Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 33 (16.8.1929)
- Date
- 1929-08-16
- Page
- Seite 499 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 499 Auf Vorschlag von Frau Per sitz wird eine Begrüßungsresolution an die „Habimah“ per Akklamation angenommen. Eine die verfolgten Zionisten Rußlands betreffende Resolution wird auf Antrag Arlosoroffs bis zum Bericht der politischen Kommission, die sich ebenfalls mit dieser Frage befaßte, zurückgestellt. Kommissionspräsident Dr. Ringel referiert über die Resolutionen der politischen Kommission. Diese betonen die Notwendigkeit einer aktiven Beteiligung der Palästinaregierung am jüdischen Aufbauwerk im Geiste des Mandats und üben an der Verwaltungspraxis in Palästina, namentlich hinsichtlich der Einwanderung und den behördlichen Verfügungen in der Frage der heiligen Stätten Kritik. Die Regierung wird zu einer systematischen Förderung der Industrie, zur Unterstützung der Bildung von geschlossenen jüdischen Siedlungen, zu einer den wirtschaftlichen Interessen des Landes förderlichen Eisenbahnpolitik, einer gerechteren Beteiligung der Juden an der Polizei, Verbesserungen im Gefängniswesen sowie zur Durchführung der tatsächlichen Gleichberechtigung der hebräischen Sprache aufgefordert. In einer besonderen Resolution erhebt der Kongreß Protest gegen die Unterdrückung der jüdischnationalen Bestrebungen, der hebräischen Sprache und Kultur und der jüdischen Religion in Rußland, begrüßt die russischen Zionisten, die dem zionistischen Ideal trotz Verfolgungen treu bleiben und fordert die Exekutive auf, zu ihren Gunsten eine Aktion vor der öffentlichen Meinung der zivilisierten Welt durchzuführen. In einer weiteren Resolution wird die Bedeutung von Anleihen für den Palästinaaufbau unterstrichen und die Exekutive und eine Anleihekommission mit der Leitung dieser Aktion beauftragt. Ferner wird die Exekutive auf gefordert, einen umfassenden Arbeitsplan für mehrere Jahre auszuarbeiten. In der Frage des Kotei Maarawi wird festgestellt, daß die Proteste in der jüdischen Welt lediglich der Ausdruck der unerschütterlichen Forderungen der Juden nach unbehinderter Ausübung des Gottesdienstes an einem durch die Tradition vieler Jahrhunderte geheiligten Ortes seien, da dieses Recht den Juden durch das Mandat verbürgt ist. Alle diese Anträge der Resolutionskommission werden angenommen. Uber die Amendements der Revisionisten, die sich auf Immigration, Polizei und Industrie beziehen, schreitet der Kongreß auf Antrag Arlosoroff zur Tagesordnung. Nach einer halbstündigen Pause richtet Präsident S o k o 1 o w eine kurze Ansprache an den Kongreß, worin er sich gegen die Befürchtung wendet, dieser Kongreß sei der letzte, und ihn im Gegenteil als den ersten Kongreß einer neuen Epoche bezeichnet. Gleichzeitig wiederholt er seine bereits einmal vor schwach besetztem Hause abgegebene Erklärung, daß, nachdem alle Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt seien, die Überführung der Gebeine Herzls baldmöglichst vorgenommen werden würde. Die Vorschläge des Permanenzausschusses zu den Wahlen erstattet dessen Vorsitzender Mossimon. (Die Ergebnisse siehe oben.) Hierauf schließt Vorsitzender Motzkin den Kongreß mit einem Dank an die Behörden und anderen schweizerischen Institutionen, die Presse, die Leiter des Kongreßbüros, den Präsidentschaftssekretär, an die Besucher, die bis zuletzt ausgehalten haben, sowie an die Ordner. Im Namen des Kongresses dankt Dr. Klee dem Vorsitzenden Motzkin für seine hervorragende und immer unparteiische Leitung der Verhandlungen. Vorsitzender Motzkin entbietet dem Präsidenten Weizmann die herzlichen Wünsche des Kongresses zu seiner völligen Genesung. Damit ist der 1'6. Kongreß geschlossen. Die Kongreßteilnehmer singen stehend die Hatikwah. (Ein zusammenfassender Artikel über die Ergebnisse des Kongresses und der Agencytagung wird in der nächsten Nummer erscheienen. D.Red.) Aus der jüdischen Welt Der Verlauf des internationalen jüdischen Sportfestes Berlin, 13. August. (JTA.) Das aus Anlaß der Verfassungsfeier am Sonntag nachmittag im Poststadion unter dem Protektorat der Berliner Jüdischen Gemeinde stattgefundene jüdische Sportfest nahm einen sehr interessanten Verlauf. Etwa sechstausend Zuschauer, unter ihnen zahlreiche führende Persönlichkeiten des jüdischen Lebens, hatten sich eingefunden, die mit gespanntem Interesse den leichtathletischen Klubkämpfen Hakoah (Wien) und Hagibor (Prag) gegen Bar-Kochba (Berlin) um den Preis des Makkabi-Weltverbandes und dem Fußballkampf Makkabi (Paris) gegen Hakoah (Berlin) folgten. Sehr interessant verliefen die Rahmenkämpfe, unter denen Staffeln des R.J.F. (Berlin) und Bar- Kochba (Leipzig) sich hervorragend beteiligten. Nach dem Aufmarsch sämtlicher Teilnehmer würdigte namens der Reichs- und Staatsbehörden sowie der Stadt Berlin Ministerialrat Dr. Mallwitz die Bedeutung der Reichsverfassung, erklärte, er fühle sich unter den ausgezeichneten jüdischen Sportlern wohl und schloß mit einem Hoch auf die deutsche Republik, in das alle Anwesenden einstimmten, woraufhin das Deutschlandlied von der mehrtausendköpfigen Menge stehend gesungen wurde. Der Vorsitzende des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, Direktor Georg Kareski, würdigte den freiheitlichen Geist von Weimar und die Verfassung, die allen Deutschen Gleichberechtigung gebe und auch die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft sichere, und erklärte, daß das Judentum nach wie vor zur Weltgeltung Deutschlands und zur internationalen Völkerverständigung beitragen werde. Er begrüßte die jüdischen Sportler aus Deutschland und dem Auslande und versicherte, daß sich die jüdische Gemeinde stets für die körperliche Ertüchtigung der Juden einsetzen werde. Jerusalemer jüdische Schülerinnen in Hebron von Arabern überfallen Jerusalem, 5. August. (JTA.) Eine Gruppe Schülerinnen der jüdischen Mädchenschule in Jerusalem, die sich mit den Lehrerinnen nach Hebron begeben hatte, um die Höhle Machpelah, die Begräbnisstätte der Erzväter und Erzmütter zu besuchen, wurde auf dem Wege zur Höhle von einer Gruppe arabischer Burschen überfallen. Die Araber eröffneten gegen die Mädchen ein Steinbombardement, einer von ihnen schlich sich an die Mädchengruppe heran und setzte die Kleider einer der Schülerinnen in Brand. Eines der Mädchen wurde verschleppt und konnte erst nach großen Anstrengungen den Händen der Räuber wieder entrissen werden. Die Schülerinnengruppe verließ Hebron, ohne Machpelah besucht zu haben. Spenden-Ausweis Münchener Spendenausweis Nr. 33 vom 6. August bis 13. August 1929 Gesamtsumme seit 1. Oktober 1928 RM. 6187.57. B ä um e. Otto-Hirsch-Garten: Anl. des 25. Geburtstages von den Ellern und dem Bruder 3 B. — 18.—.