Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 30 (26.7.1929)
- Date
- 1929-07-26
- Page
- Seite 462 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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462 Nr. 30 Das jüdische Echo helfen — immer war er der gleiche mit elektrischer Energie geladene Staatsmann, immer suchte er Ziegel ohne Stroh zu machen, immer war er voller Charme, voller Vitalität und voll lächelnden Humors. Und während all dieser Zeit war er seiner königlichen Mutter und seinem edlen Vater ein ergebener Sohn, seiner lieblichen Frau ein treuer Gatte, seinen drei Kindern, die er anbetete, ein liebender Vater. Und immer war er sich bewußt, daß die Eigentümer und Herausgeber der „Neuen freien Presse“, von denen sein Unterhalt abhing, seinen Ansichten so feindlich gegenüber standen, daß während der ganzen Zeit seines Lebens nicht einmal das Wort „Zionismus“ die Spalten dieser Zeitung beflecken durfte. Wahrlich ein heldenhafter Charakter! Die Einfachheit seines Haushalts in Waehring, seine bescheidene Art zu leben, sein Entzücken bei jedem bißchen Glück, das für einen Augenblick der Idee vorwärts zu helfen schien, wie sollte ich all dies dem Leser verständlich machen? Das was man vielleicht am meisten anerkennen muß, ist, daß er ganz bewußt — denn er hätte es der Zionistischen Organisation niemals erlaubt, ihm einen Pfennig zu bezahlen — verarmte, indem seine ganze Habe, die an sich nicht groß war, für die Bewegung verschwendete und so Weib und Kinder der Gnade des jüdischen Volkes überantwortete. Wir hatten unsere Differenzen. Einmal wies er mich öffentlich zurecht, als ich einige Bemerkungen über den Jewish Colonial Trust gemacht hatte — zu dem ich damals nur die Beziehung eines gewöhnlichen Zionisten hatte--und er sagte, indem er auf mich zeigte: „Föderation ist Föderation und Bank ist Bank“. Es gab andere Divergenzen, wieder und wieder, aber meine Liebe zu ihm und sein Vertrauen zu mir wurden nie gestört. Im Frühling 1904 ging ich nach Amerika und Herzl bat mich, amerikanische Unterstützung zu verschaffen. Richter Mayer Sulzberger war mir sehr hilfreich und regte an, daß Herzl Amerika besuchen sollte. Als ich hörte, daß er unwohl sei, eilte ich zurück nach Europa und fuhr direkt nach Edlach. Mein Besuch erfreute ihn außerordentlich. Da ich England ohne Aufenthalt durchquert hatte, mußte ich nach mehrmonatiger Abwesenheit meine Familie, wenn auch nur für einen Tag, besuchen; aber ich versprach, nach Edlach zurückzukehren und ihn nach vier Tagen irgendwohin zu begleiten. Wir alle dachten, daß eine Veränderung ihm gut tun würde — mein letzter Anblick von ihm war, als er mir mit seinen schönen zarten Händen ein „Auf Wiedersehen“ zuwinkte, das nun nicht mehr auf dieser Seite des Grabes stattfinden kann. (Aus dem Englischen von I. E.) KUHLRAUMEN yJZA&ffCori'tr: 3-2.J" ^/rCesvrv&rötr: 8 jA bk ol ung Kostenlos ,::ir i iil111* iiiiiii Personalia München. Nach längerem Leiden verschied in Würzburg der Ehrenvorsitzende und frühere langjährige 1. Vorstand des jüdischen Lehrervereins für Bayern, Hauptlehrer a.D. Hirsch G o 1 d s t e i n. Die Lehrerschaft betrauert in dem Heimgegangenen nicht nur den treuen, kraftvollen Führer und klugen Berater, der zwei Jahrzehnte hindurch in vorbildlicher Weise den Verein geführt und an seinem Ausbau gewirkt hat, sie beklagt nicht minder den Verlust eines edlen und gütigen Mannes, der sich in wahrer Menschen- und Nächstenliebe unermüdlich um das Wohl seiner Kollegen mühte, wie er seine ganze Kraft für die materielle, soziale und rechtliche Hebung des jüdischen Lehrerstandes eingesetzt hat. Im Jahre 1893 als Nachfolger des unvergeßlichen Isaak Schlenker s. A. an die Spitze des Lehrervereins berufen, legte Goldstein zunächst das Schwergewicht seiner Tätigkeit auf die materielle Kräftigung der Unterstützungskasse für dienstunfähige Lehrer, Witwen und Waisen. Große Erfolge waren ihm auf diesem Gebiete beschieden, reichen Segen hat er damit gestiftet. Tatkräftig vertrat der Dahingeschiedene die Rechte der Lehrerschaft, unerschrocken und mit aller Entschiedenheit stemmte er sich Übergriffen entgegen, von welcher Seite sie auch kommen mochten. Wenn der Verein in allen Wirren und Gefahren einig und treu zusammenstand, so ist dies mit ein Hauptverdienst Goldsteins. Der Heimgegangene war ein hervorragender Schulmann. Restlos arbeitete er in einem selten regen Bildungsbedürfnis an sich selbst. Von seinem unendlichen Fleiß, seinem idealen Sinn und seinem reichen Wissen zeugten glänzende Referate, namentlich aber seine alljährlichen Rechenschaftsberichte, die immer einen Höhepunkt d«r Mitgliederversammlungen darstellten. In edler Bescheidenheit hatte sich der Verlebte jede Ansprache bei seiner Beerdigung, die in Höchberg stattfand, verbeten. Die jüdische Lehrerschaft