Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 34 (23.8.1929)
- Date
- 1929-08-23
- Page
- Seite 510 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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510 Das Jüdische Echo Nr. 34 Am 2. August abends stürmten in Slobodka bewaffnete Faszisten die Wohnungen von Juden und schlugen auf die anwesenden Familienmitglieder ein. Auch nach diesen Ausschreitungen, an denen sich Polizisten direkt beteiligten, zählte man mehrere Schwerverletzte. Einige bekannte jüdische Persönlichkeiten Kownos versuchten, bei hohen Regierungsstellen zu intervenieren und um Maßnahmen zur Herstellung der Ordnung zu bitten; sie wurden aber nicht empfangen. Neue mohammedanische Ausschreitungen an der Klagemauer Neuer Überfall auf Juden an der Klagemauer Berlin, 16. August. (JTA.) Ein aus Jerusalem eingetroffenes Telegramm besagt, daß es am Vorabend des Geburtstages Mohammeds an der Klagemauer abermals zu einem Zwischenfall kam. Mohammedaner überfielen zwei Juden, die dort beteten und mißhandelten einen schwer. Die wenigen an der Tempelmauer stationierten Polizeikräfte konnten den Überfallenen bei der Übermacht der Angreifer nicht zu Hilfe eilen. Die Stimmung in der Stadt ist sehr erregt. Jerusalem, 18. August. (JTA.) über den neuesten Klagemauerzwischenfall, der sich am letzten Freitag abend (16. August) abgespielt hat, ist noch zu berichten: Während des Freitag-Abendgottesdiensles an der Klagemauer fielen etwa hundert zum Teil mit Messern bewaffnete Araber über die betenden Juden den Status quo an der Klagemauer, wie er in Gebetbücher (Sidurim) aus den Händen und zerrissen sie. Zwei Juden erlitten schwere Verletzungen. Charakteristisch ist, daß die Araber durch das mit Bewilligung der Regierung neu eröffnete Tor an der Klagemauer, das einen Zugang zur Omar-Moschee bildet, auf den Platz vor der Klagemauer eingedrungen sind. 10 000 Juden marschieren anläßlich des Tischa b’Ab zur Klagemauer Jerusalem, 16. August. (JTA.) Wie alljährlich am neunten Ab, veranstaltete die Jerusalemer traditionstreue Judenheit auch in diesem Jahre einen Pilgerzug zur Klagemauer. Im Hinblick auf die unter der Judenheit herrschende Erbitterung wegen der Verletzung ihrer Rechte und der wiederholten Störungen der Andacht an der Klagemauer gestaltete sich der diesjährige Pilgerzug zu einer machtvollen, wenn auch stummen Protestaktion. Etwa 10 000 Juden schritten im Zuge. Die Ordnung war mustergültig, so daß die Demonstration ohne jeden Zwischenfall verlief. Am Tage vorher hatte der Distriktskommissar von Jerusalem, Major Keith-Roach, dem Oberrabbiner Kook mitgeteilt, daß im Zusammenhang mit dem Pilgerzug Unruhen stattfinden könnten. Oberrabbiner Kook erwiderte, wenn nur die Polizei für Ordnung sorgt, könne nichts passieren, da seitens der Judenschaft eine Störung der Ordnung in keiner Weise zu erwarten ist. Der Distriktskommissar und der Polizeiinspektor von Jerusalem hatten sich persönlich an der Spitze eines Aufgebots von mehreren hundert Polizisten, darunter eines Trupps berittener Polizei, in der Gegend der Klagemauer eingebunden, um die Aufrechterhaltung der Ordnung zu überwachen. In Tel-Awiw formierte sich nach Abhaltung der I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten, KostUmstickareien?BurgstraBe 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 Trauergebete ein großer Zug, der sich auf das Stadthaus zu bewegte. Eine Abordnung der Demonstranten überreichte dem Stadtamte die Forderung der Judenschaft wegen Schutz ihrer Rechte an der Klagemauer. Eine Jugenddemonstration Jerusalem, 16. August. (JTA.) Am Tischa b’Ab, dem 15. August, nachmittags, zogen mehr als zweitausend jüdische junge Leute, unter ihnen Delegationen aus Tel-Awiw und den jüdischen Kolonien, mit zionistischen Fahnen durch die Straßen Jerusalems, um für die Rechte der Juden auf die Klagemauer und gegen die die jüdischen Rechte beinträchtigende Haltung der Regierung zu demonstrieren. Aus der jüdischen Welt Moses-Mendelssohn-Stiftung der Nachkommen Berlin, 15. August. (JTA.) Anläßlich der 200. Wiederkehr des Geburtstage^ Moses Mendelssohns am 6. September d. J. haben die Nachkommen Moses Mendelssohns, an der Spitze der Berliner Handelskammerpräsident Franz von Mendelssohn, beschlossen, eine Moses-Mendelssohn-Stiftung ins Leben , zu rufen. Sie haben zu diesem Zweck den Betrag von 250 000 RM. zur Verfügung gestellt. Die Zinsen der Stiftung sollen zur Förderung wissenschaftlicher Zwecke Verwendung finden. Dem Verwaltungsrat der Stiftung werden Gelehrte wie Adolf Harnack und andere angehören. Die Stiftung wird ihren Sitz in Dessau, der Geburtsstadt Moses Mendelssohns, haben. Die Stadt Koswig ehrt ihren großen Sohn Hermann Cohen Berlin, 16. August. (JTA.) An dem Geburtshaus des im Jahre 1918 gestorbenen Begründers der „Marburger Schule“, des Philosophen Hermann Cohen, hat die Stadt Koswig eine Inschrift anbringen lassen. Ferner wird im Rathaus eine Erinnerungsplakette ihren Platz erhalten, die von dem Bildhauer Illemann stammt. Das Hitlerblatt teilt mit, daß sich in Zürich eine „Jüdische Weltregierung“ gebildet hat München, 18. August. (JTA.) Der „Völkische Beobachter“ schreibt, daß „am Mittwoch auf dem all jüdischen Kongreß in Zürich eine der weltpolitisch wichtigsten Beschlüsse gefaßt wurden“, indem vor rund viertausend Kongreßteilnehmern „die Einigkeit aller Juden in aller Welt auch nach außen hin verkündet“ wurde. Das Hitlerblatt fügt hinzu: „Diese Kundgebungen sind derart eindeutig, daß alle bisherigen jüdischen Ableugnungsversuche einer alljüdischen Weltpolitik durch diesen Kongreß selbst als bewußte Lügen gebrandmarkt worden sind. Man sucht noch einen letzten verhüllenden Schleier über die ganze Sache zu breiten, indem man erklärt, es handle sich um Palästinafragen, in Wirklichkeit handelt es sich jedoch um eine zentral geleitete jüdische Weltpolitik, und es ist bezeichnend, daß kein einziger Staat sich dieser Querverbindung durch alle Völkerinteressen zu widersetzen wagt.... Der Kongreß zu Zürich 1929 bestätigte die angefeindeten Protokolle der Weisen von Zion von 1897.“ (Dieser Kommentar zur Agency-Tagung durfte nicht fehlen. Die Schriftl.) Das neue zionistische Aktions-Komitee konstituiert sich Zürich, 15. August. (JTA.) Das vom 16. Zionistenkongreß neu gewählte Aktionskomitee hat in Zürich seine erste konstituierende Sitzung abgehalten. Zum Präsidenten des Aktionskomitees wurde Leo Motzkin wiedergewählt. Zu Vizepräsidenten wurden