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Das jüdische Echo · 1929-10-11 · 41 (11.10.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
41 (11.10.1929)
Date
1929-10-11
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 41 11. Oktober 16. Jahrgang Protestliberale Von Moses Waldmann Vorbemerkung der Redaktion Wir haben uns in der letzten Nummer mit einem Artikel von Herrn Bruno Woyda beschäftigt, der, wie sich nun herausgestellt hat, offenbar nur der Vorläufer einer Generalattacke aller Übelwollenden auf das Palästinawerk gewesen ist. Mittlerweile nämlich wurden die gleichfalls in der letzten Nummer enthaltenen Erklärungen der Liberalen Vereinigung und des Centralvereins, die man bei aller Kläglichkeit des Gefühls und des Gedankens, die sie dokumentieren, noch als den Ausfluß eines nun einmal vorhandenen Distanzierungsbedürfnisses gegenüber der Jewish Agency verstehen konnte, übertrumpft von einer anderen Erklärung jüdischer Kreise, die sich im Inseratenteil großer nichtjüdischer Blätter an die Öffentlichkeit wendet. Wir wollen den Text dieses Dokuments jüdischer Schande, mit dessen Ursprung und Urhebern sich unser Mitarbeiter M. Waldmann befaßt, unseren Lesern nicht vorenthalten, freuen uns aber, ihnen durch einen Artikel aus der Feder von Herrn Dr. Beermann (Heilbronn), einem angesehenen liberalen Rabbiner, beweisen zu können, daß solcher „Liberalismus“ im liberalen Lager selbst seine Richter findet. Der Text der Entschließung lautet: In einer Zeit, in der die Befriedung der Welt als das vornehmste Ziel der gesamten Menschheit erkann wird, kommen aus Palästina Nachrichten über blutige Kämpfe zwischen Arabern und Juden. In tiefem .Schmerz betrauern wir mit allen Teilen der Kulturwelt die Opfer dieser Vorgänge. Auf das entschiedenste aber legen wir dagegen Verwahrung ein, daß die tiefbetrüblichen Vorkommnisse in Palästina in schärfstem Gegensatz zu der deutlichen Sprache der Tatsachen zu einer verstärkten Agitation für das zionistische, d. h. jüdisch-nationale Parteiwerk ausgenutzt werden. Die öffentliche Meinung Deutschlands wird irregeführt durch Kundgebungen der Zionisten und der Jewish Agency. Die nichtzionistischen Mitglieder dieser Körperschaft haben keine Vollmacht und kein Recht, sich als Vertreter der nichtzionistischen Juden Deutschlands zu bezeichnen. Die Unterzeichneten, den verschiedensten politischen und religiösen Parteien und Richtungen angehörigen deutschen Juden erklären: Wir bekennen uns zum Judentum, lehnen aber jeden jüdischen Nationalismus ab. Wir betrachten uns mit der überwiegenden Mehrheit der deutschen Juden als Glieder des deutschen, nicht eines jüdischen Volkes. In der Errichtung einer Jüdischnationalen Heimstätte sehen wir einen Irrweg, der das Emanzipationswerk der Vorkämpfer des deutschen Judentums und die religiös-sittliche Aufgabe des Judentums in der Menschheit gefährden muß. * * * Vor zwei Wochen schrieb der Vorsitzende der 'liberalen Fraktion in der Berliner Gemeinde, Rechtsanwalt Heinrich Stern, in der „Jüdisch-Liberalen Zeitung“ einen langen Aufsatz unter dem Titel „Entscheidung“ über die Stellung der Liberalen zur zionistischen Ideologie. Der lesenswerte, ruhig und vornehm geschriebene Artikel brachte .manche Feststellungen, denen man zunächst zustimmen konnte. So wies Heinrich Stern darauf hin, daß trotz aller Gegensätzlichkeit von den Gegnern der Liberalen allmählich erkannt wurde, daß diese nicht als schlechtere, nicht als unjüdische Juden betrachtet werden dürfen, sondern als jüdische Menschen, deren Auffassung man ablehnt, aber als gewissenhaftes Bekenntnis von ihrer Wahrheit überzeugter Menschen respektieren muß. Tatsächlich ist in den letzten Jahren in dieser Hinsicht eine Wandlung zu bemerken gewesen, die um so stärker zum Ausdruck kam, in je klarerer Form die Liberalen ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Gesamtheit behaupteten und je ausgesprochener sie sich zum jüdischen Klal-Gedanken bekannten. Man neigte auch in Kreisen, bei denen Judentum Primat ist, wie Zionisten und Orthodoxen, der Ansicht zu, daß die Liberalen — und auch die deutscher Färbung —, Juden eigener Art sind, deren jüdischer Weg den Bestand des Judentums nicht zu sichern vermag, die jedoch hinsichtlich ihres jüdischen Wollens durchaus zu respektieren sind. Diese Überzeugung hat in den letzten Tagen eine schwere Erschütterung erfahren. In der großen deutschen Tagespresse erschien nämlich eine Annonce unter dem Titel „Erklärung deutscher Juden“, die fast ausschließlich von Mitgliedern der Vereinigung für das Liberale Judentum und von nationaldeutschen Juden der Richtung Naumann gefertigt ist. In der Erklärung heißt es zwar, daß diese von „Juden und Jüdinnen der verschiedensten politischen und religiösen Parteien und Richtungen“ ausgehe. Eine Durchsicht der Namensliste jedoch belehrt auf den ersten Blick, daß nicht nur nicht von verschiedenen religiösen und politischen Richtungen die Rede sein kann, sondern auch nicht einmal Namen von den stärker jüdisch empfindenden Personen der Liberalen Vereinigung selbst unter der Erklärung zu finden sind. So z. B„ fehlt in der Liste der Name von Heinrich Stern, einem der prominentesten Liberalen in Deutschland. Es fehlen repräsentative Vertreter der größten deutschjüdischen Organisationen. Es fehlen Namen von führenden jüdischen Gelehrten, Rabbinern, Wissenschaftlern, Schriftstellern und Philantropen. Dahingegen findet man eine große Zahl von Justizräten, also Herren vorgeschrittenen Lebensalters, denen ihr Alter nicht zum Vorwurf gemacht werden soll, die aber vermutlich noch in Überzeugungen stekken, die von der gesamten Welt überwunden sind. Es liegt uns vollständig fern, die persönliche Ehrenhaftigkeit aller Unterzeichner irgendwie in Zweifel zu ziehen. Sie sind sicherlich durchaus achtbare Bürger. Aber als „repräsentativ“ können sie, was ja kein ehrenrühriger Vorwurf ist, w#der von einem allgemeinen,., noch von einem jüdischen

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