Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 52 (27.12.1929)
- Date
- 1929-12-27
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 52 27. Dezember 16. Jahrgang Chanukkah — der Sieg des jüdischen Bauernstandes Von Prof. Dr. J. Klausner I. Es war zur Zeit des seleuzidischen Königs Antiochus Epiphanes (175 v. Chr'). Judäa befand sich damals unter der Herrschaft der Griechen. Palästina war das Verkehrszentrum zwischen dem Staate der Ptolomäer und dem Lande der Seleuziden, daher bildete es den Schauplatz des Transithandel und war in der Lage, seine Erzeugnisse an die beiden großen Länder abzusetzen. Überdies hatten sich die Juden der Steuerpacht zugewandt für Judäa, Phönizien und Syrien, was den Pächtern und den anderen an dem Gewerbe Beteiligten großes Vermögen abwarf. D|es alles hatte eine Hebung des Reichtums und des Lebensniveaus in ganz Judäa zur Folge. Und mit dem wirtschaftlichen Aufstieg kam auch der geistige Aufschwung. Es gab aber auch Schattenseiten. Der in Judäa aufgekommene Reichtum hat die Unterschiede der beiden Stände verschärft: einerseits der Stand der reichen Grundbesitzer, der Angehörigen der Hohepriesterfamilien, der vermögenden Beamten und Zöllner, anderseits der gewöhnlichen Priester, der Gewerbetreibenden, Arbeiter und Kleinhändler in den Städten, und der kleinen und mittleren Bauern auf dem Lande. Dieser sozialwirtschaftliche Unterschied hat auch einen kulturellen Unterschied herbeigeführt: die Reichen standen den regierenden Häusern der Ptolomäer und der Seleuziden nahe, sie konnten griechisch und entfernten sich — bewußt oder unbewußt — von den Bräuchen ihrer Väter, während die Masse der Bevölkerung in den Städten und auf dem Lande an der Überlieferung festhielt und sich zu der griechischen Kultur und zu den neuen Bräuchen ablehnend verhielt. Im Gegensätze zu den Ptolomäern waren die Seleuziden immer bemüht, ihre Länder durch Hellenisierung zu einer Einheit zu verschmelzen. Die griechische Kultur stand gerade damals in einer Blüteperiode, die unter dem Namen Hellenismus bekannt ist; es war dies ein von seinem Heimatsboden entwurzeltes Griechentum, schmiegsam genug, um sich allen Verhältnissen des völkerbunten Orients anzupassen. Alle diese Ursachen, die wirtschaftlichen, die geistigen und politischen, haben in Judäa eine hellenistische Bewegung hervorgebracht. Sie stützte sich auf die Reichen, die Steuerpächter, die Regierungsbeamten und alle Anhänger der Seleuzidendynastie — sie alle bildeten die „Hellenistenpartei“. Ihre Gegner waren die Volksmassen und der Mittelstand, die konservative, national-religiöse Partei, damals als „K’hal Hassidim“ bekannt, die „Schriftsteller“ und die „Überlebenden der Männer der Knesseth Hagdolah“ an ihrer Spitze, und alle Anhänger des Ptolomäerhauses. Antiochus IV. Epiphanes (der auch „Epirmunes“, der Wahnsinnige, genannt wurde), wollte ein zweiter Alexander werden und überall, wo seine Herrschaft reichte, die griechische Kultur einführen. Die Hellenisten in Judäa, darunter auch der Hohepriester Josua, der seinen eigenen Namen in Jason verwandelte (174—171), begrüßten diesen Plan und kamen ihm zur Hilfe. Als Antiochus erfuhr, daß die Gegner der fremden Kultur auch Anhänger der Ptolomäer seien, kam er zweimal nach Jerusalem (170 und 168), entweihte das Heiligtum, veranstaltete ein Gemetzel unten den „Hassidim“ und den Anhängern der Ptolomäer, verbot den Sabbat, die Beschneidung und das Studium des Gesetzes, und am 15. Kislew 168 ließ auf dem Opferaltar eine Statue des olympischen Zeus aufstellen; am 25. Kislew desselben Jahres ließ er daselbst ein Schwein zum Opfer schlachten, um die gesetzestreuen Juden zu beleidigen. Das Volk leistete erst heldenhaften passiven Widerstand: bekannt sind die Sagen von der Mutter, deren sieben Söhne getötet wurden, weil sie es ablehnten, sich vor dem Götzenbilde zu verneigen; von dem greisen, neunzigjährigen Elieser, der, auch nicht zum Schein, Schweinefleisch kosten wollte und grausam ermordet wurde, und viele andere dergleichen. Bald jedoch griff das Volk zum aktiven Widerstand. Aus dem kleinen Städtchen Modaim (oder Modiim), zwischen Ludd und Beth-Horon, erging der große Ruf an das Volk, sich mit der Waffe in der Hand der Tyrannei des Antiochus und seiner Vollstrecker entgegenzustellen. Der diesen Ruf ergehen ließ, war der alte Matatjahu ben Johanan, der Hasmonäer, ein Priester (nicht aus der Familie der Hohepriester); alle seine fünf Söhne kämpften für ihr Volk, bis der letzte von ihnen Judäa vom Joche der Seleuziden befreit hatte. Matatjahu selbst war nur an den wenigen Gefechten gegen die Syrier beteiligt (167—166). Als er starb, kam die Führung des großen Volksaufstandes in die starke Hand seines Sohnes Jehuda (166—161). In vier großen Schlachten, in denen die Juden Wunder geleistet haben sowohl an Mut als auch an taktischem und strategischem Können, schlug Jehuda, der Makkabäer, die Feldherren des Antiochus, obwohl deren Heer viel zahlreicher war als das seine, und befreite Jerusalem und den Tempel. Am 25. Kislew 165 marschierte er an der Spitze seiner Truppen in Jerusalem ein, und stellte den Gottesdienst im Tempel wieder her; wieder ward der Gott Israels in Lichtern geehrt, die acht Chankkahtage sind eingeführt worden für alle kommenden Geschlechter. II. Der große Sieg Juda Makkabis, dessen Andenken in jedem jüdischen Herzen fortlebt und in jedem jüdischen Hause während der acht Chanukkahtage in so beredter Weise geehrt wird, ist in Wirklichkeit als Sieg des jüdischen Bauernstandes jener Zeit anzusehen. Nicht aus Jerusalem und nicht aus den Reihen der Vornehmen und Großgrundbesitzer, sondern aus dem Bauernstände und einem kleinen jüdischen Dorfe sind die Makkabäer Matatjahuh und seine Söhne