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Das jüdische Echo · 1929-07-05 · 27 (5.7.1929) · p. Seite 420

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
27 (5.7.1929)
Date
1929-07-05
Page
Seite 420 (sequence 4)
Language
German
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420 Das Jüdische Echo Nr. 27 jüdische Stellungnahme der einzelnen Gruppen in den Ländern der Welt handelt. Wir müssen der Tatsache Rechnung tragen, daß in den Judenheiten der Welt und auch im deutschen Judentum keine einheitliche Auffassung über unsere jüdische Art herrscht. Es ist nicht Aufgabe der Jewish Agency, in diese innerjüdische Auseinandersetzung einzugreifen. Es bleibt jedem Juden und jeder jüdischen Richtung überlassen, ihr Judentum in Deutschland oder in irgendeinem anderen Lande der Welt nach freiem Ermessen zu definieren. Aber da in dem Entwurf der Jewish Agency zwar kein Gegensatz aber eine Unterscheidung zwischen Zionisten und Nichtzionisten festgestellt wird, so möchte ich im Anschluß an die dort gegebenen Definitionen die Bedeutung der gemeinsamen Arbeit würdigen: Zionist im Sinne des Verfassungsentwurfs der Jewish Agency ist eine Person, die mit der Agency in ihrer Eigenschaft als Repräsentant der Zionnistischen Organisation verbunden ist. Nichtzionist im Sinne dieser Verfassung ist eine Person, die in anderer Weise als infolge ihrer Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation mit der Agency verbunden ist. Der Begriff Nichtzionist umfaßt also den großen Teil der Judenheit, dem auch ich angehöre, der heute als gleichberechtigter Faktor in die Leitung des Palästinawerkes eintritt. Wir Nichtzionisten sind ja ganz gewiß weit weniger als die Zionisten einer Meinung, und man findet bei uns eine Musterkarte aller nur denkbaren Anschauungen über Judentum und jüdisches Wesen. Mir kommt es heute darauf an, auch solche Nichtzionisten, die aufs entschiedenste die zionistischen Theorien für ihre Heimatländer ablehnen, davon zu überzeugen, daß sie mit vollem Herzen und unter vollster Wahrung ihrer Anschauungen in das gemeinsame Werk eintreten können. Wir sind weit davon entfernt, die bestehenden gesinnungsmäßigen Unterschiede zu bagatellisieren. Wir wissen, daß heute jüdische Gesinnungen verschiedener Art mit tiefem Ernst und mit starker Leidenschaft vertreten werden, und es scheint mir sicher, daß auch die Ziele jüdischer Entwicklung einen grundsätzlich verschiedenen Charakter tragen. Um so notwendiger brauchen wir heute die vereinigende Tat, die, wie jedes menschliche Werk, naturgemäß nicht als letzte Erfüllung zu betrachten ist, sondern die auch im besten Falle immer nur eine Voraussetzung für noch höhere sittliche jüdische Zukunftsziele darstellt. Unsere Ziele sind vielleicht nicht die gleichen, wir sind verschiedener Meinung, welcher Weg zum rechten Ziele führt, aber schließlich einigt uns alle die Liebe zum Judentum und das Bestreben, dem Judentum zu dienen. Im konkreten Tun darf es somit keinen Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzionisten geben. Beide Teile schließen ohne Gesinnungskompromiß einen Bund für ehrliche und ordentliche Arbeit. Wir Nichtzionisten wissen sehr gut, daß wir in der Arbeit für Palästina auf die Kraft und die Hingabe der zionistischen Welt niemals verzichten können. Erez Israel und Pioniertum sind eng miteinander verknüpft, und mehr noch als Geld braucht das Land die große Zahl geeigneter Menschen, die bereit sind, unter schweren Bedingungen ihr Leben für die Zukunft des Landes einzusetzen. Und niemand kann sich vorstellen, daß der Palästinagedanke in der Welt I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÖNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten .KostUmstlckar eien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 wächst und Macht gewinnt, wenn nicht zugleich die Ideale der zionistischen Bewegung immer wieder neue Geschlechter veranlassen, sich ganz mit Erez Israel zu identifizieren. Der Eintritt der deutschen Judenheit in den Council der Jewish Agency kann von Bedeutung für die gesamte jüdische Entwicklung werden. Die jüdische Welt hat mit großer Spannung die Vorgänge im deutschen Judentum in den letzten Monaten verfolgt. Esi war ein unerhörtes Ereignis, daß nach Jahrtausenden den Juden die Möglichkeit der freien Besiedlung von Erez Israel gegeben worden ist, an uns liegt es, diesen günstigen Augenblick zu nutzen, um jüdische Geschichte zu machen. Mehr als je gilt dasWort: Im ejn ani li, mi li, w’im lo achschaw, ejmataj? (Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich, und wenn nicht jetzt, wann denn?) Herr Dr. Leo B a e c k , Präsident des Allgemeinen Rabbinerverbandes, hielt eine inhaltsreiche Ansprache, die mit tiefem Interesse angehört wurde. Max M. Warburg über den recbtlicben und wirtschaftlichen Status des Palästina-Aufbaus Herr Max M. Warburg schilderte darauf in einer gehaltvollen und formschönen Rede die gegenwärtige Rechtslage und die wirtschaftliche Situation in Palästina. Er bezeichnet die nationale Heimstätte in der Form, wie das Mandat und die übrigen offiziellen Äußerungen sie vorsehen, als eine gegebene Tatsache, zu der auch diejenigen Stellung nehmen müssen, die ihr bisher ablehnend gegenüberstanden. Jeder muß in seiner Art an der Lösung der Aufgabe mitarbeiten. Für die nächsten Jahre ist diese Aufgabe vor allem eine kolonisatorische, die von allen Juden der ganzen Welt gefördert werden muß. Der Redner betont, daß die Grundlage des Aufbaus die Landwirtschaft sein und daß das Selbstbestimmungsrecht der Siedler unbedingt erhalten bleiben muß. Der Enthusiasmus der Pioniere ist einer der wichtigsten Faktoren zur Überindung der Schwierigkeiten. Wirtschaftliche Einsicht muß hinzutreten, aber das Materialistische darf nicht das Ausschlaggebende sein. Die Nichtzionisten, die an der Sache mitarbeiten, werden das Bewußtsein haben, sich in den Dienst einer großen Idee gestellt zu haben. „Man wird die wirtschaftliche Grundlage des Nationalheims nur finden können, wenn in weit größerem Maße als bisher Grund undBoden angekauft werden, denn nur dann ist auch eine größere Einwanderung durchführbar. Das Endziel muß sein, ein gesundes Unternehmen ins Leben zu rufen, in dem, wenn auch erst für spätere Zeit, aber schließlich doch wirtschaftliche Werte geschaffen werden, die einer großen Idee dienen und wirtschaftliche Dauerwerte mit eigenen entsprechenden Erträgnissen haben.“ Im zweiten Teil seiner Rede setzt sich Max M. Warburg mit der Haltung derjenigen auseinander, die meinen, durch eine Teilnahme am Palästinawerk könnte ihre Beziehung zu ihrem Vaterland beeinträchtigt werden. Er betont nachdrücklich, daß jeder, der aus Überzeugung und Liebe seinem Vaterland dient, trotzdem an den Bestrebungen, den eigenen Stamm wiederaufzurichten, nicht Vorbeigehen kann. Das Palästinawerk ist für alle Juden1 eine Ehrensache. Die deutschen Juden müssen es sich als ihre Ehre anrechnen, Delegierte in die Jewish Agency zu entsenden. Sie müssen mit Rat und Tat bei dieser Sache helfen und das Einigende in den Vorder-

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