Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 46 (15.11.1929)
- Date
- 1929-11-15
- Page
- Seite 687 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 687 Deutsche Neuwäscherei FELIX BRANDNEU . MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23 70b Spezial-Dampfwaschanstalt nur Herren-Stärkwäsche Annahmestelle auch Jägerstr. 16 / Augsburg A.432 vord. Lech an das Vorhandensein eines von Napoleon auf ihrem alten Friedhof vergrabenen Schatzes und sie knüpfen all ihre Hoffnungen an seine Entdeckung. Die verschiedenen jüdischen Typen: der eingebildete und stolze Gabbe, der aber nicht weniger Furcht vor der Regierung und allem, was mit ihr zusammenhängt, hat, wie jeder andere, die Krämer und Handwerker, der Schadchen, die arme und immer keilende Witwe, der Melamed und der aus Amerika zurückgekehrte „Allrightnik“, sie alle vereinigen sich in dieser „Tragifarce“ zu einem seltsam spukhaften Tanz um den Schatz, nach dem man auf dem Friedhof gräbt, weil ihn sonst die Regierung bei einem Eisenbahnbau finden und mit Beschlag belegen konnte, und weil da ein kleiner Junge einen Napoleondor gefunden hat, was das Fieber endgültig zum Ausbruch gebracht hat. So fest sind sie in ihrem Glauben an das Vorhandensein dieses Schatzes, daß sie mit ihrem Dorflyrannen, dem getauften Polizisten Holoweschko, sogar sich schon über den ihm gebührenden Anteil einigen, daß sie Levy Mosgovoi, den Gabbe, zwingen, gegen seinen Willen seine Tochter dem Wechsler Idel zur Frau zu versprechen, nur damit dieser seinem Jungen erlaubt zu sagen, wo er das Goldstück gefunden bat; Höhepunkte erreicht diese Verrücktheit, wenn die arme Witwe, die den Golddukaten auf dem Friedhof verloren hat und nun ihren „Schatz“ zurückverlangt, ihrerseits als verrückt erklärt wird und wenn Levi Mosgovoi auch die ernsthaftesten Erklärungen und Richtigstellungen seines aus Amerika zurückgekehrten Neffen Benja zu Beweisen für seine sinnlosen Hoffnungen umdeutet. Diesem bleibt nichts anderes übrig, als durch eine geschickte Komödie die Unvernünftigen zu bekehren. Er läßt auf dem Friedhof „Tote“ zu Levi Mosgovoi und zu Jidel sprechen, die auch dadurch nicht irre werden, erreicht, daß Jidel auf Ester verzichtet und daß er sie sofort heiraten darf; schließlich enthüllt er den ganzen Betrug. Diese Fopperei wird durch eine wiederum hervorragende Ensembleleistung der Habimah in einem bunten, wildbewegten, teilweise akrobatisch anmutenden Spiel exekutiert; jede Figur ist bis ins Letzte ausgefeilt und es würde schwer halten Sonderleistungen anzuführen. Wenn auch das Verständnis dem Sprachungewohnten etwas schwerer fallen mag, den Izik A. Hendlers, den Jungen mit der Rübe im Munde muß man jedoch plärren, lachen, kriechen, laufen und hüpfen gehört und gesehen haben und den tanzenden Hochzeilszug zum Schluß wird niemand an sich vorüberziehen lassen können, ohne von diesem tollen Wirbel leidenschaftlicher Ausgelassenheit hingerissen zu sein. Daß die Habimah sich im Grotesken und Komischen ebenso bewährI, wie im Pathetischen und Tragischen, ist besonders erfreulich — man möchte ihr allerdings wünschen, daß sie auch einmal Gelegenheit findet, mit ihrer reifen und außerordentlichen Kunst einen Stoff zu bewältigen, der mitten ins jüdische Leben der Gegenwart führt. Das Publikum klatschte beim Hochzeilszug bei offener Bühne und brach zuletzt in Beifallsstürme aus. I.E. Nürnberg. Das berühmte hebräische Theater Habimah, das zur Zeit mit so außerordentlichem Erfolg in München gastiert, ist für die nächste Woche in Nürnberg zu einigen Vorführungen im Apollotheater verpflichtet. Siehe Inserat auf der letzten Seite dieser Nummer. Cafe Wintergarten Franz Schnabel Vollständig renoviert (m. Parkettboden) neu eröffnet Nachmittags-Konzert / Äbend Tanz Kapelle Josd Zangelas Zivile Preise / Kein Weinzwang / Kein Eintritt Tassen und Portionen Kaffee werden verabreicht Gemeindenu. Vereins-Echo Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde, München. Mittwoch, 20. November 1929, im Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog-Max-Straße 7/II. 19.30 Uhr: Rabbiner Dr. Leo Baerwald: Vorbesprechung zur Vereinbarung der Stunden für „Die Einführung in das Hebräische.“ 20.15 Uhr: Rabbiner Dr. Leo Baerwald: „Der Prophet Jeremias. Der Mensch und seine Sendung.“ 21.15 Uhr: Dr. Ludwig Feuchtwanger: „Epochen der jüdischen Selbstbehauptung seit dem Untergang des eigenen Staates.“ Hebräische Sprachkurse München Die hebräischen Sprachkurse in München bieten Kindern und Erwachsenen Gelegenheit, die hebräische Sprache, Bibel und neue Literatur zu erlernen. In sämtlichen bestehenden Kursen werden neue Schüler aufgenommen. Interessenten werden gebeten, sich möglichst bald im Unterrichtslokal, Herzog-Rudolf-Straße 1, von 3—6 Uhr (Telephon 297 449) anzumelden. Gesuche um Ermäßigung des Schulgeldes sind an Herrn Paul Grünbaum, Rothmundstraße 6, zu richten. Das Wintersemester beginnt am 15. November. Der neue Stundenplan: Mo 7.30-9 Uhr j Kurs V 9—10 Uhr Kurs II - Di 5-6.15 Uh r Kinderkurs! m j 7.00-8.15 Kurs III 8.15—9.3G | Bibelkurs 9,30 - 10.30 Kurs I Mi 4.15-5.15 . Kinderkurs j I | 5.15-6,30 , Kinderkurs ii; 7.30-8.30 Jesaia-Kurs : - Do | 7.15-8.15 i Kurs II 8.15—9.15 Kurs I 9.15 —tO.45 Kurs IV Sämtliche Kurse finden abends statt. Ab 15. November beginnen folgende neue Kurse: 1. Anfängerkurs (die Zeit wird noch mitgeteilt). 2. Kurs III (Dienstag von 7 bis 8.15 Uhr). 3. Jesaia-Kurs (Mittwoch von 7.30 bis 8.30 Uhr, vorläufig). 4. Grammatikkurs (die Zeit wird noch bekanntgegeben). Anmeldungen für den Jasaia-Kurs werden im Unterrichtslokal entgegengenommen. Leiter der Kurse: A. Percikowitsch. Der Ratskeller das Lokal jedes Einheimischen und Fremden. Neuer Pächter HANS FÜRST