Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 35 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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526 Das Jüdische Echo Nr. 35 Die Schlußfolgerungen von Prof. Rappard Der Berichterstatter über alle diese Petitionen, Prof. Rappard, unterbreitet die folgenden zwei Schlußfolgerungen. 1. Es ist wünschenswert, daß beide Parteien unter sich zu einer Übereinstimmung gelangen; solte sich dies als unmöglich erweisen, so müsse die Mandatarmacht strenge über den Status quo wachen. Eine Definierung des Status quo liegt nicht in der Kompetenz der Mandatskommission. 2. Indem die Kommission die Erklärungen der Mandatsregierung hinsichtlich des Expropriationsgesetzes zur Kenntnis nimmt, stellt sie fest, daß nach dieser Richtung keinerlei Grund zu Argwohn seitens der Petitionäre besteht. Der holländische Vertreter Van Rees wollte, daß die Stelle betreffend Status quo gestrichen werde, damit nicht der Eindruck erweckt wird, daß die Kommission den britischen Status-quo- Standpunkt zu dem ihren macht. Es ist eine Frage, führte der holländische Vertreter weiter aus, ob das seinerzeitige Verbot der türkischen Regierung, Bänke aufzustellen, eine Grundlage für einen Status quo bietet. Artikel 13 des Mandats verpflichtet die britische Regierung im allgemeinen, die Rechte auf die heiligen Plätze und den freien Zutritt zu denselben zwecks Ausübung des Kultes 'zu sichern. Ein Eigentumsrecht wird dadurch nicht verletzt. Die türkische Regierung, die seinerzeit das Verbot erließ, war ja berechtigt, später ihr eigenes Verbot zu ändern; warum soll dies nicht die Palästinaregierung tun können? Auf Vorschlag des französischen Vertreters wurden die Worte „Status quo“ durch die Worte „jetziger faktischer Zustand“ ersetzt. Auf der Tagesordnung der Session stand auch die Behandlung der Petition des Waad Leumi, in welcher gegen die britische Auffassung des Status quo polemisiert und Anspruch auf erhöhte Rechte für die Juden erhoben wird. Auf telegraphischen Wunsch des Waad Leumi wurde die Behandlung der Petition bis zur Vorlegung weiteren Materials vertagt. Der Völkerbundsrat wird sich mit dem Problem in seiner am 30. August beginnenden Session zu beschäftigen haben. Brief aus Nürnberg Nürnberg, 20. August. Der nationalsozialistische Parteitag ist vorüber und die Hakenkreuzler-Helden sind wieder abgezogen, nachdem sie die Stadt drei Tage lang terrorisiert hatten. — Ihr Hauptquartier, geschmückt mit Hakenkreuzfahne und -schildern; „Juden ist der Eintritt verboten“, war 'der Kulturverein, in dem alljährlich an den hohen Feiertagen der Filialgottesdienst der Nürnberger Gemeinde abgehalten wird. Angesichts dieser Vorfälle bemächtigte sich der jüdischen Gemeinde große Erregung. Weiteste Kreise erklärten es für unwürdig, den Kulturvereinssaal ferhin für den jüdischen Gottesdienst zu benutzen. Aus diesem Grunde hatte der Gemeindevorstand eine außerordentliche Gemeindesitzung einberufen, zu der Herr Rabbiner Dr. Heilbronn eingeladen wurde. In einer eineinhalbstündigen Debatte wurde die Frage nach allen Seiten hin erwogen. Niemand verkannte, daß die Abneigung gegen den Kulturvereinssaal durchaus begründet ist. Die Frage ist auch keineswegs jetzt erst aufgetaucht; sie bestand in größerer oder geringerer Schärfe in jedem Jahr seit Kriegsende und ist durch den Hakenkreuzlertag besonders akut geworden. Überdies ■ist es schon an sich eine heikle Sache, in einem Saal Gottesdienst abzuhalten, in dem die größten Faschingsbälle stattfinden. Trotzdem ergab die Aussprache, daß sich zurzeit keine andere Lösung finden läßt, da abgesehen von dem viel zu weit gelegenen Tiergartensaal kein anderer genügend großer Saal vorhanden ist, zudem auch gegen einen Teil der anderen Säle dieselben Bedenken bestehen, wie gegen den Kulturvereinssaal. Es bleibt eine dringende Aufgabe der jüdischen Kultusgemeinde, kein Mittel unversucht zu lassen, um diesem überaus unerfreulichen Zustande sobald wie möglich abzuhelfen. Gemeindenu. Vereins-Echo Der Berichterstattung über die Ereignisse in Palästina wegen entfällt in dieser Nummer die Romanbeilage. Hebräische Sprachkurse München. Am Montag, dem 2. September wird das Sommersemester fortgesetzt. In sämtlichen bestehenden Kursen werden neue Schüler angenommen. Interessenten werden gebeten, sich möglichst bald im Unterrichtslokal, Herzog-Rudolf-Straße 1, von 3 bis 6 Uhr (Tel. 29 74 49) anzumelden. Gesuche um Ermäßigungen sind zu Händen des Herrn Paul Grünbaum, Rothmundstraße 6, zu richten. Bis der neue Winterstundenplan festgelegt wird, bleibt derselbe vorerst wie am Anfang des Semesters, und zwar: Der Stundenplan ist folgender: Mo 6.45—8 Uhr morgens Kurs I - 8.30—9.30 abends Kurs II - Di 6.45-8 Uhr morgens Kurs VI 2-4 K- J. V. Kurs 5-6.30 nachm. Kinderkurs II 7.30-8.30 abends Kurs IV Mi - 3.45-5 nachm. Anfängerkinderkurs 5-6.30 nachm. Kinderkurs I 7 30-9.30 abends Kurs V Do 6.45-8 morgens Kurs VI - 7.30-8.30 abends Kurs II 8 30-9.30 abends Kurs I Fr 6.45—8 morgens Kurs IV - - - Bar Kochba, München. Der für 1. September angesagte Jugendsiebenkampf wurde vom Verband auf 7. bis 8. September verlegt. Die Wettkämpfe finden auf dem DSV.-Platz, Marbachstraße, statt. Die Jungmannschaft wird aufgefordert, die letzten Trainingsmöglichkeiten, Dienstag und Donnerstag auszunützen. — Das Handballwettspiel unserer I. Mannschaft gegen 1860 Res. wurde als Verbandstreffen. abgesagt. Morgen vormittags 10.15 Uhr findet auf dem Arnulfplatz das fällige Wettspiel gegen Postsportverein statt. Die Mannschaft: Kornhauser Orljansky Renka Jericho Schneuer Felsen Eisenmann Fleischer Gröbel Kalter Spielmann trifft sich punkt 10 Uhr auf dem Sportplatz. Dreß: weißes Trikot, blaue Hose. Die Leitung.