Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1931-03-06 · 10 (6.3.1931) · p. Seite 157

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
10 (6.3.1931)
Date
1931-03-06
Page
Seite 157 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103087-9176163--11562-9083633
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 10 Das Jüdische Echo 157 jiddischen Lieder besser als die hebräischen, weil letztere zum allgemeinen Verständnis erst übersetzt werden mußten; doch gefiel von allen Liedern am besten ein hebräisches: „agwamah“, das Tomatenlied, es mußte wiederholt und noch viele Lieder mußten zugegeben werden. Heinrich Cohn. Schalom-Asch-Jubiläumsfeier Anläßlich des fünfzigsten Geburtstages von Schalom Asch fand am 1. März im Cherubinsaal eine Jubiläumsfeier statt. Nach einigen Liedern, die der jüdische Gesangverein unter der bewährten Leitung seines Kapellmeisters Josef Ziegler ausgezeichnet zum Vortrag brachte, hielt Herr J. Löwy eine Festrede auf den Jubilar. Wenn die Veranstaltung gleichzeitig eine Werbung für die sprachlichen Schönheiten und reichen Ausdrucksmöglichkeiten der jiddischen Sprache sein sollte, so war gerade bei der Festrede von einer solchen Absicht sehr wenig zu merken. Schalom ist weder ein Romantiker noch ein Lyriker. Seine Dramen und großen Romane sind die Werke eines Naturalisten, wenn auch gerade derri Dichter Asch keine enge Eingrenzung gerecht werden kann. Die Form der Lyrik jedenfalls ist ihm nach seinen eigenen Worten „fremd und unbegreiflich“. Wie sehr „jiddisch“ eine ausdrucksreiche Sprache von weichem harmonischem Klang ist, bewies Frau Sonja Ziegler mit einigen Liedern, für die wir ihr besonders danken. Ihr und dem Berliner Gast M. Bronstein, der durch die sprühende Lebendigkeit seiner Rezitationen das Publikum für den jüdischen Dichter Schalom Asch begeisterte, ist der Erfolg des Abends zu verdanken. Den zweiten Teil der Feier bildete die Aufführung eines mit Recht vergessenen frühen Schauspiels von Asch, das von Rührseligkeit und schlechtem Pathos geradezu trieft. Gespielt wurde ausgezeichnet und mit einer Selbstaufopferung, die dieses Stück bestimmt nicht verdient hätte. Herr Bronstein allerdings konnte diesmal aus der an sich lächerlichen Gestalt des David nicht mehr machen als einen lächerlichen Schreier. Versöhnlich echt wirkte in dem ganzen Stück nur die Geste des kleinen Jungen, der sich mit erfrischender Sachlichkeit alle ihm zugedachten Küsse von den Lippen wischt. I.G. Gesamtausschuß der Ostjuden. M. Schumer und Frau gratulieren herzlich Herrn und Frau Wiesel zur Barmizwah ihres Sohnes. 2.—. Herrn u. Frau Wiesel gratuliert zur Barmizwah ihres Sohnes Familie Rosenwasser. 2.—. Zionistische Ortsgruppe Nürnberg-Fürth Am Mittwoch, dem 18. Februar, sprach Herr Moses W a 1 d m a n n , Berlin, hier in unserer Ortsgruppe über: „J u d e n n o t, Ostjudenno t“. Ausgehend von der Not der Zeit, die die Juden aller Länder in besonders hartem Maße betreffen, führte er etwa folgendes aus: Der Untergang der Juden, der sich wesentlich vom Niedergang anderer Völker unterscheide, sei gekennzeichnet durch den Verlust der Außen-, wie auch der Innenwirtschaft. Im Westen habe man Auswege gesucht durch Eroberung neuer Berufszweige, denn nur dort war der Jude geduldet, wo er keinen Beruf ausübte, den seine christliche Umwelt noch nicht kannte. Obgleich man im Westen in einigermaßen gesicherten finanziellen Verhältnissen gelebt habe, sei die Situation im Grunde seit 150 Jahren nicht wesentlich verändert worden. Heute werde die Judenheit in der ganzen Welt zwar nicht proletarisiert, aber pauperisiert, d. h. sie werde infolge Konzentration des Handelskapitals und der kommenden Plan¬ oder gebundenen Wirtschaft, als zwischen Konsum und Produktion stehend, völlig aus dem Wirtschaftsprozeß ausgeschaltet. Die Folge davon sei eine menschlich überaus schwierige, wirtschaftlidh fast aussichtslose Situation. Der einzige Ausweg, der im Osten seit Jahrhunderten begangen wurde, die Auswanderung nach anderen Ländern, sei unmöglich, da alle Länder ihre Grenzen gegen Einwanderung sperrten, auch diejenigen, die früher hilfsbereit den Flüchtigen die Tore geöffnet hatten. Als einziges Mittel bleibe die Selbsthilfe und die dränge zur geschlossenen Siedlung. Aber Siedlungskonzentration in den Galuthländern führe zum Ghetto. Die jüdischen Ansiedlungen in der Krim und in Biro Bidschan, deren Entwicklung nach einer solch kurzen Spanne Zeit noch nicht vorausgesagt werden könne, bedeuteten lediglich eine Lösung für die russischen Juden. Uns bleibe nur ein einziger Weg, eine einzige Möglichkeit, das sei die geschlossene Siedlung in Palästina und von dort aus das Vordringen in den vorderen Orient. Auf Wunsch gab Herr Waldmann anschließend an seinen Vortrag einen aufschlußreichen Bericht über die jetzt in den letzten Tagen beendeten Verhandlungen zwischen der Jewish Agency und der englischen Regierung. Die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste folgten den Ausführungen des Redners mit außerordentlichem Interesse. Herr Rechtsanwalt Ernst Feilchenfeld leitete die Versammlung. Vom Münchener Bar-Koehba Bar-Kochba, München. Der Bar-Kochba veranstaltet alle 14 Tage Abende mit Vorträgen und geselligem Beisammensein. Der erste Abend mit dem außerordentlich interessanten Thema: „Aus der Geschichte des Bar-Kochba Münchens“ (mit Lichtbildern) von Josef Orljansky findet Montag, den 9. März, abends 8.30 Uhr, im Lessingsaal statt. Zu diesem Abend sind sämtliche Mitglieder herzlichst eingeladen. Leichtathletik und Handball. Das Training sämtlicher Aktiven findet jeden Mittwoch, abends von 8—10 Uhr, in der Halle des Sportvereins Sendling, Plinganserstraße, statt. Alle Leichtathleten und Handballer haben regelmäßig den Übungsabenden beizuwohnen, um so mehr, als in absehbarer Zeit die Leichtathletik-Saison beginnt, die uns für die schweren Kämpfe gerüstet finden muß. Zugleich bitten wir schon heute die Aktiven, für die Anschaffung des Dreß besorgt zu sein, da wir bei den Wettkämpfen unbedingt in einheitlicher Kleidung antreten müssen. Der Dreß besteht aus weißer Hose, mit blauen Bändern umrandet und aus weißem, ärmellosem Trikot mit Mögen Dovid auf der Brust. — Das für den vorigen Sonntag vereinbarte Handballspiel gegen Post-Res. mußte ausfallen, da vom Stadtverband für Leibesübungen die Sportplätze infolge der schlechten Platzverhältnisse gesperrt waren. Fußball. Veranlaßt durch viele Interessenten, auch innerhalb des Bar-Kochba, der Fußball spielenden jüdischen Jugend Gelegenheit zur Ausübung dieses beliebten und populären Sportzweiges zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.