Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 7 (13.2.1931)
- Date
- 1931-02-13
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 7 13. Februar 1951 18. Jahrgang Vor einer Wendung in der englischen Palästinapolitik Wie bereits mehrfach in die Öffentlichkeit durchgesickert ist, wurde der erste Teil der Verhandlungen zwischen dem vom britischen Kabinett eingesetzten Subkomitee und den Vertretern der Jewish Agency vor einer Woche zu einem günstigen Abschluß gebracht. Das Resultat der Verhandlungen wurde vom britischen Gesamtkabinett einstimmig gutgeheißen. Die Verhandlungen waren vertraulich, doch hat jetzt ein Teil der englischen Presse — offenbar auf Grund von Indiskretionen — Nachrichten darüber verbreitet, die wir nachstehend wiedergeben. „Daily Telegraph“ veröffentlichte am 7. d. M. eine Mitteilung, daß die Regierung wesentliche Zugeständnisse an die Zionisten gemacht hat, insbesondere auf den Gebieten der Einwanderung und der Landentwicklung. Die Regierung habe, schreibt das Blatt, jene Bestimmungen des Weißbuches, gegen die seitens der Jewish Agency Widerspruch erhoben worden ist, annulliert. Die Stellungnahme der Regierung wird in einem Brief enthalten sein, der an Dr. Weizmann gerichtet ist und von dem Vorsitzenden des Kabinett-Komitees, Außenminister Henderson, unterschrieben ist. Auf diese Nachricht des „Daily Telegraph“ wird in der Londoner Presse ein offiziöses Dementi verbreitet, worin gesagt wird, daß die Erklärung der englischen Regierung, die im Verlaufe dieser Woche veröffentlicht werden wird, keine Abkehr von der bisherigen Politik der Regierung bedeute und den Grundcharakter des letzten Weißbuches aufrecht erhalte. Die Erklärung werde nur in einzelnen Punkten Konzessionen an die zionistischen Forderungen enthalten. Gleichzeitig wird die gleichfalls vom „Daily Telegraph“ verbreitete Nachricht, daß Kolonialminister Lord Passfield zurücktreten und von Lord Noel Buxton ersetzt werden werde, dementiert. Auch die Annahme, daß die Verwaltung Palästinas dem Außenminister unterstellt werden wird, ist unrichtig. Es handelt sich hier offenbar um eine Mißdeutung der Tatsache, daß Henderson den Brief an Weizmann unterschrieben hat. Dies erklärt sich jedoch ganz einfach daraus, daß Henderson Vorsitzender des Komitees war. Die Veröffentlichung des „Daily Telegraph“ hat folgenden Wortlaut: „Nach einer Reihe von formellen und unforniellen Sitzungen sind die Verhandlnugen zwischen der Britischen Regierung und der Jewish Agency über die Interpretation des Weißbuches zum Abschluß gelangt. Dr. Weizmann, der Präsident der Jewish Agency, hat jetzt endgültig dem Entwurf eines Briefes zugestimmt, der die neue Haltung der Regierung zum Weißbuch zum Ausdruck bringt. Letzten Freitag wurde eine Sitzung des Subkomitees abgehalten, bei welcher anwesend waren: Außenminister Henderson, Kolonialminister Lord Passfield, Kriegsminister Shaw und Marineminister Alexander. Die Sitzung genehmigte einstimmig den von dem Lord Advocate Aitchinson verfaßten Brief. Sofort darauf wurde eine gemeinsame Sitzung des Kabinett-Subkomitees mit Dr. Weizmann und seinen Kollegen abgehalten. Als Ergebnis wurde der Entwurf eines Briefes der Regierung unterbreitet und von der Regierung am Mittwoch abend genehmigt. Es heißt, daß eine Anzahl sehr wichtiger Zugeständnisse erzielt worden sind. Der Brief, der vom Außenminister unterzeichnet ist, sucht diejenigen Punkte des Weißbuches, gegen die die Zionisten so schwere Einwände erhoben, zu annullieren. Der Brief stellt endgültig den politischen Zustand wieder her, welcher bezüglich Palästinas vor der Veröffentlichung des Weißbuches bestand, nur der Vorschlag des Gesetzgebenden Rates bleibt. Ein neuer Landentwicklungs-Plan, welcher als Antwort auf die zionistischen Forderungen ausgearbeitet und von Dr. Weizmann genehmigt wurde, wird gleichfalls in dem Briefe angekündigt. Ferner erfahre ich, daß den zionistischen Vorstellungen in bezug auf Boden und Einwanderung von der Regierung weitgehend Rechnung getragen wurde. Obwohl die Verhandlung zu einem freundlichen Abschluß gebracht wurde, bestand doch, wie ich höre, eine Zeitlang die Gefahr eines Zusammenbruches der Konferenz. Von besonderem Interesse ist es, daß der Brief nicht von Passfield gezeichnet ist. Diese Tatsache scheint das Gerücht zu bekräftigen, daß Palästina dem Foreign Office unterstellt werden soll. In parlamentarischen Kreisen taucht auch das Gerücht wieder auf, daß Lord Passfield demnächst zurücktreten und von Noel Buxton ersetzt werden wird. Der Rücktritt des gegenwärtigen Oberkommissars von Palästina, Sir John Chancellor, während der nächsten Monate wird als sicher betrachte t.“ * „Jewish C h r o n i c 1 e“ berichtet in seiner Ausgabe vom 6. d. M. über den Abschluß der Verhandlungen folgendes: Der Entwurf des Henderson-Briefes wurde diese Woche vom Kabinett genehmigt. Der Inhalt des Briefes wurde bereits nach Amerika gekabelt und fand die Zustimmung der dortigen zionistischen Führer, sowie der führenden Persönlichkeiten der Jewish Agency. Diese prompte Billigung der neuen Regierungspolitik in Amerika ist — bemerkt