Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 49 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- Seite 730 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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730 Das Jüdische Echo Nr. 49 Österreichische Regierungspartei und Numerusclausus-Parole Wien, 1. Dezember. (JTA.) Während bisher nur außerhalb der Regierung stehende rechtsradikale Gruppen die Losung des Numerus clausus zu der ihren machten, scheint nunmehr die Numerus-clausus-Parole auch innerhalb der christlichsozialen Regierungspartei Anhänger gefunden zu haben. In einer Sitzung des Parlamentsausschusses hielt der prominente Christlichsoziale Jerzabek eine Brandrede gegen die jüdischen Studenten. Er forderte die Einführung des Numerus clausus zur Wahrung des deutschen Charakters der österreichischen Hochschulen. Der Rektor der Wiener Universität für Numerus clausus Wien, 27. November. (JTA.) Obwohl die scharf reaktionäre Einstellung des neugewählten Rektors der Wiener Universität, Professor Gleispacli aus Anlaß der jüngsten Unruhen unzweideutig zutage trat, hat es dennoch großes Aufsehen erregt, daß der Rektor heute der völkischen deutschen Studentenschaft den Festsaal der Universität für eine Propagandaversammlung für Einführung des Numers clausus zur Verfügung gestellt und persönlich in dieser Versammlung den Vorsitz geführt hat. Die Versammlung, die stark besucht war, hat denn auch einen formellen Beschluß gefaßt, die Einführung des Numerus chausus gegen Juden zu fordern. Dr. Leon Reich gestorben Lemberg, 1. Dezember. (JTA.) In der Nacht zu Sonntag, den 1. Dezember, verstarb in Lemberg an den Folgen einer Blinddarmoperation der Abgeordnete des polnischen Sejm Dr. Leon Reich im Alter von 50 Jahren. Die Nachricht über das Ableben des Führers der Zionisten Galiziens hat in der Judenheit Polens starkes Mitgefühl geweckt. Der rumänische Außenminister spricht in einer Kundgebung für den Keren Hajessod Bukarest, 27. November. (JTA.) Die Mitglieder der Jewish-Agency für Croß-Rumänien haben sich zu einem Komitee konstituiert mit dem Ziele, die Aktionen zugunsten des Aufbaus des Jüdischen Nationalheims zu unterstützen. In der konstituierenden Sitzung hielt Nahum Sokolow eine mit großem Beifall aufgenommene Ansprache. Die diesjährige Aktion für den Keren Hajessod in Rumänien wurde in Bukarest durch eine große Volkskundgebung eingeleitet, in der u. a. der Minister des Äußeren eine Ansprache hielt. Eine Million Dollar für das jüdische Wohlfahrtswesen Großneuyorks N e u y o r k , 28. November. (JTA.) Der bekannte jüdische Bankier Ralph Jonas in Brooklyn hat aus Anlaß der Verschmelzung des jüdischen Wohlfahrtswesens (Federation of Jewish Charities) Neuyorks und Brooklyns,' die Januar 1931 sich vollziehen wird, für das jüdische Wohlfahrtswesen Großneuyorks eine Million Dollar gespendet. Ralph Jonas ist Präsident der Handelskammer von Brooklyn und Direktor der Manufacturers 'Frust Company. I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten.KostUmstlckareien BurgstraBe 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 Gründung einer Corporation für Investierungen in Palästina Washington, 26. November. (JTA.) Unter der Leitung von Felix M. Warburg, Vorsitzenden des Administrativ-Komitees der Jewish Agency, fand im Mayflower Hotel zu Washington eine Zusammenkunft führender amerikanischer Juden statt, in der einmütig, beschlossen wurde, eine auf geschäftlicher Basis stehende Corporation für Kapitalinvestierungen in Palästina zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes zu begründen. Ansprachen hielten u. a. Dr. Lee K. Frankel. Bernard Flexner, Asher Pierce. Israel B. Brodie, Julius Fohs und Laurence Levine. Herr Felix M. Warburg wurde ermächtigt, ein Komitee zur Organisierung der Corporation einzusetzen, welches innerhalb dreier Monate seinen Bericht zu unterbreiten haben wird. Das Ereignis des Abends war eine Ansprache des Richters am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten Louis D. Brandeis, der, seitdem er vor etwa 10 Jahren das Amt eines Präsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas niedergelegt hat und aus der Organisation ausgetreten ist, nun zum erstenmal in der Öffentlichkeit mit einer Rede über Zionismus und Palästina hervortrat. Der Jüdische Rat für Großneuyork fordert den Rücktritt Magnes Neuyork, 29. November. (JTA.) Das Exekutiv-Komitee des Jüdischen Rates für Großneuyork (Jewish Council of Greater New York) hat in seiner letzten Sitzung eine Resolution gefaßt, in der Dr. Magnes, Kanzler der Hebräischen Universität in Jerusalem, dafür getadelt wird, daß er öffentliche Erklärungen abgegeben und Verhandlungen geführt hat, ohne hierzu von der Zionistischen Organisation oder der Jewish Agency autorisiert worden zu sein, daß er an ungeeigneter Stelle und zu höchst unpassender Zeit Gedanken' ausgesprochen hat, die mit denen der jüdischen Siedler in Palästina und der hinter ihnen stehenden Organisationen nicht übereinstimmen, daß seine Äußerungen den Konzeptionen und den Zielen des Jüdischen Nationalheims eine falsche Deutung geben können. Neuyork, 27. November. (JTA.) Das Administrativ-Komitee des American Jewish Congress nimmt in einer offiziellen Erklärung gegen die Ausführungen des Kanzlers der Hebräischen Universität in Jerusalem Dr. J. L. Magnes, die er bei der Eröffnung des Wintersemesters der Universität gemacht hat, Stellung. Der Verband der jüdischen Legionäre in Amerika hat in einem Telegramm an Dr. Magnes gegen dessen Äußerungen bei der Semesterweihe an der Jerusalemer Universität protestiert. Gemeinden-u.Vereins-Echo Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde, München Mittwoch, 11. Dezember, 20.15 Uhr: Rabbiner Dr. Leo Baerwald: „Der Prophet Jeremias. Der Mensch und' seine Sendung.“ Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog-Max-Straße 7/II. Mittwoch, 11. Dezember, 21.15 Uhr: Dr. Ludwig Fcuchtwanger: „Epochen der jüdischen Selbstbehauptung seit dem Untergang des eigenen Staates.“ Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog- Max-Straße 7/II.