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Das jüdische Echo · 1929-06-21 · 12 (21.6.1929) Der letzte Waldjude · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
12 (21.6.1929) Der letzte Waldjude
Date
1929-06-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER LETZTE WALDJUDE VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Dr. Präger, Pressedienst, Wien-Berlin) 11. Fortsetzung „Die Krajeska, die Hexe. Sie lebt mit dem Teufel, Panie. Der Pan glaubt es nicht? Die ganze Welt weiß davon. Die Bauern haben sie mit dem Teufel gehen sehen, sie haben ihn sofort erkannt, er war dürr wie ein Windhund und hat mit dem Schweife gewedelt wie ein Affe.“ „Geht sie in die Kirche?“ fragte Mordechai. „Aber, Panie, sie kommt doch nicht einmal in ein Dorf, wo eine Kirche steht. Bei Tage geht sie selten aus, dafür aber bei Nacht. Was dort vorgeht, Panie — es ist eine Schande, es zu erzählen! Sie hat die ganze Gegend verhext, es gibt kein einziges Haus, in dem nicht ein Kind mit einem Weichselzopf geboren wird.“ „Warum jagen sie die Bauern nicht fort?“ fragte Mordechai. „Bah ...“ Marcin drehte sich um, spuckte aus und trieb die Pferde an. Hasen, die an der Straße auf Grasbüscheln saßen und horchten, legten die aufgestellten Löffel um und jagten ängstlich über die Felder. Mordechai .schaute auf die dampfenden Flächen, auf das Häuschen, das düster mitten in den Sümpfen stand und die Stille der Landschaft zu zerreißen schien. Vor Morgengrauen kamen sie in Praga an und machten in einem Wirtshause Rast. Der Hof war vollgestopft mit Fuhrwerken, Wagen und Kutschen. Auf den Fuhren lagen Bauern, die Gesichter nach oben, und schnarchten. An der Mauer lagen bei den Wassertrögen die Pferde auf Stroh gebettet; ihre Bäuche bewegten sich wie Blasebälge. Einige knabberten an dem Holz der Tröge, schlugen mit den Hinterbeinen aus und wieherten. Inmitten des Einfahrthofes hing an einer langen, rostigen Kette eine Laterne, in der ein dickes Wachslicht blakte und die Gebäude nur schwach beleuchtete. In einem Winkel des Hofes stand ein alter, moosbewachsener Brunnen, dessen Wasser bis zum Rande schlug. Die schwarze Öffnung des Brunnens sah aus dem halbdunklen Winkel von der Ferne wie ein ausgeschlagenes Auge hervor. Marcin spannte die Pferde aus, tränkte sie, schüttete ihnen Hafer vor und ging zusammen mit seinen Passagieren zum Wirt der Herberge. Der Wirt wohnte in einem großen Quadratischen Zimmer. Darin standen senkrecht gegeneinander zwei Betten, in denen die Wirtsleute schliefen; in einem lag ein alter Jude mit grauem Bart, im zweiten eine alte Frau in einer weißen Schlafhaube, die tief über die Augen gezogen war. Über ihrem Kopf lag eine schwarze Katze und aus dem Bett drang ein eigenartiges-Pfauchen; es war schwer zu entscheiden, von wem es herrührte — von der Frau oder von der Katze. Auf dem Fußboden lagen Bauern in den Kleidern und schnarchten. Ein großer Ziegelofen nahm fast ein Drittel des Zimmers ein. Auf ihm brannte unter einem großen eisernen Topf ein kleines Feuer. An den Wänden hingen Äxte, Schaufeln, Sägen und ein Dutzend verschiedenartiger Peitschen. In einer Ecke hing neben einem Kasten mit blank geputztem Kupfergeschirr an einem weißen Bändchen eine kleine Mazze. Die Wände, der Fußboden und die Betten waren über und über mit Fliegen bedeckt, wie mit schwarzen Tüchern. Die Luft im Zimmer war dumpf und schwer vom Rauch; der Bauerntabak kratzte stark im Halse. Der Wirt erwachte, musterte die Passagiere, hieß sie ihr Gepäck in einen großen Holzkasten legen und deutete mit dem Daumen auf den Topf, der auf dem Herd stand: „Ihr wollt doch ein Glas Tee?“ Reb Itsche antwortete auf diese Frage nicht, sondern erkundigte sich: „Ist es weit von hier zu einem Beth-Hamidrasch?“

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