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Das jüdische Echo · 1929-09-20 · 24 (20.9.1929) Der letzte Waldjude · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
24 (20.9.1929) Der letzte Waldjude
Date
1929-09-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS, DER LETZTE WALDIUDE VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Dr. Präger, Pressedienst, Wien-Berlin 23. Fortsetzung Gesenkte Augen In Reb Dowidls Wohnung war es noch finster. Nur auf den Scheiben eines Fensters spiegelten sich die Flämmchen wieder, die aus einem alten polnischen Kachelofen kamen. Vor dem Kachelofen lag auf einer weichen Ottomane Duszka, Daniel Eibenschitz’ Frau, in einem dunkelroten Sammetschlafrock, dessen Schleppe in Falten auf den Boden fiel. Faul wie eine Katze, dehnte sie sich im roten Scheine des Feuers in den Kissen und schmiegte-sich an Riwkele, die in ein Wintertuch gehüllt neben ihr saß und sehnsüchtig ins Feuer schaute. Die dicken Wände und die schweren tiefen Teppiche auf dem Boden saugten das Knistern des Feuers ein, und auch die menschliche Stimme wurde ganz anders, sie klang, als käme sie aus dem Boden. Duszka legte ihre Stirnhaube ab; dichte, kurzgeschorene Locken kamen zum Vorschein und gaben ihrem Kopf etwas Knabenhaftes. Duszka umschlang Riwkele, grub die eine Seite ihres Gesichtes in ihren Schoß und flüsterte unaufhörlich: „... ich habe es so gern, wenn du mich kämmst... leichter, leichter, so! Weißt du was? Kämme mich mit den Fingern...“ Sie nahm Riwkeles Finger und führte sie über Kopf und Hals, bei jeder Berührung schloß sie halb die Augen und fuhr zusammen, als hätte sie glühendes Eisen berührt. „Ist dir kalt?“ fragte Duszka. „Ja, so kalt, ich weiß nicht warum!“ „Drück’ dich fest an mich, ich will dich wärmen! Deine Finger sind eiskalt... ach, das kühlt... weißt du, Riwkele, ich habe es so gern, wenn wir allein bleiben, ganz allein.. wir müssen einmal alle Türen und die Fensterläden schließen und alle Öfen heizen, im Dunkeln sitzen so wie jetzt, und du, mein Lieb, wirst mir das Haar kämmen ... leichter, leichter ... ich werde sie nicht mehr abschneiden, Daniel sagt auch, ich möge sie wachsen lassen.“ „Wer, Daniel?“ fragte Riwkele verwundert. „Erinnerst du dich, was für Haar ich als Mädchen gehabt habe? Es wird wieder nachwachsen, so lang“ — ihr nackter Arm fuhr bis zu den Fußknöcheln —. „Wie gefällt dir die Stirnhaube, die mir Daniel mitgebracht hat?“ „Die mit den Granaten?“ „Ja, die Granaten sind rot, fast wie Blut, und wenn ich die Haube anziehe, kommt es mir vor, als würden meine Haare rot. Möchtest du rote Haare haben? Ich möchte so gerne rote Haare haben, feuerrote so wie die Flammen im Ofen. Siehst du? Daniel sagt, ich hätte rotes Haar haben müssen, langes rotes Haar, hi, hi, hi!“ „Ach, deshalb kleidest du dich in Rot?“ Duszka antwortete nicht; sie erhob sich, versteckte die Füße unter dem Schlafrock, streckte den Hals ein wenig .empor und vom roten Scheine des Feuers übergossen sprach sie leise und geheimnisvoll. „Niemand darf davon wissen, Riwkele, auch der Großvater nicht.. „Wovon?“ „Daß er zwischen uns ist.“ „Wer?“ Duszka antwortete nicht sofort, sie beugte sich noch tiefer zum Feuer und sprach noch leiser: „Purpur wird er tragen, feurigen Purpur.“ „Was wird er tragen?“ Hastig trat Duszka zum Ofen und mit einer Miene, als hätte sie etwas in die Flammen geworfen, lachte sie merkwürdig grell auf: „Hi, hi, hi! Feurigen Purpur wird er tragen, hi, hi, hi!“ „Ich habe es nicht gerne, wenn du so lachst,“ Riwkele zog sich von der Schwester zurück, „laß mich los, Duszka, ich will Licht machen.“ „Kein Licht, Riwkele, kein Licht... es ist mir so wohl, wenn es dunkel ist, ich wollte, es wäre immer Nacht, du nicht? Der Tag ist eine Qual für mich. Männer gehen in einem fort hin und her, und ich hasse Männer, ich hasse furchtbar gesunde schöne Männer; Riw-

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