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Das jüdische Echo · 1931-02-27 · 9 (27.2.1931) · p. Seite 139

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
9 (27.2.1931)
Date
1931-02-27
Page
Seite 139 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 139 Und so geschahs. Der wackere Mann trat seine Übersiedlung an und kam, des schlechten Reimes wegen, nach, sagen wir einmal: Norwegen. Obwohl Norwegen ziemlich kühl, nahm er dort ständig Domizil, und war — ich sag es ohne Zögern — ein Syrer unter den Norwegern. Er lebte dort gerecht und froh, sprach ein Norwegisch von Niveau, er zahlte Steuern, durfte wählen und überhaupt zum Volk sich zählen — halt! dieses isls, was ihn beirrt, und ihm zur Katastrophe wird: Volkszählung gab es in Norwegen! Da täl der Syrer überlegen: „Ich bin ein Syrer. Das steht fest. Auch, daß es mich der Staat sein läßt. Er hat mich nie zu sich beordert und nie als Wiking angefordert. Nein. Ich gehör seit immer schon, doch nur zur syrischen Nation; man überläßt es meinem Willen, die Teilrubrik so auszufüllen. Wer glaubt, daß das nun einfach wär, der irrt sich aber. Irrt sich sehr! Bin ich (so dachte er empirisch) auch außerhalb von Syrien syrisch? Slehts in der Tschechoslowakei zum Beispiel nicht den Juden frei, daß sie sich amtlich Juden nennen und Nationalität bekennen? Und doch sagt kühn (beinahe frech), so mancher Jud dort: ,,Jä jsem Cech!“ und tut, als hätten seine Ahnen gefochten unter Zizkas Fahnen. Auch andre Juden gibts, zuhauf, die spielen sich als Deutsche auf. Von welchem Zwingherrn, welchem Ritter, stammt ab solch frumber Israeliter? Wie dem auch sei — ich bin nervös, seitdem ich in der Zeitung les, daß Juden, wenn sie noch so kohnisch, teils slawisch fühlen, teils teutonisch.“ Des Syrers Nationalität, hat solchermaßen sich verdreht . . . Er schrieb zum Schluß, servil — strategisch, in die Rubrik „Nation“: „norwegisch“. Als dieses ruchbar ward, entstand ein Lächeln ringsumher im Land, denn komisch muß der Wechsel wirken zum Skandinavier vom Türken. Der Syrer aber fand das nicht. Entdeckerfreude im Gesicht, sprach er: „Ich bin der Bannerträger des Volks der syrische n N o r w e g e r!“ F r i k a. Lieber nicht! Hitler erklärte einem Interviewer, daß er persönlich gar nichts gegen die Juden habe; es sei heute unmöglich, Antisemit zu sein, weil die Deutschen bereits so vom Judentum infiziert wären, daß man jeden, der nicht rein deutsch sei, als Juden ansehen müsse. Gräßlich, schrecklich und entsetzlich hört sich an die Schauermär, wer nach Hitlers Meinung plötzlich schon ein Jud zu nennen wär. Er erledigt das summarisch und er macht es sich bequem: jeder, der nicht völlig arisch, zählt fortab zum Stamme Sem. Großer Gott im Himmel droben! Wie mich der Gedanke quält, daß bei Stammesnachweisproben jeder Ahn, der Jud war, zählt —! Hurtig hat man irgendeinen, der da schwor auf deutsches Blut, untersucht, und in der reinen Ahnenkelte war ein Jud: schwupps! da ist’s um ihn geschehen, denn das Unglück schreitet schnell. War’s ihm auch nicht anzusehen — Hitler schnappt ihn auf der Stell, Und er wird auf Grund des Ahnen degradiert zum Judensohn. Bei den forschesten Germanen tappt man bald im Dunkeln schon! Goebbels hatte Anverwandte, die vielleicht aus Tarnopol, Frick wird gar (durch eine Tante) thüringischer Roschekol. Steidles, welche Sehloime hießen, werden ebenfalls durchschaut — ach, wer muß da alles büßen! Etwa Adolf selbst? Mir graut. Gnade-, Adolf! Miserere! Solchen Zuwachs lieber nicht! Sieh, wir leisten auf die Ehre, die sich bietet, gern Verzicht. Scharfe Trennung durch die Mille! Hier der Jud, und hier der Goi! Lieber Hitler, bitte, bitte, bleib ein Rosche! Bleib dir treu! F r i k a. Zynisch© Geschieht© Die Leitung des jüdischen Lileralurvereins einer süddeutschen Kleinstadt hatte ein zionistisches Mitglied auf gefordert einen Vortrag über Jakob Wassermanns Roman: Der Fall Maurizius zu halten, sich dabei aber ausbedungen, daß diese Gelegenheit zu zionistischer Propaganda nicht ausgeniitzt, ja der Name Zionismus nicht Vorkommen dürfe. Der Redner hielt sich streng an diese Vorschrift; plötzlich aber verließ der Vorstand mit dem entrüsteten Ausruf: Da sieht mans. Schon wieder der Zionismus!, den Saal. Der Redner hatte nämlich bei der Charakterisierung des Staatsanwalts Andergast von dessen Z y n i s m u s gesprochen.

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