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Das jüdische Echo · 1929-07-12 · 15 (12.7.1929) Der letzte Waldjude · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
15 (12.7.1929) Der letzte Waldjude
Date
1929-07-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER LETZTE WALDJUDE VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Dr. Präger, Pressedienst, Wien-Berlin 14. Fortsetzung Er hatte sich gar nicht verändert. Derselbe Schnurrbart, dieselbeNarbe auf der Stirn, nur eine andere Mütze hat er getragen—eine Pelzmütze aus Bärenfell. Ich springe vom Wagen, stelle mich mit meiner Krücke in Positur, wie in den alten guten Zeiten, die Hand an der Mütze, sage: Herr Oberst und so weiter und so weiter mit dem ganzen Titel... ich sage euch, ihr werdet es nicht glauben! Er hat mich umarmt, Tränen standen ihm in den Augen; dann hat er mich ausgefragt, was ich mache, mich daran erinnert, wie wir hinter den Schanzen gelegen haben und hat mich nicht losgelassen — ich mußte mit ihm einen Schnaps trinken. Ich versichere euch, hätte er mir damals gesagt, daß er mich brauchen kann, ich hätte Weib und Kind verlassen und wäre bei ihm geblieben. Beim Abschied sage ich ihm: Herr Oberst, die österreichischen Ulanen tun uns viel Übles an. Nur Geduld — antwortete er —, wir werden bald Polen zurückhaben. Wer konnte damals daran denken, daß ihn ein so elendes Ende erwartet? Kurz und gut, wie das eigentlich zugegangen ist, weiß ich bis heute nicht. Ich glaube, daß ihn der Feind über den Schlagbaum von Kozk gelockt hat; und wie er mit seinen paar Soldaten auf den Markt gekommen ist, wurde der Schlagbaum geschlossen und von vorn begann das Feuer. Flucht, ihr versteht, war nicht möglich; es war ein Spiel mit dem Teufel. Da hat er sich mit dem blanken Säbel einen Weg durchhauen wollen. Juden, Händler, die damals gerade auf dem Markte waren, haben mir erzählt, daß er die Köpfe abhieb wie Kraut. Wäre nicht das Pferd unter ihm gefallen, so hätte er sich in Sicherheit gebracht. Ihr wißt ja gar nichts, zu Fuß hat er sich gewehrt, bis ein Ulane sich hinter ihn schlich und ihm einen Hieb über den Kopf versetzte. Und wie Berek schon in einem Strom Blutes lag, da haben die hundsföttischen Ulanen an ihm Rache genommen, in Stücke haben sie ihn gerissen. Bald ist aber polnisches Militär gegekommen, hat die Österreicher aus Kozk verjagt und Berek mit großer Parade begraben — dort, wo man in die Stadt hineinfährt. Da sind wir ja schon bei seinem Grabe!“ Die älteren Chassidim, die nicht das erstemal nach Kozk kamen, schauten nicht einmal hin, sondern lächelten nur darüber, mit welcher Ehrfurcht der Krüppel von dem Verräter Israels sprach. Die jungen hörten mit offenem Munde und aufgerissenen Augen zu. An der Straße dort, wo der Weg in die Stadt einbiegt, war ein Hügel mit hohem Grase bewachsen. Aus seiner Mitte wuchs ein krummer Apfelbaum hervor. Ringsum war es still. Bloß der Wieprz schlug, wo er am breitesten war, plätschernd an die Uferwiesen; es klang wie ein Plaudern, als erzählte das Flüßchen von Bereks Heldentaten. Aus einem Seitenwege kam ein Wagen mit Chassidim. Sie wichen der Fuhre aus und blieben beim Hügel stehen. Der barfüßige Israel sprang mitten in der Fahrt vom Bock, einige Chassidim, die Bündel auf den Schultern, folgten ihm. Mordechai, der das sah, wußte nicht, was geschehen war, und ließ den Kutscher halten. Die Chassidim stellten sich vor Bereks Grab auf, lärmten und sprangen alle zugleich und schrien, wie beim Neumondgruß: „Greuel aller Greuel, Scheuei aller Scheuei, den Bannfluch ihm!“ Mordechai zitterte; er faßte Reb Itsche, der bleich mit geschlossenen Augen neben ihm saß, beim Ärmel: „Rabbi, jagt sie weg von dort, sonst schlage ich einem den Schädel ein, so wahr ich ein Jude bin!“ „Wehe den Augen, die dergleichen sehen“, sagte Reb Itsche traurig. Inzwischen stieg der Alte vom Wagen, hob einen Stein auf und warf ihn dem barfüßigen Israel mitten an die Stirn. Verwirrung und Getümmel erhob sich. Die Chassidim zer-

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