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Das jüdische Echo · 1929-08-02 · 18 (2.8.1929) Der letzte Waldjude · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
18 (2.8.1929) Der letzte Waldjude
Date
1929-08-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER LETZTE WALD)UDE VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz 17. Fortsetzung Beim Rathaus standen einige Juden, die Stöcke unter dem Arm, und plauderten. Zu ihnen gesellte sich ein Getreidehändler, der einen Strohhalm im Munde hielt; er zog ein farbiges Taschentuch hervor, wickelte es auf, jeder der Umstehenden nahm einige Getreidekörner, betrachtete sie und gab sein Gutachten darüber ab. Stille herrschte. Hühner spazierten faul durch den Markt und suchten mit den Füßen und den Schnäbeln Futter. Ein junger Hahn stieß ein freches Krähen aus, hob den kleinen rten Kamm und jagte einer alten Henne nach. Die Getreidehändier blickten dem Hahn, der hinter der Henne her war und mit ihr hinter der Kirche verschwand, interessiert nach. Tauben flogen herbei und unterbrachen die Stille mit ihrem Gurren; sie schwebten ruhig, sich von einer Seite auf die andere schwingend, dahin, und ihr Weiß und Grau streichelte angenehm die Augen. „Da sind wir schon!“ — sagte Schmiel und blieb mit Mordechai stehen. Sie traten in einen halbdunklen Korridor. Ein Geruch von Wein, Honig und Met schlug ihnen entgegen. Die dunklen Wände, sogar die Luft war klebrig. In der Schenke stand der Wirt, die Schöße des Kaftans in den Gürtel gesteckt und zog Wein aus einem Faß in einen Eimer ab. An der Wand hing ein verblaßter Napoleon und ein Öldruck, der zwei Jäger darstellte. Der Fußboden war blendend weiß gescheuert. Durch die offene Tür, welche in ein zweites Zimmer führte, sah man einen alten Juden, der ein Käppchen trug, mit einem polnischen Edelmann Schach spielen. Bei einem kleinen runden Tische saßen zwei Polen vor hohen Weingläsern. Schmiel und Mordechai nahmen an einem Nebentischchen Platz; als niemand kam, klopfte Mordechai auf den Tisch: „Vetter, kann man bei Euch etwas zu essen bekommen?“ „Was wollt Ihr essen?“ — Ohne sich im Weinabziehen stören zu lassen, begann der Wirt seinen Speisezettel im Singsang abzu- (Copyright 1929 by Dr. Präger, Pressedienst, Wien-Berlin leiern: „Es gibt frischgebratene Enten, ein Viertel Gans ...“ „Eine halbe Ente möchte ich!“ —■ unterbrach Mordechai den Wirt in seinem Singsang; er war auf den vollständigen Speisezettel nicht neugierig. — „Gebt auch einen Krug Wein her, herben!“ Der Wirt drehte den Hahn am Faß zu und ging aus der Schankstube; im Vorbeigehen warf er einen prüfenden Blick auf Mordechai. Ein Mädchen mit dichtem Lockenhaar, das in lachende Augen fiel, kam herein, deckte den Tisch und stellte eine gut gebräunte, dampfende Ente nieder, die den Appetit reizte. Schmiel und Mordechai stürzten jeder ein Glas Wein hinunter, rissen hastig Stücke von ihren Semmeln ab, tauchten sie in die Bratensa'uce und aßen wie nach einem Fasttage. Schmiel war bald satt und kam in gute Laune; er sah sich um, ob niemand zuhörte, und begann leise: „Weißt du, ich habe schon lange mit dir sprechen wollen, hatte aber nie Gelegenheit dazu. Ich habe schon einige Male bemerkt, daß du mir ausweichst; du wunderst dich wohl, was mit mir vorgegangen ist...“ Schmiel rückte näher und sah sich nochmals um. Seine Stirn runzelte sich fortwährend, er schien mit sich zu kämpfen, ob er sprechen sollte. „Nun denn, hör zu! Wenn du auch nicht mit dem einverstanden bist, was ich sage, so bitte ich dich, mich nicht zu unterbrechen. Ich will dich, Gott bewahre, nicht vom rechten Weg abbringen! Ich will dir nur erzählen, wie ich, dein ehemaliger Lehrer, der dich in die Chassiduth eingeführt hat, darauf gekommen bin, daß das alles Unsinn ist! Du verziehst schon jetzt das Gesicht? Du hast noch Zeit! Rabbi Meir ist auch seinem Lehrer Elischa ben Abuja nachgefolgt, über die Sabbatgrenze, als jener zu Pferde ritt; Rabbi Meir hat doch bei ihm die Thora gelernt! Warum schaust du mich so an?“ „Du vergleichst dich mit Elischa?“ „Ist das kein gutes Beispiel?“ Schmiel drückte seinen Kopf zwischen die Schultern

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