Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 26 (28.6.1929)
- Date
- 1929-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 26_28. Juni 16. Jahrgang Zur Verbandstagung In Hschaffenburg Zum siebenten Male treten die auf Grund der Verfassung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden von der bayerischen Judenheit gewählten Vertreter zu einer Landesversammlung zusammen. Nach Nürnberg, München, Würzburg, Augsburg, Fürth, Bamberg nimmt Aschaffenburg in diesem Jahre die Tagung gastlich bei sich auf. Die Sitte, die Tagung jedesmal in einer anderen Gemeinde des Landes abzuhalten, hat manches für sich. Sie knüpft die Beziehungen zwischen dem Verband und seinen Gliedern fester; sie gibt den verschiedenen Landesteilen Gelegenheit, die vielseitige, segensreiche Tätigkeit des Verbandes durch Teilnahme an den Verhandlungen näher kennen und besser würdigen zu lernen; sie bringt die Verbandsleitung in unmittelbare Berührung mit den Bezirken und führt zur persönlichen Aussprache über deren Wünsche und Bedürfnisse. War auch der Aufgabenkreis des Verbandes schon in der ersten vorläufigen Verfassung fest umschrieben, so hat doch die Verbandstätigkeit in den neun Jahren, die der Verband hinter sich hat, erst allmählich sich auf die einzelnen Gebiete erstrecken können. Ein Blick auf die der Tagung zur Genehmigung unterbreitete Jahresrechnung 19 28 und den Haushaltplan 1929 zeigt deutlich Art und Umfang der Verbandsleistung. Die seit Jahren einheitlich festgesetzte Verbandsumlage von drei Prozent der Staatssteuer erbrachte im Vorjahre 635 000 RM. Der Staatszuschuß betrug wieder 60 000 RM. (Für das laufende Jahr steht, wie wir hören, eine kleine Erhöhung des Staatszuschusses in Aussicht, der damit allerdings immer noch weit hinter dem zurückbleibt, was nach der Relation der Bevölkerungszahl aus den Aufwendungen des Staates für die religiösen Gemeinschaften auf das jüdische Bekenntnis entfallen müßte.) Auf der A u sgabenseit e erscheint als größter Posten mit 312 000 RM. die Zuschußleistung zur B e a m t e n b e s o I d ung, die durch die Beamten- und Besoldungsordnung des Verbandes für das ganze Land, auch für die kleinste Gemeinde, in befriedigender, ja man kann sagen in vorbildlicher Weise geordnet ist. Neben dem Besoldungsetat nimmt die Position Zuschüsse für soziale und kulturelle Zwecke, der sog. W o h 1 f a h r t s - e t a t des Verbandes die zweite Stelle ein. Er erforderte im vergangenen Jahre insgesamt rund 245 000 RM. Vielfältig sind die Zwecke, die in diesem Rechnungsposten zusammengefaßt sind. Der Verband unterhält als eigene Wohlfahrtsanstalt das Land eshei m (Siechenheim) in Würzburg, über dessen Erweiterung, evtl. Verlegung die diesmalige Tagung beschließen soll. Er hat mit namhaften Beträgen (zusammen etwa 40 000 RM.) die bayerischen Wohlfahrtsanstalten, deren Wirkungskreis über rein lokale Aufgaben hinausgeht, unterstützt; er unterhält die Provinzial- und Grenzkassen der Wanderfürsorge und stellt durch sein Wohlfahrtsamt für die offene Fürsorge bei Bedürftigen der leistungsschwachen Kleingemeinden einen allerdings nur bescheidenen Betrag zur Verfügung. — Eine Erweiterung der Wohlfahrtsleislungen des Verbandes im neuen Jahr soll dadurch erfolgen, daß der Verband den Gemeinden Zuschüsse gewährt zu den Lasten, die ihnen durch die Unterbringung von Hilfsbedürftigen in Anstalten erwachsen, da wo j— wie bei Ausländern — die öffentlichen 50 Jahre B. Heller Am 1. Juli 1929 werden es 50 Jahre, daß die Buchdruckerei B. Heller gegründet wurde. In dieser Zeit hat sie sich vier Jahrzehnte unter der Leitung von Herrn Benno Heller und im letzten Jahrzehnt unter der von Herrn Dr. Alfred Heller dank der Hingabe und der nicht alltäglichen Tüchtigkeit dieser beiden Männer nicht nur aus kleinen Anfängen zu beachtenswerter Höhe hinaufgearbeitet — sie hat sich auch, was vielleicht heute ganz besonders hervorgehoben zu werden verdient, durch die Solidität und Qualität ihrer Produktion einen ungewöhnlichen Ruf geschaffen. Das Jubiläumsjahr sieht die Druckerei, die sich nahezu 50 Jahre in der Herzog-Max-Straße 4 befunden hat, in neuen Lokalitäten in der Plinganserstraße 64 — in der Herzog- Max-Straße ist ein Stadtbüro verblieben —, die auch Raum für weitere Entwicklung und Entfaltung bieten werden. Die jüdische Öffentlichkeit hat besonderen Anlaß, an diesem Jubiläum freudigen Anteil zu nehmen. Das der Druckerei angegliederte Verlagsunternehmen befaßt sich im wesentlichen mit jüdischen Publikationen und bringt heute nicht weniger als drei jüdische Zeitschriften heraus: Unser „Jüdisches Echo“, das ja auch bereits im 16. Jahrgange erscheint, die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung“ und „Das Zelt“, Zeitschrift für die jüdische Jugend. Daneben erscheinen im Verlag B. Heller noch eine ganze Anzahl von israelitischen Gemeindekalendern, und zwar für München, Augsburg, Wiirzburg, Fürth, Bamberg, Freiburg und Worms, sowie einige kleinere Schriften jüdischen Inhalts. Der Redaktion des „Jüdischen Echos“ ist es bei dieser Gelegenheit ein inneres Bedürfnis, Herrn Dr. Alfred Heller für die stets verständnisvolle und tatkräftige Förderung ihrer Arbeit zu danken und ihm ihre herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Sie darf ihm nachrühmen, was vielleicht der schönste Ruhm ist, den ein Kaufmann sich erwerben kann, daß Gedeihen und Erfolg seines Unternehmens der Allgemeinheit zugute kommen und Dienst am Gemeinwohl bedeuten; sie weiß, daß es nur heißt, der Allgemeinheit und insbesondere der jüdischen Gemeinschaft Gutes zu wünschen, wenn sie für die Druckerei und den Verlag B. Heller eine weitere gedeihliche Entwicklung erhofft. Die Redaktion des „Jüdischen Echos“