Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 40 (4.10.1929)
- Date
- 1929-10-04
- Page
- Seite 602 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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602 Das Jüdische Echo Nr. 40 Es scheine sich um eine Splittergründung zu handeln. Die Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier, denen sieben Landesverbände mit 300 Ortsgruppen angeschlossen sind, seien eine völlig überparteiliche Organisation und würden bei ihren Ortsgruppen unter keinen Umständen eine Einmischung in innerpolitische Dinge gestatten.“ Geschäftliches München. Das Cafe Wintergarten wurde, wie wir erfahren, in den letzten Tagen von einem neuen Besitzer, Herrn Franz Schnabl, übernommen. Herr Schnabl, ein langjähriger erfahrener Fachmann und bekannt bisher vor allem durch die ausgezeichnete Leitung seines Nürnberger Cafes Hauptmarkt, wird es sich angelegen sein lassen, seine Gäste in allem was Trank und Speise anlangt aufs vortrefflichste zu bedienen und seine renovierten Lokalitäten jedermann zu einem angenehmen Aufenthalt zu machen. Gemeinden-u. Vereins-Echo Mendelssohn-Feier der Kultusgemeinde Die Israelitische Kultusgemeinde München hielt am Sonntag, dem 29. September, eine Gedenkfeier aus Anlaß der 200. Wiederkehr des Geburtstages von Moses Mendelssohn in der Tonhalle ab. Nach einleitendem Orgelspiel ergriff Herr Rabbiner Dr. Baerwald das Wort, der mit Erfolg versuchte, Mendelssohns Persönlichkeit den zahlreich erschienenen Gemeindemitgliedern erstehen zu lassen. Er schilderte den Werdegang Mendelssohns, dem es so rasch gelungen ist, sich vom Ghetto und seinen geistigen Schranken bis in die höchsten Höhen der Philosophie emporzuschwingen, er kennzeichnete den Philosophen Mendelssohn, den man einmal als den edelsten Vertreter der deutschen Aufklärung, als den Sokrates seiner Zeit bezeichnet hat. Und in der Tat hat er mit Sokrates manches gemeinsam, nicht zuletzt auch jene aequitas animi, jenen Gleichmut der Seele, der ihn mit Ruhe und Gelassenheit alles Schwere ertragen ließ, von dem auch er in seinem Leben nicht verschont geblieben ist. All dem zum Trotz ist ihm aber immer eine optimistische Lebensbejahung eigen gewesen, die im Grundzug seines Wesens verankert war. Was Mendelssohns Charakter aber erst die besondere Färbung gibt, das ist die Anmut und die Leichtigkeit, die sein Wesen durchtränkte. So war und ist es auch heute vor allem die Persönlichkeit Mendelssohns, die die große Wirkung auf Um- und Nachwelt ausübte und der Lessing in seinem Nathan ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat. Nach dem Vortrag einer Arie aus dem Händelschen Messias (gesungen von Frau Sonja Ziegler), bestieg nun Herr Dr. Fritz Bamberger das Podium; er führte etwa folgendes aus: Gewiß ist es unmöglich, Mendelssohns Werke unabhängig von dem Autor, von seiner Persönlichkeit zu beurteilen; sein philosophisches Schaffen aber, das zwar vor dem des alles zermalmenden Kant zurücktritt, aber doch in der Entwicklung der deutschen Philosophie unberührt von jedem Überholtsein seinen Platz behauptet, seine Ästhetik, seine Sittenlehre, seine Literaturkritik — Mendelssohn als „der erste wahre deutsche Publizist“ —, seine Leistungen in der Wissenschaft des deutschen Staats- und Kirchenrechts, seine Bibelübersetzung, dies alles hat Mendelssohn einen hervorragenden Platz auf jedem der Gebiete, auf denen er tätig war, gebracht. Aber schon zu seinen Lebzeiten war es mehr noch die Persönlichkeit, die die Zeitgenossen beeindruckt hat, war es Mendelssohns Leben, war es der jähe Aufstieg eines Juden, auf den sie fasziniert blickten. Das Wunder der Mendelssohnschen Persönlichkeit ist die Selbstverständlichkeit, mit der er, der Philosoph der Aufklärung, Jude war, stets Jude geblieben ist und dies ist es auch, was die Bedeutung Mendelssohns für uns Heutige ausmacht. Von jedem Standpunkt aus datiert seit Mendelssohn eine neue Epoche jüdischer Entwicklung und seine eigentliche Leistung besteht darin, daß er Judentum und Moderne zusammengefügt hat. Der Sinn eines Jubiläums wie des heutigen gipfelt in der Frage: Was sagt Mendelssohn uns heute? Das Problem Mendelssohn ist das Problem des deutschen Juden. Aber ist seine Lösung auch die unsere? Sie ist es nicht, und die Geschichte der Mendelssohnschen Kinder zeigt, daß sie nicht wiederholt werden darf. Und so ist der Sinn des Mendelssohnschen Lebens: daß das Problem des deutschen Juden, das sicher nur ein theoretisches Problem ist, nur angepackt werden kann, wenn vorher die unwiderlegbare Sicherheit eines Lebens vorhanden ist, das Deutschtum und Judentum so vereinigt, wie Mendelssohn sie vereint hat. — Die würdige Feier schloß mit Orgelklängen. Hebräische Sprachkurse München. Die zweite Hälfte des Sommersemesters hat bereits begonnen. In sämtlichen bestehenden Kursen werden neue Schüler aufgenommen, außerdem begann «ein neuer Anfängerkurs, der jeden Dienstag von 9.30 bis 10.30 Uhr und jeden Donnerstag von 8 bis 9 Uhr abgehalten wird. Interessenten werden gebeten, sich möglichst bald im Unterrichtslokal, Herzog-Rudolf-Straße 1, von 3—6 Uhr (Tel. 2 97 4 49) anzumelden. Gesuche um Ermäßigungen sind zu Händen des Herrn Paul Grünbaum, Rothmundstraße 6, zu richten. Der neue Stundenplan ist folgender: Mo 7.30-9 Uhr Kurs V 1 - j 9—10 Uhr Kurs II - Di 5-6.15 Uhr Kinderkurs III | 7.30-8.30 Kurs IV 9 30- 10 33 Kurs I - Mi 4.15-5.15 Kinderkurs I 5.15-6.30 Kinderkurs II 7.30- 8,30 Kurs V 1 Do 7-8 Uhr Kurs IV 8-9 Uhr Kurs I 9-10 Uhr Kurs II 1 Sämtliche Kurse finden abends statt. Bar-Kochba Fußballjugend. Die I. Mannschaft trug gegen den bisherigen Meister der Klasse, F. C. Wacker II. Schülermannschaft ein Gesellschaftsspiel am Säbener Platz aus und gewann nach interesantem spannenden Verlauf verdient 3:2. Die II. Mannschaft Bar-Kochbas spielte gegen die I. Schülermannschaft der Straßenbahn und verlor 0:5. Das Zusammenspiel muß noch durch fleißiges Training verbessert werden, dann werden wir auch Siege der II. Mannschaft feiern können. Und noch eine Mahnung: haltet mehr Disziplin am Sportplatz! Die kommenden Sonntage sind der Jontofim wegen spielfrei. M. K. Bar-Kochba. Damen- und Mädchenabteilung. Sämtliche Turnerinnen werden aufgefordert, regelmäßig und pünktlich am Turnboden zu erscheinen. Die Mädchen turnen jeden Montag von 6 bis