awiw, das am meisten durch seine Sauberkeit und die Menge wohlgepflegter, hübscher Kinder auffällt. Es ist der Mittelpunkt des neuen Jischuv. Die interessanteste und zugleich die schwierigste Stadt ist immer noch Jerusalem, das dem Redner durch die Spannung zwischen Juden und Arabern auffiel. Die älteren Kolonien sind fast alle zu Kleinstädten geworden, die jungen Menschen begreiflicherweise weniger gefallen, zumal da sie viele arabische Arbeiter beschäftigen. Einen sehr starken Eindruck machten dagegen Herrn Droller die Kwuzoth des Emek, von denen er die deutsche Kwuzah Brenner genauer beschrieb. Sehr begeistert äußerte er sich über die fortschrittliche und gebildete Arbeiterschaft und schloß nach einem kurzen politischen Überblick mit den Worten Hordons: „Die Erlösung des Volkes geschieht durch die Erlösung des einzelnen, die des einzelnen durch Arbeit“. Herr Droller fand für seinen ausgezeichneten Vortrag herzlichen Beifall der zahlreichen Zuhörerschaft. P. S. Jüdischer Klub „Kedem“. Sonntag, den 28. Juni, Tagestour: Kirchseon^Steinsee. Treffpunkt: Ostbahnhof, eine Viertel Stunde vor Zugabgang (7.40). Sionntagskarte R'M1. 1.30. Badezeug, Spielbälle mitbringen. Gäste herzlich willkommen. Bei schlechtem Wetter Teeabend im Lessingsaal, um halb 9 Uhr. Wochenprogramm der V. J. St. Jordania Samstag, den 27. Juni, 14 Uhr ct., Treffpunkt Hofgartentor. Sonntag, den 28. Juni und Montag, den 29. Juni.. Ausflug. Dienstag, den 30. Juni, Gemütliches Zusammensein mit der Studentinnengruppe. Donnerstag, den 2. Juli, 20.30 Uhr s. t., Burschenkurs off. Samstag, den 4. Juli, 14 Uhr^ct., Treffpunkt Hofgartentor. Anschließend Fuchsenkurs off. Gesamtausschuß der Ostjuden. Der Verein Bikur Choulim gratuliert seinem Vorstandsmitglied, Herrn Max Fleischer, zum 60. Geburtstage, (unlieb verspätet) RM. 2.—. I. Rosenwasser und Frau gratulieren herzlichst M. Diamand und Frau zur Vermählung ihrer Tochter. RM. 2.—. Verein Bes Jakob gratuliert seinem langjährigen Mitglied, Herrn Koroncic und Frau zur Barmizwah seines Enkels. Unliebsam verspätet. RM. 2.—. Familie Gidalewitsch gratuliert M. Diamand und Frau zur Vermählung ihrer Tochter, Max Fleischer zum 60. Geburtstag, H. Koroncic zur Barmizwah seines Enkels und Familie Schapira zur Verlobung ihrer Tochter. RM. 2.—. M. Schumer und Frau gratulieren M. Diamand und Frau zur Vermählung ihrer Tochter, Max Fleischer zum 60. Geburtstag, H. Koroncic zur Barmizwah seines Enkels. RM. 1.—. Zionistische Ortsgruppe, Nürnberg-Fürth Die letzte Veranstaltung unserer Ortsgruppe vor der Sommerpause war in erster Linie der Vorführung eines Films gewidmet, den Herr Dr. Kurt D ankwerth gelegentlich der von ihm und seiner Frau im Frühjahr d. J. unternommenen Palästinareise selbst gedreht hat. Die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste verfolgten mit .größter Anteilnahme die ganz ausgezeichnet gelungenen Aufnahmen, die in ihrer Lebendigkeit und Ursprünglichkeit sehr vorteilhaft von den bisher gezeigten „offiziellen“ Palästinafilmen abstachen. Fs wäre sehr zu wünschen, daß der schöne, mit großen Opfern aufgenommene Film weitesten Kreisein zugänglich gemacht werden könnte. Ungewöhnlich starker Beifall dankte Herrn Dr. Dankwerth für die Mühe, der er sich durch die Herstellung des Films unterzogen hatte. Ein glücklicher Zufall fügte es, daß die Vorführung des Films von einer musikalischen Darbietung umrahmt werden konnte, über die nachstehend von berufener Seite berichtet wird: Vortrag hebräischer und jiddischer Gesänge. Im großen Maxfeldsaal zeigte Herr Dr. Amira aus Tel-Awiw, früher Zahnarzt, aber wegen Schwächung der Sehkraft von diesem Beruf abgedrängt, was man als seif made man, ohne eine eigentliche Singstimme, aber mit musikalischer und kompositorischer Begabung leisten kann, wenn man in den Geist der Sache eingedrungen ist und die widerspenstigen Elemente seinem starken Willen und einer hochentwickelten Intelligenz unter Hinzufügung einer kräftigen Dosis Mutterwitz unterwerfen kann. Die besonders, durch eine ehrwürdigpatriarchalische Erscheinung unterstützte Fähigkeit, sich rasch mit den Zuhörern in Rapport zu setzen, ließ die von der Natur versagte schöne Sinnlichkeit der stimmlichen Gaben nach anfänglicher Reserviertheit so sehr vergessen, daß man, zumal im zweiten Teile, den prachtvollen Humor auf sich wirken ließ, ohne noch viel an die erwarteten stimmlichen Reize zu denken. Nicht nur