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Das jüdische Echo · 1931-05-22 · 21 (22.5.1931) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
21 (22.5.1931)
Date
1931-05-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 21 22. Mai 1931 18. Jahrgang Schawuoth Jüdische Festtage haben ihre sichtbaren Merkmale. Wenn das Neue Jahr einzieht, wird das Schofar geblasen. Pessach ist durch die Mazzoth- und durch die Szederteier ausgezeichnet. Und das Laubhüttenfest hat außer dem leichten Bau, der dem Feste den Namen verliehen hat, die lieblichen Feststräuße, deren vier bestimmte Arten symbolisch die Bedeutung des Festes vor Augen führen. Selbst das Halbfest Chanukah hat in dem täglich heller aufstrahlenden achtarmigen Leuchter ein in die Augen fallendes Festzeichen. Um so me-rkwürdiger erscheint es, daß das schöne Fest, das den Beginn des Sommers einleitet, ohne alle Symbole und symbolischen Handlungen gefeiert wird. Schawuoth, das Wochenfest, würde sich ärmlich neben den anderen Feiertagen ausnehmen, wenn nicht schon die schöne Jahreszeit allein dazu beitragen würde, dem Feiertage erhöhten Glanz zu verleihen. Das ist um so wichtiger, als das Wochenfest hmter keinem der jüdischen anderen Feste an innerem Gehalt Zurückbleiben muß. Man könnte es in einem gewissen Sinne als eine organische Fortsetzung des Pessachfestes ansehen. Und in der Tat wird es in der heiligen Schrift ’Azerzeth, d. h. Schlußfest, genannt, weil es am Ende von sieben mal sieben Tagen einen Abschluß der Pessachperiode bedeutet. Auch die Zählung dieser Omer-Tage, die Szefira, schließt Pessach und Schawuoth zu einem unzerreißbaren Ganzen zusammen. Jeder Tag wird unter Segenssprüchen begrüßt und laut gezählt. Denn im alten Heimatlande war es die schönste Zeit, wenn die erste Ernte in fast noch blühendem Frühling heranreifte, und wenn das ganze Land in einer Schönheit prangte, von der man sich keinen Begriff machen kann, wenn man es nicht in der Frühlings- und Frühsommerzeit selbst erlebt hat. Der jüdische Bauer schritt zwischen seinen Erstlingsgarben, den Bikkurim, einher und pries sich glücklich, in einem Lande zu leben, das von Milch und Honig floß, wie der Volkmund sich ausdrückte. Es war die Zeit des größten Frohsinnes im Jahr, und das ganze Land atmete lebendige Freude. Erst als in der Zeit des Rabbi Akiba und des Bar- Kochba die jüdischen Heldenkämpfer der römischen Übermacht allmählich unterlagen, als in den ersten 32 Tagen nach Pessach allein 42 000 Schlier des Rabbi Akiba ihr Leben ließen, da wurde diese Zeit, die früher die fröhlichste gewesen war, durch einen Schleier von Trauer umdiistert. Als am 32. Tage im ’Omer (Lag-b-’Omer) dieses Sterben aufhörte, als in Miron sich der Siegesmut der Bar-Kochba-Jünger in lebendiger Kraft zeigte, da wurde dieser Lag-b-’Omer zum Freudentage. Und wenigstens der letzte Teil der ’Omer-Zeit behielt noch ein Jahrtausend lang ihren fröhlichen Charakter. Dann aber wurde auch diese durch nationale Trauer verstört. Die blühenden Gemeinden am Rhein und am Main versanken in Feuersglut und Blutströmen, die von den glaubenseifrigen ersten Kreuzfahrern ausgingen. Nur das Schawuothfest selbst sollte der Tag ungetrübter Freude auch in den folgenden Tagen bleiben. Denn die biblischen Feiertage und der Sabbat sollen nach jüdischem Gesetz und Brauch niemals etwas von Trauer zeigen. Schawuoth ist in seinem inneren Gehalt den anderen Festen durchaus gleichwertig. Seine Bedeutung hängt mit der Grundlage alles Judentums zusammen. Denn es ist das Fest der jüdischen Eigenart. Wenn Pessach uns die nationale Befreiung aus dem ägyptischen Joche gebracht hat, so doch vorerst nur als die rein körperliche Befreiung aus der Knechtschaft eines unterdrückenden Volkes. Es gab ihm die Möglichkeit, zu politischer Freiheit auszuzdehen. Die wollen wir nicht zu gering einschätzen. Denn letzten Endes ist sie die Grundlage auch für jede geistige Eigenentwicklung. Aber erst durch diese wird das Werk politischer Befreiung wirklich wertvoll. Und frei ist kein Volk, das sich zwar von den körperlichen Fesseln freigemacht hat, aber in den Vorstellungen und Gedanken des anderen Stammes befangen bleibt, die nicht aus seinem eigenen Seelenleben hervorgegangen sind. Erst als die Hebräer den besonderen Weg einschlugen, der sie weitab von den Bahnen ägyptischen Denkens führte, ohne sie in die Geisteswelt anderer fremdstämmiger Nationen einmünden zu lassen, sind sie wahrhaft frei geworden. Schawuoth als das besondere Fest jüdischer Kultur hat dem jüdischen Volke die Freiheit wirklich gegeben, hat ihm aber zugleich durch diese Eigenart das ewige Leben verbürgt. Denn ein Volk, das eine Kultur geschaffen hat, das der Welt Ewigkeitswerte verliehen hat, hat durch diese Kultur für sich selbst die Gewähr unvergänglicher Dauer erworben. Wenn man die Midraschim liest, kann man manchmal auf den Gedanken kommen, daß sie ein poetisches Spiel treiben, das an sich sehr schön ist, aber doch eben nur Spielerei sein mag. Vielleicht mag der eine oder andere darüber lächeln, wenn er dort liest, daß die Welt, die Gott geschaffen hatte, nur dann Bestand haben sollte, wenn Israel die Gesetzgebung annehmen würde. Wenn man aber die orientalische blumenreiche und andeutungsvolle Art der Rede versteht, so sieht man ein, daß hiermit festgestellt werden soll, daß die Welt ein sinnloses Hinleben bleibt, wenn der Mensch nicht zu humaner Gesinnung erzogen wird. Erst durch die Schaffung der allgemein-menschlichen Moral, durch ihre Vertiefung und ihre Ausweitung bekommt das Leben in dieser Welt einen Halt, der es lebenswert macht. Der ewige Streit zwischen optimistischer und pessimistischer Weltauffassung wird vom Judentume dahin beantwortet, daß die Erfahrung die Wertlosigkeit menschlichen Daseins zeigt, weil das Leben eine Fülle von Nichtigkeit der Nichtigkeiten bedeutet, daß nun aber, wo nun einmal diese unglückliche Welt existiert, der Mensch durch die sittliche Tat das Leben lebenswert macht. Dieses sittliche Prinzip des Weltbestehens ist der Sinn der jüdischen Kultur. Trotz der Wertlosigkeit und Vergänglich-

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