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Das jüdische Echo · 1929-09-06 · 36 (6.9.1929) · p. Seite 539

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
36 (6.9.1929)
Date
1929-09-06
Page
Seite 539 (sequence 16)
Language
German
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Das Jüdische Echo 539 Nr. 36 wirkend, nie aber zurückweichend, dringt er mit seinen wohlüberlegten Gedanken vor. Früh ward bei ihm das Bedürfnis nach tief eingreifenden Reformen geweckt, und im Verborgenen reifte verheißungsvolle Saat für eine neue Entwicklung. Es ist Moses Mendelssohn gelungen, die Aufgabe und das Ziel der Haskala zu erreichen und durch sein Werk im Juden zugleich die Teilnahme an den Werken der Menschheit, wie auch an seinem eigenen nationalen Leben zu wecken. Er hat damit ihre Rechte, als freie, gleichberechtigte Bürger der menschlichen Gesellschaft auftreten zu dürfen, dargetan. Von innen heraus mußte dieser Geist den Juden frei machen und Moses Mendelssohn übernahm es, wenn auch spät, ihr Lehrer zu werden. Durch die Übersetzung der Thora, der Psalmen und noch anderer Teile der Heiligen Schrift ins Deutsche erreichte er, daß der Lehrinhalt des Judentums von neuem zum Gegenstände des Forschens wurde und so zu neuer Erkenntnis führte. Zugleich aber wurde damit den profanen Kenntnissen der Weg geebnet. Aber nicht allein die Übersetzung war es, die nun solche Wirkung auszuüben vermochte, vielmehr sollte dazu der hebräische Kommentar beitragen, den Mendelssohn seiner Übersetzung hinzufügte, ein Kommentar, welcher den einfachen Wortsinn erklärte und die Regeln der Grammatik enthielt. Dadurch ist wiederum eine Anregung gegeben worden, in welcher Weise man fortzufahren habe. Schonend nahm auch hier Moses Mendelssohn auf die Gewohnheiten und auf das Überlieferte Rücksicht, um keine Gefühle zu verletzen. In der Einleitung zu seiner Bibelübersetzung erzählt er uns, wie der Unterricht seiner Söhne ihn zu seiner Übersetzung veranlaßt habe. Belehrend zählt er die früheren Übertragungen des Alten Testamentes in verschiedene Sprachen auf und bemerkt, daß seit 1679, als die Bibel mit einer jüdisch-deutschen Übertragung von Rabbi Josel Witzenhausen zu Amsterdam erschien, sich jüdischerseits niemand gefunden habe, um die Heilige Schrift für die heranwachsende jüdische Jugend zu bearbeiten. Er weist ferner auf die daraus hervorgehenden Übel hin, wenn das heranwachsende Geschlecht gezwungen sein würde, sich Belehrung aus Bearbeitungen von Gelehrten anderer Bekenntnisse zu holen, die die jüdische Tradition nicht berücksichtigen. Doch scheut sich Mendelssohn nicht, auch Arbeiten christlicher Gelehrter gelegentlich zum Studium zu empfehlen, namentlich Eichhorns Einleitung zum Alten Testament, was bei Berücksichtigung der damals herrschenden Ansichten als eine mutige Tat angesehen werden darf. Diese historisch-belehrende Übersicht schließt mit einem ausgezeichneten „Abriß der hebräischen Grammatik“, der das Studium der hebräischen Sprache anregen soll, die damals aus den jüdischen Kreisen völlig verdrängt war. Moses Mendelssohns Übersetzung, die Frucht einer zehnjährigen Tätigkeit (1773—1783), ist durchwebt vom Geist der strengen Rechtgläubigkeit, gepaart mit dem Streben der Gründlichkeit und Klarheit des Ausdrucks, was ja seine Absicht war: die Erklärung der Heiligen Schrift nach dem natürlichen und einfachen Wortsinn aus den großen jüdischen Kommentatoren zu sammeln, die bisher als Führer in der Erklärung der Heiligen Schrift gedient hatten. Wir sehen also, welcher Art das Werk Mendelssohns war und welche Dienste er damit der Verbreitung der Haskala unter den Juden geleistet hat, wie grundlegend und bedeutungsvoll dies alles zu jener Zeit gewesen sein muß, selbst auch dann, wenn wir wissen, daß die Jünger und Freunde Mendelssohns ihm dabei tatkräftig zur Seite standen. Es ist kaum nötig noch hinzuzufügen, wie sehr dieses Werk Mendelssohns bei den Juden auch den Sinn für ihre nationale Bildung weckte und zu gründlichen biblischen Studien anregte. Gleichzeitig aber konnte auf diese Weise auch die deutsche Sprache erlernt werden, was weiterhin die Möglichkeit gab, in die verschiedensten Zweige der allgemeinen Kultur und Zivilisation einzudringen. Dadurch wurde auch die ästhetische Bildung der Juden gefördert, was bis dahin bei dem völlig korrumpierten jüdischen Unterrichts- und Erziehungswesen undenkbar war. Die von Moses Mendelssohn genährte Bewegung breitete sich überallhin aus, wo Juden in größerer Anzahl wohnten. Die geistige Sklaverei, aus der Moses Mendelssohn die Juden erlösen wollte, ist nach langen, bis in die neueste Zeit hineinreichenden Kämpfen, in großem Umfange beseitigt worden, wodurch das von Mendelssohn und den Maskilim verfolgte Ziel erreicht wurde. Seine begonnene heilige Arbeit wurde von seinen Schülern in mannigfacher Weise weitergeführt. Die Bibelübersetzung wurde fortgesetzt und 1805 waren schon sämtliche Bücher nebst Kommentaren herausgegeben und die erste hebräische Zeitschrift „Ha’meassef“ wurde verlegt. Der große Geist Moses Mendelssohn vermochte es, eine Verbindung des uralten Geistes des Judentums mit dem Aufklärungsgeiste der neuen Zeit herbeizuführen, ohne dabei etwas von den überlieferten Werten des Judentums aufzugeben. Bei Moses Mendelssohn war die Synthese: Judentum und Europäertum vorbildlich und konfliktfrei verwirklicht. Seine Nachkommen aber verloren den Zusammenhang mit der Quelle und das wurdeihnenzumVerhängnis. Bei seinen Nachfolgern fehlten diese göttlichen Werte der Urquelle, und sie verzichteten auf das Judentum, weil für sie diese Synthese aus Unkenntis des jüdischen Elements untragbar schien, und weil sie sich selbst der Fortsetzung dieses Werkes nicht gewachsen fühlten. Den Verzicht zogen sie dieser hohen Aufgabe vor und so bietet das deutsche Judentum im Beginn des 19. Jahrhunderts, den Anblick eines unheilbar erkrankten Organismus, der Schwächung auf Schwächung erleidet, vor allem deshalb, weil ihm der Wille zum Leben fehlt. Aber auch diese Konstellation änderte sich und heute vollzieht sich insofern ein erfreulicher Umschwung, als durch die Belebung der hebräischen Sprache die Werte des Judentums wiederum in seiner Ursprache, d. h. an seiner Quelle erkannt werden. Die Mendelssohnsche Synthese erlebt dadurch, wenn auch in umgekehrter Reihenfolge, in unseren Tagen ihre Wiederkehr. J ubiläu msausgabe von Moses Mendelssohns gesammelten Schriften Berlin, 9. August. (JTA.) Das Mendelssohn- Komitee zur Herausgabe von Moses Mendelssohns gesammelten Schriften (Prof. Dr. M. Sobernheim, Prof. Dr. Ismar Elbogen, Prof. Dr. Julius Guttmann, Direktor Oskar Wassermann) teilt mit: Moses Mendelssohn gehört in der Geschichte

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