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Das jüdische Echo · 1931-05-29 · 22 (29.5.1931) · p. Seite 328

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
22 (29.5.1931)
Date
1931-05-29
Page
Seite 328 (sequence 8)
Language
German
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328 Das Jüdische Echo Nr. 22 klagte hat die Tatsache behauptet, daß Rathenau Verrat geübt hat. Zu dieser Auffassung ist er, wie er unwiderlegt zugibt, gekommen, durch das Kapitel „Walther Rathenau4 in Alfred Rosenbergs Buch ,30 Novemberköpfe4. Es konnte nicht festgestellt werden, daß er seine Behauptung wider besseres Wissen aufgestellt hat. Eine Verleumdung liegt somit nicht vor. Soweit Beschimpfung in Frage kommt, konnte die Behauptung des Angeklagten nicht widerlegt werden, daß er nur die vorministerielle, nicht aber auch die ministerielle Tätigkeit Rathenaus als Verrat bezeichnet habe.44 Schwere antisemitische Ausschreitungen der Nationalsozialisten in Danzig Danzig, 19. Mai. (JTA.) Am Sonntag, dem 17. Mai, wurden in den Danziger Straßen jüdische Passanten von Nationalsozialisten überfallen und zum Teil blutig geschlagen. Die jüdischen Kaufleute Markowski, Bloch und Fränkel wurden leicht verletzt, der Schustermeister Tennenzweig aber wurde so zugerichtet, daß man ihn ins Hospital transportieren mußte. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht über diese Überfälle große Aufregung. Die Danziger Polizei hat eine Untersuchung zur Ermittlung der Täter eingeleitet. An dem gleichen Sonntag, den 17. Mai, wurde eine Gruppe junger Danziger Zionisten, die einen Seeausflug nach Nickleswalde unternommen hatte, bei der Rückkehr um 9.30 Uhr abends an der Landungsstelle Milchkanne durch Hitlerleute, die in drei Lastautos herangekommen waren, überfallen und mit Stöcken schwer mißhandelt. Etwa 40 Personen wurden verletzt. Einige der Verletzten mußten in das Hospital überführt werden. Feierliche Grundsteinlegung zum Bau des jüdischen Kinderhauses in Kowno K o w n o, 19. Mai. (JTA.) Am Sonntag, dem 17. Mai, wurde in Kowno an einem der naturschönen hochgelegenen Punkte der Stadt der Grundstein für das neue Kinderhaus gelegt, welches der Hilfsverein der Deutschen Juden mit Hilfe von Joint und anderen Organisationen anstelle des vor einigen Jahren abgebrannten jüdischen Waisenhauses erbauen läßt. Wüste antisemitische Exzesse an der Wiener Universität Wien, 22. Mai. (JTA.) Am 21. Mai kam es an der Wiener Universität zu wüsten Ausschreitungen der Hakenkreuzstudenten. Die nationalsozialistischen Studenten vertrieben die jüdischen Studenten aus dem Universitätsgebäude, schlugen dabei fortwährend auf sie ein, wobei mehrere jüdische Studenten erheblich verwundet und auf den Polizeirettungsstationen verbunden werden mußten. Die Polizei entschoß sich erst dann zu energischem Eingreifen, als eine jüdische Studentenabordnung im Polizeipräsidium vorsprach. Die Polizei stellte nun die Ordnung her und verhaftete 12 Nazistudenten. Der Rektor der Universität erwiderte einer bei ihm erschienenen jüdischen Studentenabordnung, die ihn um Schutz der jüdischen Studenten ersuchte, er könne unmöglich hinter jeden jüdischen Studenten einen Pedell stellen. Eine jüdische Studentenabordnung begab sich daraufhin ins Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde und bat um Intervention bei der Regierung. Das Gemeindepräsidium hat sofort be; der Regierung energischen Protest dagegen eingelegt, daß Leben und Gesundheit der jüdischen Studenten im Universitätsgebäude schutzlos sind. Richard Huldschiner gestorben Innsbruck, 20. Mai. (JTA.) In Innsbruck verstarb im Alter von 61 Jahren der bekannte Arzt und Dichter Dr. Richard Huldschiner. Nach dem Kriege war er in Innsbruck und München Korrespondent der Ullstein-Blätter. Von seinen bekannteren Werken sind zu nennen der Roman „Die stille Stadt“, der Tiroler Novellenband „Arme Schlucker“, die Erzählungen „Fegefeuer“, „Starkenberg“ und „Das adlige Schützenfest“, schließlich sein Mysterienbuch „Der Tod der Götter“, historische Visionen des Völkeruntergangs, des Kulturverfalls. Sein letztes Werk war der Roman „Beatus“. Richard Huldschiner war treuer Jude und in der Zionistischen Organisation aktiv tätig. An der Vorbereitung des zionistischen Weltkongresses in Hamburg nahm er hervorragenden Anteil. Große Erfolge jüdischer Schwimmer Wien, 20. Mai. (JTA.) Letzten Sonnabend und Sonntag wurde in Wien ein internationales Schwimmfest zur Durchführung gebracht, welches ausgezeichnete Leistungen aufwies. Im 100-m- Crawl-Schwimmen kam Steiner vom Bar-Kochba Prag als zweiter nach dem Weltmeister Taris (Paris) in der Zeit 1:01,6 durchs Ziel, im 400-m-Crawl Getreuer Makkabi Prag mit 5:14 ebenfalls nach Taris. Er hält mit seiner Leistung den tschechischen Rekord. — Im 100-m-Damen-Brustsch^vimmen kam Frau Bienenfeld-Wertheimer von der Hakoah Wien in der Zeit 1:30,2 als Erste ans Ziel. Auch in Belgien werden jüdische Händler von den Märkten gewiesen Antwerpen, 20. Mai. (JTA.) In den letzten Tagen wurden auf einzelnen Vorstadtmärkten Antwerpens die jüdischen Händler von den Marktbehörden fortgewiesen, nachdem es in letzter Zeit wiederholt zu Schlägereien zwischen nichtjüdischen und jüdischen Markthändlern gekommen ist. In jüdischen Kreisen Antwerpens herrscht über das Vorgehen der Marktbehörden große Empörung. Anlaß zu den Marktstreitigkeiten gab die Vermehrung der Zahl der jüdischen Kleinhändler, die daraut zurückzuführen ist, daß infolge des Niederganges der Diamantenindustrie viele in dieser Industrie beschäftigt gewesene Juden, durch Not gezwungen, den Beruf von Straßenhändlern ergreifen mußten. In Belgien kannte man bisher keinen Antisemitismus, die Leistungen der Juden wurden auch auf wirtschaftlichem Gebiet anerkannt. Der jüdische Nationalfonds in England einkommensteuerpflichtig London, 22. Mai. (JTA.) Am Donnerstag, den 21. Mai, verwarf der Londoner Appellationsgerichtshof die Berufung der Keren Kajemeth Lejisrael Ltd. gegen das Urteil von Richter Rowlatt, durch das die Entscheidung der Einkommensteuerbehörde, daß der Keren Kajemeth unter keine der auf Befreiung von der Einkommensteuer Anspruch habenden Kategorien von Organisationen falle, bestätigt worden war. Sonach ist der Keren Kajemeth in England einkommensteuerpflichtig. Berufung gegen dieses neue Urteil wird beim Oberhaus eingelegt werden. Die antisemitische Strömung in Mexiko Mexico City, 17. Mai. (JTA.) Staatspräsident Rubio hat in Beantwortung des ihm von den Vertretern der jüdischen Bevölkerung Mexikos übersandten Memorandums erklärt, die Ausweisung der jüdischen Händler aus den von ihnen bis-

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