Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1929-08-09 · 32 (9.8.1929) · p. Seite 486

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
32 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
Seite 486 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103083-9176039--09687-9082596
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

486 Das Jüdische Echo Nr. 32 als Vertreter des lettländischen Judentums gewählt. Zu seinen Stellvertretern wurden gewählt Professor P. Minz von der Rigaer Universität und der frühere jüdische Minister der Ukraine W. Latzki-Bertholdi, Redakteur der Zeitung „Frimorgn“. Der Vertreter Estlands und Finnlands Reval, 31. Juli. (JTA.) Zum Vertreter der Judenschaft Estlands und Finnlands im Council der Jewish Agency wurde der Vorsitzende des jüdischen Kulturrates in Estland, Herr Eisenstadt, gewählt. Aus der Jüdischen Welt Tagung des internationalen Rates des Verbandes Ort Berlin. Dr. Henry Moskowitz, der Vorsitzende der Exekutive von „Ort“ in Amerika, eröffnete am Sonntag, dem 21. Juli, die Session des internationalen Rates des Verbandes zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden „Ort“, bei Anwesenheit von etwa 30 Mitgliedern des Rates, die sämtliche Länder Osteuropas und die Vereinigten Staaten Amerikas repräsentieren. Dr. Leo Bramson begrüßte die Session im Namen der Zentralverwaltung und führte aus, daß die Gesellschaft „Ort“ an einem wichtigen Wendepunkt angelangt ist. Die Tätigkeit des Verbandes, die bis jetzt sich hauptsächlich auf die landwirtschaftliche Kolonisation und die berufliche Ausbildung konzentrierte, muß jetzt durch eine ausgedehnte Aktion für die Industrialisierung der jüdischen Bevölkerung Osteuropas erweitert werden. Diese Industrialisierung ist Gebot der Stunde und soll in der neuesten Zeit in den Mittelpunkt der „Ort“-Tätigkeit gerückt werden. Die jüdische Bevölkerung Osteuropas (Polens, Litauens, Bessarabiens) wird infolge der ökonomischen Politik dieser Länder wirtschaftlich entwurzelt und einer Existenzmöglichkeit beraubt. Der Deklassierungsprozeß schreitet in allen Ländern Osteuropas in raschem Tempo fort. Bramson ruft die Führer des „Ort“-Werkes zu einer erhöhten intensiven Tätigkeit auf. Der Generalsekretär des Verbandes, Herr Aronson, konnte in seinem Bericht für das Arbeitsjahr 1928/29 bedeutende Erfolge in der „Ort“-Arbeit feststellen. Die landwirtschaftliche Tätigkeit des Verbandes erstreckte sich im Berichtsjahre auf 141 Orte mit insgesamt 4727 Familien mit mehr als 20 000 Seelen. Der Gesamtumfang des Bodenbesitzes dieser Familien beträgt 39 064 Deßjatinen. Die Gesellschaft unterstützt und betreut 73 Anstalten für berufliche Ausbildung mit insgesamt 7242 Schülern. Unter den Anstalten sind: 33 Berufsschulen für Jugendliche, 31 Kurse für Erwachsene, 8 Abendschulen und ein Technikum. Die Ausgaben des Verbandes für die berufliche Ausbildung beliefen sich im Jahre 1928 auf 148 285 Dollar (gegen 79 890 Dollar im Jahre 1926 und 95 789 Dollar im Jahre 1927). Eine große Aktivität entwickelte „Ort“ zugunsten des jüdischen Handwerkertums in sämtlichen osteuropäischen Ländern. Ihre Aufmerksamkeit richtete die Gesellschaft auf die besonders akut gewordene Frage der Modernisierung und Mechanisierung des Der Ratskeller das Lokal jedes Einheimischen und Fremden. Neuer Pächter HANS FÜRST jüdischen Handwerks. Zu diesem Zwecke wird jetzt unter anderem noch eine große Handwerks-Wanderausstellung vorbereitet, die schon im Oktober 1929 ihre Rundfahrt durch Osteuropa antreten wird. Die Einkaufsgesellschaft des Verbandes „Ort“ in Berlin konnte in der ersten Hälfte des Jahres 1929 ihren Umsatz auf 1 464 000 RM. erhöhen (gegen 151 373 RM. Umsatz im Jahre 1927). Im Laufe des ersten Halbjahres 1929 wurden von der Einkaufsgesellschaft 993 Maschinen und Handwerksgeräte angeschafft. Die Verwandten-Aktion des „Ort“ war ebenfalls von Erfolg begleitet. Während der Berichtsperiode waren 1008 Maschinen im Gesamtwerte von 1 030 000' Dollar zur Versendung gelangt. Der Bericht der Zentralverwaltung befaßte sich auch mit den organisatorischen Fragen der „Ort“- bew^egung. Es läßt sich feststellen, daß der innere Bau der Organisation nicht nur im Osten, sondern auch im Westen an Umfang und Festigkeit gewonnen hat. Eine rege Tätigkeit entfaltete die Abteilung Deutschland, die heute 37 Ortsgruppen zählt. In den letzten sechs Monaten erbrachten die Sammlungen der Abteilung rund 63 000 RM. In Frankreich ist es „Ort“ gelungen, eine Reihe prominenter jüdischer und nichtjüdischer Persönlichkeiten für die „Ort“- Arbeit zu gewinnen. An der Spitze der „Ort“-Aktion stehen Leonard Rosenthal, Grand Rabbi Israel Levy, Baron Ginsburg, der sozialistische Deputierte Leon Blum u. a. m. In der Sitzung berichteten die Herren Dr. A. Singalowsky, Dr. D. Lovovitch und Dr. Henry Moskowitz über die Erfolge der „Ort“-Kampagne in den Vereinigten Staaten. Es laufen nebeneinander zwei Aktionen: die „Ort“-Kampagne für Osteuropa und die sogenannte Gewerkschaftsaktion für die deklassierten Juden in Rußland. An der ersten Kampagne ist in einem besonderen Maße die jüngere Generation der führenden jüdischen Kreise in Amerika, mit H. Coolman und Paul Felix Warburg an der Spitze, beteiligt. Die Leitung der Gewerkschaftsaktion liegt in den Händen des populären jüdischen Arbeiterführers Mr. E. Vladek. Dr. Singalowsky berichtete über die begeisterte Stellungnahme der Arbeiterschaft zu den Aufgaben der „Ort“-Gesellschaft. Trotz der schweren wirtschaftlichen Lage zeigen die jüdischen Arbeiter eine sehr große Hilfsbereitschaft. Beide Aktionen, die erst wenige Monate im Zuge sind, haben bis jetzt eine Summe von 260 000 Dollar erbracht. Dr. Moskowitz erklärte, daß das Budget von „Ort“ in Amerika auch für die nächsten fünf Jahre gesichert ist. In der Schlußsitzung, in der Justizrat Dr. Julius Brodnitz den Vorsitz führte, wurde nach zweiter Lesung das neue Eine-Million-Dollar-Budget für das Jahr 1929/30 einstimmig angenommen. Es wurden einstimmig die folgenden Persönlichkeiten in den Rat des Verbandes hinzugewählt: Howard Cullman, einer der drei Direktoren des Neuyorker Hafens, Paul Felix Warburg, Sohn von Herrn Felix M. Warburg, der amerikanisch-jüdische Arbeiterführer B. Vladek, sowie Dr. Louis Boudhin, eine in jüdischen Kreisen bekannte Persönlichkeit. Alle diese neugewählten Ratsmitglieder leiten zur Zeit mit besonderem Erfolge die „Ort“-Aktion in Amerika. Der Nürnberger Hitlertag endet mit antisemitischen Ausschreitungen Nürnberg, 5. August. (JTA.) Der Reichsparteitag der Nationalsozialisten schloß mit antijüdischen Ausschreitungen ab. Gegen 6 Uhr abends veranstalteten die Hitlerleute wüste Ausschreitungen in den Hauptstraßen Nürnbergs. Besonders schlimm waren die Aufstände am Hauptmarkt, in der Theresien-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.