Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 40 (4.10.1929)
- Date
- 1929-10-04
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 40 4. Oktober 16. Jahrgang Än das jüdische Volk! In ernster, schicksalsschwerer Stunde versammelt, tiefer denn je verbunden in Gefühl und Gedanken mit Erez Israel, gilt unsere erste Botschaft dem Lande und seinen Menschen. Wir neigen uns vor den Toten, die auf dem opfervollen Wege zu unserer Erlösung gefallen sind. Unsere innige Anteilnahme wendet sich denen zu, die durch blinde Zerstörungswut verloren haben, was friedliche Aufbauarbeit mühereicher Jahrzehnte geschaffen hat. Dem Jischuw senden wir aus der Tiefe unserer Herzen in Dankbarkeit und Stolz die brüderliche Botschaft der Sympathie und der Ermutigung. In Tagen voll blutiger Tragik haben unsere Brüder und Schwestern die große verantwortungsvolle Aufgabe, Träger des Nationalheims zu sein, mit dem Mut der Selbstverteidigung, mit Seelenstärke und sittlicher Würde erfüllt, die ein unzerstörbarer Ruhmestitel für alle künftigen Geschlechter bleiben werden. Mit elementarer Leidenschaft antwortete die Judenheit der ganzen Welt durch einheitliches Gefühl und durch vereinigte Tat, Eine Welle des Schmerzes, des Mitgefühls, der Empörung flutete durch die jüdische Welt, Millionen mit umfassend, die uns sonst nicht verbunden sind. Diese Antwort Erez Israels und der jüdischen Welt ist für uns Trost und Erhebung. Sie ist zugleich für uns heilige Verpflichtung: Unser Werk, lebend in den treuen Händen unserer Ersten im Lande, getragen von der Liebe und der Kraft des jüdischen Volkes, geht weiter. Brutale Gewalt konnte mühselig aufgebaute Werte zerstören, kostbare Menschenkraft vernichten — wir werden Sühne und Ersatz dafür fordern, wir werden den geschädigten und heimlosen Brüdern Hilfe leisten — aber unser Werk geht weiter. An die Arbeit für das nationale Heim, ohne Verzug, in erhöhter Bereitschaft, mit vervielfachter Energie und mit vergrößerten Zielen: dieses ist unsere Verpflichtung. Sie weist uns klar unsere Aufgabe zu: wir sollen und müssen einer neuen, verstärkten Einwanderung die Bahn bereiten. Viele Tausende von Chahizim in den Ländern der Galuth warten arbeits- und opferbereit nur auf den ersten Ruf, und das Land wartet auf sie. Ein großzügiger Kolonisationsplan soll unmittelbar in die Wege geleitet werden, der es möglich macht, die Ackerbau- und Pflanzungskolonien zu verstärken und sie mit einemRing von Arbeitersiedlungen zu umgeben, die Tausenden von Arbeitern Gelegenheit zur dauernden Seßhaftmachung schaffen sollen. Das ist die wahre Hilfe, die wir in dieser Stunde dem Jischuw zu bringen geloben. Hilfe durch Aufbau, Stärkung, Ermutigung und Sicherung durch jüdische Arbeit, durch eine schnelle und umfassende Vergrößerung und Festigung unseres Kolonisationswerkes. Hilfe durch Aufbau! Mit dieser Losung wenden wir uns an das jüdische Volk. Zuerst an alle, die im Lager Zions stehen. Vor wenigen Wochen erst ist in Zürich in starker, begeisterter Stimmung der Bund für Erez Israel geschlossen worden. Er verlangt jetzt im ernstesten Augenblick eine Besiegelung durch vereinte Leistung, würdig der großen Verantwortung. Hilfsaktionen genügen nicht, sie müssen unverzüglich übergeleitet werden in die Arbeit des Keren Hajessod und die große Tischri-Aktion des Keren Kajemeth. Aufbaufonds und Landfonds sind und bleiben die Grundpfeiler des jüdischen nationalen Heims. Ungesäumt und mit höchster Opferwilligkeit müssen den beiden Fonds die großen Mittel zugewandt werden, die das neue Werk erfordert. Nicht nur die Augen unserer Brüder und Schwestern in Erez Israel, die Blicke der ganzen Welt sind jetzt auf uns gerichtet. Wir haben Erez Israel zu beweisen, wie tief wir unsere geschichtliche Verbundenheit mit ihm, seinen Menschen und seiner Zukunft empfinden. Der Welt aber haben wir zu zeigen, da wir die uns im Mandat durch den Völkerbund feierlich verbrieften Rechte voll beanspruchen, daß wir sie nutzen wollen für ein Werk von historischer Größe, für ein Werk nationaler Renaissance, für ein Werk des Friedens und des Fortschritts der Menschheit. Die Jewish Agency für Palästina Chaim Weizmann Präsident London, 22. September 1929 Melchett Vorsitzender des Councils