Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 31 (8.11.1929) Der letzte Waldjude
- Date
- 1929-11-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER LETZTE WALDjUDE VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Dr. Präger, Pressedienst, Wien-Berlin 30. Fortsetzung „Schamai aber ..Schaft schlug sich an die Brust und sprach weiter, „Schamai weiß, wer dein Vater ist und wird das nicht tun, Schamai ist kein Wucherer! Aber nicht davon wollte ich sprechen! Da spreche ich so vor ein paar Wochen mit deinem Vater — um bei der Wahrheit zu bleiben, ich kann mit ihm nicht sprechen — ich erzähle, daß ich den Wald erwerben und ihn den Kindern als Mitgift geben will — — da fragt er — was für Kinder? Nun kann ich ihm schon nicht mehr in die Augen sehen und sage leise, ich glaube, wenn Reb Abraham... wie es schon vorkommt . . Glaubst du, Mordechai, ich bilde mir solche Dummheiten ein! Ich weiß, daß ich nicht seinesgleichen bin! Natürlich, wie kommt Schamai zu Reb Abraham? Aber da Gott mich mit so großem Reichtum gesegnet hat, so glaube ich, es wäre vielleicht doch vom Himmel bestimmt, wir sollten uns verschwägern. Was sagst du? Du hättest hören sollen, wie mich der Vater angefahren hat! Ich kenne ja den Vater, kenne alle seine Verrücktheiten ... darum habe ich mir vorgenommen, ich wollte lieber mit dir sprechen, du bist ruhiger.. ich wollte dich fragen, ob etwas daraus werden kann, Mordechai; dann ziehe ich mich ganz vom Geschäft zurück und übergebe dir alles, mein ganzes Vermögen ... nun, was sagst du?“ Mordechai traute seinen Ohren nicht. Er konnte nicht begreifen, daß Schamai, den man auf eine Million Gulden schätzte, und in dessen Haus keine Waschschüssel da war, um sich darin zu waschen, sondern ein Loch bei der Tür ausgegraben wurde, in die das Nägelwasser gegossen wurde, daß dieser Mann imstande sei, sein ganzes Vermögen wegzugeben, um sich Vornehmheit zu kaufen. Das rührte ihn so, daß er ganz verlegen wurde. Er brachte es nicht über sich, die Wahrheit zu sagen, daß er jetzt nicht daran denke zu heiraten, sondern beabsichtige fortzufahren; er sah einen ganz anderen Schamai vor sich, dem er keinen Kummer bereiten wollte. Seine Zunge setzte sich ohne seinen Willen in Bewegung und er stotterte hervor: „Habt keine Sorgen, Schamai, es wird schon alles gut werden.“ Beide gingen mehr als eine Minute schweigend nebeneinander. Plötzlich erinnerte sich Schaft: „Ich habe ganz vergessen! Was sagst du zu der Liste von Namen, die im Beth-Hamidrasch hängt?“ „Was meint Ihr?“ „Man erzählt,“ — Schaft hob die Achsel, daß der Kopf kaum herausschaute — „heute nacht wären bei Daniel Dinge geschehen, die man gar nicht über die Lippen bringen kann! Und das unter einem Dach mit Rabbi Mendele! Wer hätte das voraussehen können? So ein Greuel, so ein ...“ „Eine Liste, sagt Ihr, hängt im Beth-Hamidrasch?“ „Am Morgen hat sie dort gehangen, dann hat Reb Dowidl sie abreißen lassen. Glaubst du, es sei eine Ehre für Reb Dowidl? Überall spricht man davon, der Hof würde Daniel zwingen, sich von Duszka scheiden zu lassen. Hat man sie aber verprügelt! Jeder von ihnen hat einen Denkzettel bekommen; Nachman wurde so geschlagen, daß er zu Bett liegt! Am Hofe herrscht sehr gedrückte Stimmung! Ja, hör zu, Mordechai — wie kommt es, Mordechai, daß dein Name dort zu finden ist?“ Schamai machte eine naive Miene. „Ich habe ihn selbst gelesen ...“ „Mein Name?“ „Ja, ich habe mich gewundert. Sag selber, wie kommt das, daß du... ich meine, wie schickt sich das... Reb Itsche hat großen Kummer darüber! Du weißt ja, er spricht nicht...“ Mordechai antwortete nicht, er hörte nicht einmal, was Schamai sprach. Er fühlte, daß ihm Kozk mit einem Male zu eng wurde; bei Strahl konnte er es nicht aushalten, es trieb ihn aus den Zimmern: bei Reb Dowidl würde man ihm heute oder morgen die Tür verschließen ... er gedachte des „Maggid“, der ihn in die große Welt geschickt und gesagt hatte, Kozk sei kein Ort für ihn; er wandte sich an Schamai: