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Das jüdische Echo · 1931-02-27 · 9 (27.2.1931) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
9 (27.2.1931)
Date
1931-02-27
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 9 27. Februar 1951 18. Jahrgang Schmarj’a Levin in München Zum ersten Mal nach 10 Jahren wieder wird S c h m a r j a Levin, der sich augenblicklich für kurze Zeit in Deutschland befindet, in München sprechen. Doch ist er von seinem damaligen Vortrage her noch in bester Erinnerung und es ist kein Zweifel, daß die Ankündigung der Zionistischen Ortsgruppe, in deren Rahmen er am Donnerstag, 5. März über das Thema „Zu welchem Zweck studieren wir Geschichte, Psychoanalyse einer Nation“ sprechen wird, den lebhaftesten Widerhall findet. Schmarja Levin ist allen in unvergeßlicher Erinnerung, die ihn einmal hören durften und er ist auch denen bekannt, die ihn noch nicht gehört haben; ja vielleicht sind sie noch gespannter auf den Mann, dessen Name fast den Rang eines Symbols besitzt. Die packende Kraft seiner originellen und wahren Gedanken kann nicht allein das Geheimnis der Wirkung dieses einzigartigen Propagandisten verständlich machen, auch nicht das Feuerwerk seiner unerschöpflichen Beredsamkeit; es ist das vulkanische Temperament Schmarja Levins, die jugendliche Feuerseele des heute über 60jährigen, die immer wieder Menschen in ihren Bann zieht und mitreißt. Schmarja Levin ist mit Weizmann in enger persönlicher Freundschaft verbunden und vertritt auch dessen politisches Programm, er ist wie Weizmann selbst nicht einseitig und besitzt die ebenso seltene wie wundervolle Gabe mit dem Fluge des Ideals den Sinn für praktische Möglichkeiten zu verbinden, in den Schwierigkeiten des Augenblicks Halt zu finden an seiner sukularen Hoffnung, an der Zuversicht des Endsieges der zionistischen Idee und das zügellose Schweifen politischer Phantasie wieder zu dämpfen durch den Sinn für das praktische, für das Mögliche, für das unter den gegebenen Umständen Erreichbare. Schmarja Levin hat sich selbst in den drei Jahrzehnten seiner zionistischen Arbeit immer die Rolle des Propagandisten, des Predigers und Mahners zugeschrieben und selbst er, dieser feuligste aller Prediger war manchmal ein Prediger in der Wüste. Eine Betrachtung seiner Persönlichkeit und seiner Leistung zeigt jedoch, daß er umkämpft und umstritten wie alle führenden Männer in der zionistischen Bewegung im tiefsten seines Weges sicher und von überzeugender Kraft, ein zionistischer Politiker ist im besten Sinne dieses Wortes. Schmarja Levin wird in München mit Freude und Begeisterung begrüßt werden. *. Dr. Schmarjahu Levin ist einer der bekanntesten Führer der zionistischen Bewegung. Er ist im Jahre 1867 in Swislotsch in Rußland geboren, studierte an deutschen Universitäten und wurde später Kronrabbiner (das ist kein Rabbiner, sondern war unter dem zaristischen Regime ein Beamter, welcher die Vermittlung zwischen den staatlichen Behörden und den jüdischen Gemeinden zu besorgen hatte) in Grodno und Jekaterinoslav. ln dieser Stellung erwarb er sich bedeutende Verdienste um die Entwicklung des jüdischen Schulwesens in Rußland. Im Jahre 1906 wurde er Abgeordneter der zweiten Duma und als dieses Scheinparlament aufgelöst wurde und das berühmte Wiborger Manifest zum Zeichen seines Protestes erließ, befand sich Schmarjahu Levin unter den Zeichnern dieses Manifestes. Dies trug ihm eine Verurteilung als Staatsverräter ein und nur rasche Flucht über die Grenze konnte ihn retten. Nach mancherlei Irrfahrten, die ihn in Berührung fast mit der ganzen jüdischen Welt brachten, übersiedelte Schmarja Levin nach Palästina, wo er sich in Tel-Awiwr niederließ. Dort erwarb er auch die palästinensische Staatsangehörigkeit. ln der zionistischen Bewegung, deren höchster Körperschaft, dem Engeren Aktionskomitee (jetzt Exekutive genannt) er von 1911 bis 1920 angehörte, hat Schmarjahu Levin mit besonderer Intensität die kulturellen Bestrebungen gepflegt. Er ist sozusagen der Vater des hebräischen Schulwesens in Palästina, zum mindesten sein Pflegevater und nie hat er eine so unermüdliche Energie und eine so flammende Beredsamkeit entwickelt, wie in dem allen alten Zionisten unvergeßlichen Monaten des vom Haifaer Technikum ausgehenden Sprachenkampfes im Palästina-Schulwerk (im Jahre 1913/14). Zu Kriegsbeginn befand sich Dr. Levin gerade auf einer Propagandatournee in Amerika. Er schiffte sich sogleich nach Europa ein. um seinen Kollegen zur Seite zu stehen, doch mußte das Schiff, schon in Sicht der europäischen Küste, wieder umkehren und so ist Dr. Levin bis nach Kriegsende in Amerika geblieben, wo er eine umfassende zionistische Propaganda und Erziehungstätigkeit entfaltete. Nach dem Kriege übersiedelte er nach Palästina, wo er zusammen mit dem berühmten hebräischen Dichter Bialik den Verlag Dwir gründete, ein Unternehmen von unermeßlicher Bedeutung für die Entwicklung der neuen hebräischen Literatur. Nur selten reißt er sich jetzt noch von seiner ihm lieb - gewordenen Arbeit und von seinem schönen Wohnhaus im Herzen von Tel Awiw los, um seine unvergleichliche Rednergabe in den Dienst zionistischer Propaganda zu stellen. Schmarja Levin hat sich auch als Schriftsteller einen Namen gemacht; im besonderen errang seine englisch veröffentlichte Selbstbiographie, aus der wir unlängst einen Teil deutsch wiedergeben konnten (siehe „Jüdisches Echo“ Nr. 39, vom 26. September 1930: Die hohen Feiertage in Swislowitz). höchste Anerkennung.

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